Schauspieler verkleiden sich mit haarlosen Masken

AUDIO: Best OFF Festival: Experimentelles Theater in Hannover (3 Min)

Stand: 16.04.2026 14:04 Uhr

Das dreitägige „Best OFF Festival“ im Kulturzentrum Pavillon in Hannover zeigt ab dem 23. April drei Tage lang die besten Inszenierungen aus Niedersachsens freier Theaterszene aus den vergangenen zwei Jahren.

von Agnes Bührig

Vorab ist bereits die Produktion „Mephisto. Under Pressure“ zu erleben. Ein Theatermacher erzählt auf der Bühne im Stück davon, wie es ist, in politisch aufgeheizten Zeiten ein Theaterstück zu entwickeln. „Ich versuche möglichst wenig juristisch verwertbare Munition zu liefern. Ich versuche ein Programm durchzubringen, was dieser Partei in Teilen nicht schmecken dürfte.“ Das Team vom freien „Theater an der Glocksee“ (dort wird das Stück im Gegensatz zu den anderen Festival-Stücken aufgeführt) aus Hannover hat dafür voriges Jahr Theaterleute befragt, wie sich ihre Arbeit durch das Erstarken der rechtsextremen Szene verändert hat.

„Mephisto“: Welche Parallelen zur NS-Zeit?

Dass viele Stimmen im Stück nur anonymisiert vorkommen wollten, hat Lena Kußmann vom Leitungsteam zu Denken gegeben. „Tatsächlich kam die Bitte von Kulturschaffenden aus Deutschland, weil sie eben befürchten, sich selbst oder auch ihre Institution in irgendeiner Form in Gefahr zu bringen. Und dass das 2025 schon so weit ist, das hat uns einfach sehr bedrückt.“ Das Stück „Mephisto“ fragt, welche Parallelen wir zur der Zeit vor hundert Jahren ziehen können, als Gustaf Gründgens unter den Nationalsozialisten vom Schauspieler zum Intendanten aufstieg. Es ist eine von fünf Produktionen, die beim „Best OFF Festival“ freier Theater miteinander wetteifern. Der Preis: Produktionsförderung in Höhe von 30.000 Euro.

Krimi zum Mitraten und Tanz-Performance über weibliche Perspektiven

Ein weiteres Stück beim Festival“ ist „Tod in der Tupperbox“. „Ein Mordsmenü“ nennt die Frl. Wunder AG ihre Produktion in Zusammenarbeit mit dem Theater Thikwa im Untertitel. Ausgangspunkt: eine Kantine. Problem: ein geheimnisvolles Verbrechen. Die Lösung: gemeinsam essen, schmecken und den Fall lösen. Klingt nach Krimi zum Mitraten, ganz sinnlich.

Um ganz andere Sinne geht es bei „Redshift – Tales of Gaining power“. Alba Scharnhorst und Selina Glockner verhandeln Gefühle von Macht und Ohnmacht aus einer weiblichen Perspektive. In einer Tanz-Performance hängt eine der Darstellerinnen zuweilen an einer Stange. Wallender, roter Stoff bauscht sich durch Bewegung im Gegenlicht auf.

Festival steigt in unsere heutigen Gefühlswelten ein

Und dann ist da noch die Hommage an Hildegard Knef im letzten Jahr. „Wie kann Hildegard Knef als Vorbild uns jetzt in diesem Jahr 2025 helfen, unterstützen und darin supporten, einen Sinn fürs Weiterleben oder Überleben zu trainieren?“, fragt Theatermacher Tommy Wiesner aus Hannover in „How to survive with Hildegard Knef“ anlässlich des 100. Geburtstag der Sängerin. Diese hat in ihrem Leben viele Schicksalsschläge überwunden.

Experimentell, performativ, politisch und tief hinabsteigend in unsere Gefühlswelten heute – das Angebot der Professionals beim „Best OFF Festival“ klingt vielversprechend.

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