„gEt a liFe“ bringt Jugendliche und Beratung zusammen. Gibt Orientierung, baut Hemmschwellen ab und ermöglicht Hilfe deutlich früher.

Der Veranstaltungsraum im Bürgerhaus Erbenheim füllte sich am Donnerstag-Vormittag. Rucksäcke blieben auf den Schultern, Stimmen mischten sich, irgendwo klapperte ein Stuhl. „Sucht euch eure Station, dann geht’s los“, ermunterte Melanie Zeinali, Sprecherin der AG „Impuls“, die Schüler aam Aktionstag „gEt a liFe“. Sie koordinierte, erklärte, ordnete – und brachte Struktur in das lebendige Durcheinander. Wenige Minuten später hatten sich auf 14 Stationen verteilt, begannen Gespräche begannen, entstanden die ersten Fragen.

Beratungsstellen für Jugendliche in Wiesbaden

Aidshilfe Wiesbaden e.V. – Aufwind e.V. – BIZeps – Institut für Beratung und Therapie von Familien und Jugendlichen (IBT) – JIZ – Jugend-Info-Zentrum – Jugendmigrationsdienst – Nummer gegen Kummer – Kinder- und Jugendtelefon – Polizeidirektion Wiesbaden/Haus des Jugendrechts – pro familia Wiesbaden – Für selbstbestimmte Sexualität – Queeres Zentrum Wiesbaden e.V. – StarKi – Angebot für Kinder und Jugendliche psychisch kranker und suchtkranker Elter –  Suchthilfezentrum Wiesbaden – Upstairs – Hilfe für von Wohnungslosigkeit bedrohte Jugendliche – Wi & you Kinder-, Jugend- und Stadtteilzentren – Wildwasser Wiesbaden e.V. – Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt – Zora Anlauf- und Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen

Ein Tag, der Orientierung gab

Der Jugendaktionstag „gEt a liFe“ richtete sich an Schüler der achten Klassen aller Wiesbadener Schulen, in diesem Jahr rund 22 Klassen aus etwa sieben Schulen. Sie trafen auf 14 Beratungsstellen – und auf Themen, die sie betrafen, aber selten offen ansprachen. „Unser Ziel ist, dass Jugendliche wissen, wo sie hingehen können – und dass sie sich auch trauen, dorthin zu gehen“, erklärte Heike Zimmermann vom Präventionsrat der Landeshauptstadt Wiesbaden. Sie stand am Rand der Halle, beobachtete, wie sich die Gruppen sortierten. „Für viele geht es auch darum, Hemmschwellen abzubauen.“

Beratung wurde sichtbar

An den Ständen wurde nicht geworben, sondern gesprochen. Die Beratungsstellen erklärten ihre Arbeit, stellten konkrete Fälle vor, luden zum Nachdenken und zum Nachfragen. Es ging um Themen wie Sexualität, Sucht, Gewalt, psychische Belastung oder familiäre Konflikte.

„Viele kennen vielleicht zwei oder drei Einrichtungen“, so Zeinali. „Nach dem Tag kennen sie deutlich mehr.“ Genau darin habe der Kern des Projekts gelegen: Sichtbarkeit schaffen. Die AG „Impuls“ vereint die beteiligten Beratungsstellen. EDas ist einmalig in Hessen, wenn nicht sogar in Deutschlaand. Seit 2006 organisiert die AG den Aktionstag, entwickelt ihn weiter, passt ihn an. Die Stadt lässt sich das was kosten und unterstützt über den Präventionsrat die Arbeit –. Zwischen einzelnen Schulen und der AG Impuls hätten sich mittlerweile partnerschaftliche Verbindungen ergeben. Die Gutenberg-Schule unterstützte in diesem Jahr mit Material wie Stellwänden. Die eigentliche Arbeit aber, trugen die Einrichtungen selbst.

Lernen durch Begegnung

Die Schule wurde am Aktionstag gebrochen. Mal saßen die Schüler an ihren Stationen im Kreis, dann in Reih und Glied wie in der Schule. Die Sprecher der Beratungsstellen entschieden selbst. Dabei wäre es wichtig, die Jugendlichen immer wieder mit einzubeziehen, nicht passiv sich selbst zu überlassen. Sie hörten zu, diskutierten, sammelten Informationen die sie nach den Gesprächsrunden mit einem Actionbound vertieften – einem digitalen Stationenlauf. Später trugen sie das Wissen zurück in ihre Klassen, gestalteten Plakate, erstellten Übersichten, gaben ihre Eindrücke weiter.

Ein Beispiel blieb hängen: Ein Jugendlicher hatte in einer Beratung erzählt, er wolle lernen, „kontrolliert zu trinken“. Für die Fachkräfte war das ein Signal. „Früher kamen viele erst, wenn Probleme schon groß waren“, sagte eine Beraterin. „Jetzt merkten wir, dass einige früher kommen wollten. Das ist ein Fortschritt.“

Wann Hilfe begann

Diese Frage zog sich durch den Tag: Wann suchte man Hilfe? Viele Jugendliche antworteten zunächst: wenn es nicht mehr anders geht. Im Laufe der Gespräche verschob sich die Perspektive. Darauf angesprochen, dass es doch git wäre, schon im Vorfeld verschiedene Probleme zu thematisieren, stimmten die Jugendlichen zu. Zenali war es an dieser Stelle wichtig, zu zeigen „,dass man auch vorher kommen darf.“ Wenn etwas unklar ist. „Wenn man sich unsicher ist. Wenn man einfach Fragen hat.“
Zimmermann ergänzte: „Das war vielleicht die wichtigste Botschaft des Aktionstages „gEt a liFe : Hilfe ist nichts, wofür man sich schämen muss.“

Schülerinnen und Schüler informierten sich beim Jugendaktionstag „gEt a liFe“ über Beratungsangebote in Wiesbaden und kamen direkt mit Fachstellen ins Gespräch.

Bedarf stieg – Angebote unter Druck

Der Blick hinter die Kulissen zeigt ein anderes Bild. Viele Beratungsstellen arbeiteten an der Grenze ihrer Kapazitäten. Termine sind je nach Themengebiet gefragt, Wartezeiten entstehen. Doch Warten heißt auch Ungeduld. Zeinali, die auch in der Suchtberatung arbeitet, sagt „Der Bedarf ist da. Wir könnten deutlich mehr beraten, wenn wir mehr Ressourcen hätten.“

Gleichzeitig blieben einige Angebote unbekannt – vor allem kleinere oder spezialisierte Einrichtungen. Genau hier setzte „gEt a liFe“ an.

Ein Projekt, das weiter wachsen wollte

Seit fast zwei Jahrzehnten existierte das Format. Es hat sich verändert, vergrößert, angepasst. Früher besuchten einzelne Klassen Beratungsstellen direkt. Das war sehr Zeitaufwendig. Heute kommen die Angebote zu den Jugendlichen. Trotzdem: Noch immer nehmen nicht alle Schulen teil. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Zimmermann. „Wir freuten uns über jede Schule, die dazukommt.“

Am Ende der ersten Session, der ersten Klassenrunde des Tages leerte sich die Halle. Die Gespräche klangen nach. Und viele nahmen etwas mit – eine Adresse, einen Gedanken, vielleicht auch ein Stück Sicherheit.

Oder einfach das Wissen – wo man welche Beretung erhält: Man musste nicht warten, bis es zu spät war.