Schloß Holte-Stukenbrock. Montagabend, Primetime – für Wolfgang Biele ist das ein festes Ritual. Woche für Woche macht er es sich zusammen mit seinem Ehemann Guido Schütte auf dem korallfarbenen Sofa bequem, schaltet „Wer wird Millionär?“ ein und verfolgt gespannt die beliebte Fernsehshow mit Günther Jauch.
Auch bei der Sendung am Montag, 13. April, ist alles wie gewohnt – nur dass das Paar diesmal selbst im Publikum zu sehen ist. Als die entscheidende Frage kommt, zögert Biele keine Sekunde. Er erhebt sich, wird als Publikumsjoker ausgewählt – und trifft direkt ins Schwarze. Seine Antwort sichert dem Kandidaten die begehrten 125.000 Euro. Aber von vorne.
Für den 53-Jährigen ist es nicht der erste Besuch im WWM-Studio in Hürth bei Köln. Seit Jahren verfolgt der ehemalige Lehrer die Sendung mit Begeisterung und saß bereits mehrfach im Publikum. Einmal schaffte er es sogar in die Auswahlrunde. „Das müsste 2005 gewesen sein“, erinnert er sich im Gespräch mit der NW. Damals reicht es noch nicht für den Kandidatenstuhl, doch seine Leidenschaft für das Quiz ist ungebrochen.
×
Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail zur Bestätigung Ihrer Anmeldung.
Erst danach ist diese abgeschlossen.
Bitte prüfen Sie auch den Spam-Ordner.
×
Sie haben bisher Ihre E-Mail-Adresse noch nicht bestätigt.
Erst danach ist diese abgeschlossen.
Bitte prüfen Sie auch den Spam-Ordner.
×
Es ist einen Fehler aufgetreten
Bei Fragen hilft unser Newsletter-Support
Newsletter
Update zum Abend
Informiert bleiben mit täglichen News aus dem Kreis Gütersloh, OWL und der Welt.
Jetzt anmelden
Als Zuschauer verfolgt er das Geschehen besonders aufmerksam
Immer wieder bewirbt er sich, hofft auf seine Chance. Auch am 11. Februar, als die aktuelle Folge aufgezeichnet wird, ist er dabei. An diesem Abend verfolgt er das Geschehen besonders aufmerksam. Auf den Kandidatenstuhl schafft es der 28-jährige Tom Wollnik, der in der Auswahlrunde CDU, SPD, Grüne und Linke ihren jeweiligen Parteivorsitzenden am schnellsten korrekt zuordnet.
Lesen Sie auch: TV-Show „Wer wird Millionär?“: Hausarzt aus dem Kreis Gütersloh verzockt sich bei Jauch
Der Softwareentwickler spielt sich souverän durch die ersten Fragen, verzichtet auf die Sicherheitsstufe von 16.000 Euro. Stattdessen sichert er sich einen zusätzlichen Joker – den Publikumsjoker. Dabei stehen einzelne Zuschauerinnen und Zuschauer auf, wenn sie glauben, die richtige Antwort zu kennen. Eine Entscheidung, die sich später auszahlen wird.
Bei der 125.000-Euro-Frage wird es dann doch knifflig. Gesucht ist ein aus Asien eingeschleppter Hautpilz, der hierzulande eine tödliche Bedrohung für bestimmte Tiere darstellt. Für viele im Studio – und auch für den Kandidaten – ein Rätsel. Für Wolfgang Biele nicht. Denn nur wenige Monate zuvor hatte der Ostwestfale im Lokalteil der Neuen Westfälischen einen Artikel über den Botanischen Garten in Bielefeld gelesen. Darin ging es um den Hautpilz „Batrachochytrium salamandrivorans“, auch Salamanderfresser“ genannt, der die Population der Feuersalamander massiv bedroht.
Biele will mit schwarzem Hemd und knallroter Krawatte auffallen
Dieses Wissen ist plötzlich wieder präsent. Biele, der sich am Telefon gerne mit „Biele, wie Bielefeld, nur ohne Feld“ vorstellt, ist sich sicher und steht auf – zusammen mit zwei weiteren Zuschauerinnen. Genau das hatte er sich vorgenommen: aufzustehen, wenn er sich sicher ist.
Der Artikel: Bielefelder Feuersalamander in Gefahr: Massensterben im Botanischen Garten droht
Der 53-Jährige setzt an diesem Abend auf Signalwirkung. Schwarzes Hemd, knallrote Krawatte – bewusst gewählt, um aufzufallen. „In der Hoffnung, dass ich wahrgenommen werde“, sagt er später. Auch sein Platz scheint wie gemacht: Reihe 2, Block B, Platz 11. Seine Lieblingszahl, direkt im Blickfeld des Kandidaten.
Im Block B, Reihe 2, Platz 11 saß Biele direkt im Blickfeld des WWM-Kandidaten.
| © Anna Lena Hinder
Das fällt auch Moderator Günther Jauch auf. „Ein Trump-Fan?“, scherzt er in Richtung des 53-Jährigen und deutet auf die rote Krawatte. Biele reagiert prompt, wirft den Schlips demonstrativ über die Schulter – und bleibt im Gedächtnis. Der Kandidat entscheidet sich für den Schloß Holte-Stukenbrocker als Joker. Mit seinem angelesenen Wissen schließt Biele die übrigen Antwortmöglichkeiten aus. Auch der Kandidat ist überzeugt.
Schon fest verplant: Wofür die 500-Euro-Gewinnsumme gedacht ist
Doch in dem Moment, als die Antwort eingeloggt wird, weicht die anfängliche Gelassenheit des promovierten Chemikers einer leisen Nervosität. „Was, wenn ich mich doch irre?“, schießt es Biele durch den Kopf. Applaus nach der Auflösung. Die Antwort ist richtig. Die 125.000 Euro sind eingetütet. „Da fiel mir ein Stein vom Herzen“, sagt Biele später.
Der WWM-Fan begeistert sich für Insekten und außergewöhnliche Pflanzen – hier sitzt er neben seiner dreiblättrigen Bitterorange im heimischen Garten. Er träumt davon, eines Tages selbst auf dem begehrten Kandidatenstuhl zu sitzen.
| © Anna Lena Hinder
Für seinen erfolgreichen Einsatz erhält er selbst 500 Euro – Geld, das bereits auf dem Konto und fest verplant ist. Im Sommer geht es wie jedes Jahr nach Kroatien. Diesmal soll es auch kulinarisch etwas Besonderes werden. Ein Gericht, das sonst nicht auf den Tisch kommt – vielleicht Tintenfisch.
Für den Kandidaten bleibt es spannend: Auch die 500.000-Euro-Frage beantwortet er richtig. Doch noch bevor es um die Millionen-Frage geht, endet die Sendung. Und Wolfgang Biele? Der bleibt dran. Am nächsten Montag sitzt er wieder mit seinem Ehemann auf dem Sofa, schaltet den Fernseher ein – und schaut seine Lieblingssendung. Mit dem festen Ziel vor Augen, irgendwann selbst auf dem Stuhl zu sitzen. Direkt gegenüber von Günther Jauch. Die Bewerbung dafür läuft jedenfalls weiter.
Das Quiz zum Nachspielen: Wie weit würden Sie kommen?

