„Widerspricht unseren Prinzipien“
Streit um Israel-Boykott an der Heinrich-Heine-Universität
16.04.2026 – 15:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Protestplakat gegen Israel (Symbolbild): HHU-Leitung spricht sich gegen Studierenden-Forderung aus. (Quelle: IMAGO/©INPHO/Tom Maher/imago)
Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat einen Boykott israelischer Hochschulen gefordert. Die Universitätsleitung widerspricht scharf.
An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist ein heftiger Konflikt um den Umgang mit israelischen Hochschulen entbrannt. Auslöser ist ein Beschluss des Studierendenparlaments vom 13. April 2026, der den akademischen Boykott Israels fordert und auf scharfen Widerstand in der Universität stößt.
Mehrheitlich nahm das Studierendenparlament den Antrag „Boycott, Divest Sanction Report HHU“, ein Bericht der studentischen BDS-Initiative, an. Darin wird unter anderem gefordert, bestehende Kooperationen der Universität mit israelischen Partnerhochschulen zu überprüfen und gegebenenfalls zu beenden.
Zur Begründung heißt es, israelische Universitäten spielten eine „instrumentelle Rolle in der Waffenentwicklung und Produktion“ und seien damit in den Gaza-Krieg verstrickt. Ziel sei es, diese „Komplizenschaft“ öffentlich zu machen und politischen Druck aufzubauen.
Die Univerisätsleitung weist diese Forderungen entschieden zurück. In einer Stellungnahme betont das Rektorat, dass es sich Boykottaufrufen gegen israelische Wissenschaftseinrichtungen nicht anschließen werde.
„Ein pauschaler Boykott der wissenschaftlichen Einrichtungen eines Landes widerspricht diesem Prinzip und schadet gerade in angespannten Zeiten genau den Netzwerken, die Brücken bauen“, heißt es in der Stellungnahme der Hochschulleitung. Wissenschaft lebe von Austausch, Kooperation und überprüfbarer Evidenz – gerade auch über politische Konfliktlinien hinweg.
Rektorin Anja Steinbeck erklärte: „Die Abschottung der einen Demokratie gegen die andere ist keine vernünftige Antwort auf politische Konflikte.“ Stattdessen setze die Universität auf Dialog und internationale Zusammenarbeit (Stellungnahme der Hochschulleitung der HHU).
Auch innerhalb der Universität regt sich Widerstand. In einem offenen Brief distanzieren sich Dozierende und Mitarbeitende deutlich vom Beschluss des Studierendenparlaments.
Sie warnen unter anderem davor, dass ein Abbruch von Kooperationen Projekte gefährden würde, die der Verständigung zwischen Deutschland und Israel dienen. Gerade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sei diese Zusammenarbeit von besonderer Bedeutung.
Zudem sehen die Unterzeichnenden die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr. Ein akademischer Boykott mache Forschende kollektiv für staatliches Handeln verantwortlich und widerspreche damit grundlegenden Prinzipien der Forschung.
