Hecking kritisiert Kommentare 

Union Berlin: So erlebte Trainerin Eta den Rummel – Hecking kritisiert Internet-Hass

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Marie-Louise Eta war in den vergangenen Tagen in aller Munde, jetzt sprach die erste Cheftrainerin in der Geschichte der Bundesliga der Männer im prall gefüllten Medienraum des 1. FC Union Berlin selbst. Nicht nur angesichts des Rummels um ihre Person ist sich die 34-Jährige der Bedeutung ihrer Anstellung bewusst.

„Ich weiß, dass das eine gesellschaftliche Wirkung und Bedeutung hat und irgendwie auch eine Signalwirkung vielleicht“, sagte Eta vor dem wichtigen Spiel im Abstiegskampf gegen den VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky). „Es ist auch schön, wenn sich dadurch vielleicht Wege und Türen öffnen, Inspiration dadurch geschaffen wird, dass auch junge Mädchen vielleicht sehen, was alles möglich ist.“

Um die Bedeutung einer Vorreiterinnen-Rolle im Fußball sei es ihr aber nie gegangen. „Mir geht es schon immer um Fußball, mir geht es um die Zusammenarbeit mit Menschen. Und das, was mir am meisten Spaß macht, dann auch in dem Zusammensein, in dem Miteinander maximal erfolgreich zu sein.“ Sie sei ja „auch nicht die allererste Frau, die allgemein im Fußball rumläuft“. Auch vor ihr habe es schon Cheftrainerinnen von Männerteams gegeben, wenn auch nicht in einer so hohen Spielklasse.

Das sagt Eta über ihr Union-Team

Über ihre Aufgabe sagte Eta: „Ich finde es positiv, wie die Jungs auf dem Platz waren, wie sie auch im Zusammensein sind, wie sie sich gegenseitig auch in den Trainingseinheiten unterstützt haben.“ Sie spüre eine gute Energie im Team, aber „klar, das Selbstvertrauen ist jetzt auch nicht riesig.“ In den Top-5-Ligen gibt es nur elf formschwächere Teams als Union. Erster dieser unrühmlichen Tabelle ist der kommende Gegner aus Wolfsburg.

Der Absturz der Eisernen in diesem Jahr mit nur zwei Siegen aus 14 Spielen führte letztlich zur Trennung von Etas Vorgänger Steffen Baumgart, trotz des immer noch komfortablen Vorsprungs auf die Abstiegsränge. Um „alles auf den Kopf zu stellen“, sei die Zeit zu kurz, sagte Eta. Es gehe nicht darum, „auf einmal Tiki-Taka-Fußball zu spielen.“ Defensive Stabilität und Intensität gegen den Ball nannte sie als Stichwörter. Mit einem Sieg gegen die Niedersachsen hätte Union zumindest den direkten Abstieg schon mal abgewendet, und auch der Abstand auf den Relegationsplatz würde bei mindestens sieben Zählern bleiben.

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Wie geht es im Sommer weiter mit Eta und Union Berlin?

Und dann? „Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall noch Trainerin, ja“, nahm Eta eine etwas ungenau gestellte Frage gerne an. Eigentlich soll die 34-Jährige zur kommenden Saison Cheftrainerin des Frauen-Bundesliga-Teams von Union werden. Doch Geschäftsführer Horst Heldt ließ am Montag die Tür bewusst offen für ein Dauer-Engagement bei den Männern: „Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das nicht sinnvoll, irgendwas auszuschließen. Wir haben grundsätzlich einen Plan, wie es dann auch weitergeht. Aber das werden wir dann sehen.“

Die 34-Jährige schloss ebenfalls nichts aus. „Ich habe tolle Gespräche gehabt, ich habe mit voller Überzeugung den Vertrag unterschrieben und alles andere wird man sehen“, sagte sie mit Blick auf ihr Arbeitspapier bei den Frauen. Bis zu ihrem Wechsel ins Bundesliga-Team hatte sie mit Unions U19 in 22 Spielen im Schnitt 1,95 Punkte geholt.

So erlebte Eta die große Aufmerksamkeit

Die Beförderung der 34-Jährigen zur Cheftrainerin, als erste Frau in Europas fünf Top-Ligen der Männer, hatte international für Aufsehen gesorgt. „Ihr könnt euch alle vorstellen, dass ich klar auch mitbekommen habe, dass außen rum viel passiert, aber letztendlich ging es sofort los mit dem Arbeitsprozess“, sagte die jüngste Trainerin der Bundesligisten. Ihr Kopf sei „voll mit viel Fußball und viel Arbeit und das ist auch gut so“.

Wie schon bei Etas erstem Training vor Medien war der Andrang auch bei der Pressekonferenz in Köpenick außergewöhnlich hoch. Mehr als 40 Medienschaffende waren schon eine Viertelstunde vor Beginn in dem Raum, der sonst deutlich spärlicher gefüllt ist. Auch Journalisten aus Frankreich und Österreich stellten Fragen. „Es ist natürlich schon viel passiert am Handy. Ich habe tatsächlich schon sehr viel beiseitegelegt“, sagte Eta. Besonders die Nachrichten von der Familie und den engsten Freunden hätten ihr viel bedeutet. Ihr Vorgänger Baumgart meldete sich auch, erzählte die 34-Jährige. „Ich habe eine Sprachnachricht bekommen von Steffen und habe mich darüber sehr gefreut. Er hat viel Glück gewünscht für die nächsten Spiele und war sehr positiv und leidenschaftlich.“

© imago - Marie-Louise Eta bei ihrem ersten Engagement als Bundesliga-Co-Trainerin Union Berlins 2023/24

Hecking zu Internet-Kommentaren über Eta: „IQ gleich null“

Damit, dass sich insbesondere in den Sozialen Medien auch viele Sexisten berufen fühlten, ihre Ernennung mit Hassnachrichten zu kommentieren, beschäftigte sich die Trainerin nicht. „Ich lese keine Kommentare, habe ich vorher auch nicht gemacht und jetzt eben war gar keine Zeit dafür“, sagte sie. Etas erster Gegner in der Bundesliga, Wolfsburg-Coach Dieter Hecking, störte sich derweil deutlich an der Abwertung seiner Kollegin. „Die, die sich da im Internet und in den Social-Media-Accounts auslassen: IQ gleich null“, sagte der 61-Jährige.

„Ich kenne Marie-Louise Eta persönlich. Ich schätze sie als sehr kompetent ein. Sie weiß sich zu artikulieren. Sie weiß, eine Mannschaft zu führen. Und das ist nur meine Meinung“, sagte der Wolfsburger Trainer. „Wenn Union Berlin der Meinung ist – die sie jeden Tag sehen – dass sie die fachliche und die menschliche Kompetenz hat, das Team zu führen, dann ist alles damit gesagt.“ Es sei zwar immer noch „eine Besonderheit weltweit, dass eine Frau im Männerfußball ist“, so Hecking. „Aber meine Überzeugung ist: Wenn jemand gut ist – und das ist Marie-Louise Eta definitiv – dann hat sie genauso eine Chance verdient wie Dieter Hecking und wie jemand anderes.“