Schlechte Ernährung, beengte Wohnverhältnisse, innerfamiliäre Spannungen und fehlende Winterschuhe: Kinderarmut hat zahlreiche Gesichter und ihre Bekämpfung ruht auf vielen Schultern. Zu den wichtigen Bausteinen bei der Linderung der Armutsfolgen gehört in der Landeshauptstadt der Armutsfonds, der nach dem Willen der schwarz-grünen Ratskooperation demnächst Chancenfonds heißen soll.

Der Fonds hilft dabei, bestehende Versorgungslücken innerhalb der städtischen Präventionsketten zu identifizieren und zu schließen. Seit 2020 läuft das Projekt, das in dieser Woche verlängert wurde. Zur Verfügung stehen 475.000 Euro im Jahr. Geld, das dabei helfen soll, die Folgen von Kinderarmut zu lindern. Am besten durch nachhaltige und längerfristig wirksame Projekte, die bei Bewährung auch in eine reguläre und dauerhafte Finanzierung überführt werden können.

Zu denen, die von diesem freiwilligen finanziellen Engagement der Stadt profitieren, Kostenpflichtiger Inhalt gehört die Garather Gesundheitswerkstatt, die vom SOS-Kinderdorf getragen wird. „Hier kommen Menschen aus verschiedenen Generationen zusammen, um mit Freude und ohne Hürden etwas über ausgewogene Ernährung zu lernen“, sagt Bereichsleiter Björn van den Bruck. Dabei gehe es nicht um ein gesundes Frühstück vor dem Schulbeginn oder ein Mittagessen, das sich Menschen sonst nicht leisten könnten. „Dafür haben wir andere Angebote“, sagt er. Die Gesundheitswerkstatt setze andere Akzente. „Wir wollen Menschen für gesunde Ernährung sensibilisieren, die sonst kaum Zugang zu Themen rund um die Gesundheitsprävention haben. Und wir wollen die Generationen zusammenbringen, Menschen aus der Einsamkeit holen.“ Dem Bereichsleiter für Kinder- und Jugendförderung gefällt es, wenn vier Generationen schnibbelnd in der Küche der Werkstatt stehen oder Heranwachsende erfahren, dass es jenseits von Eistee und überzuckerten Softdrinks auch gesunde Durstlöscher für den Sommer gibt.

Anders als in manchen Ruhrgebietsstädten springt die Armut in der Landeshauptstadt nicht immer gleich ins Auge. Immerhin zählt Düsseldorf zu den Top-Standorten für hohe Einkommen und ist die NRW-Großstadt mit der höchsten Millionärsdichte. Doch das Stadtgebiet ist sozial stark gespalten, Kostenpflichtiger Inhalt was zuletzt noch einmal durch den Düsseldorfer Quartiersatlas untermauert wurde. So lebten laut Stadt 2024 in Düsseldorf mehr als 13.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre in Bedarfsgemeinschaften, die von Sozialleistungen leben. Dies entspricht einer Quote von 15,2 Prozent. Hinzu kommen jene, die nicht in diese Gruppe fallen, aber dennoch in prekären Verhältnissen leben.

Düsseldorf hat deshalb mit dem Aufbau von Präventionsketten, die Armutsbekämpfung professionalisiert. Das Konzept betrifft alle Generationen, setzt aber besondere Schwerpunkte im Bereich der Kinder- und Jugendarmut. „Ziel ist es, der Armut präventiv zu begegnen, Armutsfolgen abzumildern und dabei die gesellschaftliche Teilhabe zu stärken“, sagt Ursula Kraus, die im Amt für Soziales und Jugend diesen Bereich koordiniert.

Zu den Projekten, die aktuell aus dem Armutsfonds finanziert werden, gehört auch das Therapieangebot „Relieve“. Hier springt die Stadt in die Bresche, um besonders Familien zu helfen, die nicht aus eigenen Ressourcen heraus eine therapeutische Hilfe finden und finanzieren können. Hintergrund ist die geringe Zahl der von den Krankenkassen vorgesehenen Sitze für Kinder- und Jugendtherapeuten. „Die Nachfrage nach solchen Plätzen ist riesig und wir versuchen, mit den Mitteln aus dem städtischen Fonds das zu überbrücken“, sagt Kraus. Die Expertin hofft, das Projekt, das nicht unter die klassische Jugendhilfe fällt, ab 2027 trotzdem verstetigen und dauerhaft finanzieren zu können.

Die Notwendigkeit solcher Projekte betont auch van den Bruck. Seiner Einschätzung nach haben sich die Armutsfolgen in den letzten Jahren noch einmal verschärft. Dafür macht der Sozialpädagoge mehrere Faktoren verantwortlich: steigende Kosten bei Mieten und Lebenshaltung erhöhten den Druck auf ärmere Familien ebenso wie das verstärkte Wegbrechen mehrgenerativer Modelle, bei denen beispielsweise die Präsenz der im selben Quartier lebenden Oma eine wichtige Rolle spielt. Hinzu komme, dass häufig beide Eltern sehr viel arbeiteten, um überhaupt über die Runden zu kommen sowie die Zunahme psychischer Erkrankungen.

„Die Familien sind oft sehr belastet, weil höhere Ansprüche und eine höhere Lebensgeschwindigkeit sie unter Druck setzen. Viele Kinder kümmern sich dann um sich selbst. Immer wieder erlebe ich Jungen und Mädchen, die hungrig sind, weil sie keine richtige Mahlzeit erhalten“, sagt van den Bruck. Den Armutsfonds mit seinen Projekten (s. Infobox) hält er daher für wichtiger denn je.

Eine Einschätzung, die auch Düsseldorfs Jugendhilfe-Politiker unisono teilen. Der Fonds biete eine großartige Möglichkeit, Kinder in schwierigen Verhältnissen niederschwellig zu unterstützen, und es sei nicht selbstverständlich, dass eine Stadt das tun könne, so die Einschätzung. Entsprechend fiel das Votum für die Fortführung des Fonds am Mittwoch einstimmig aus.