Die Blinklichter sind verhängt, das Gleisbett wird saniert. Warum Autofahrer trotzdem an den Bahnübergängen nicht einfach durchfahren dürfen.

Die Strecke Wörth-Lauterbourg ist derzeit wegen Sanierungen noch bis Anfang Mai gesperrt. Die Blinkanlagen an den Bahnübergängen sind mit Schürzen verhängt. Dennoch fahren dort weiter täglich Güterzüge, was schon manche Autofahrer zumindest gedanklich ins Schleudern gebracht hat: Was, wenn plötzlich ein Zug kommt?

Die Bahn bestätigt zunächst auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass auf der Strecke von Wörth nach Lauterbourg derzeit Züge unterwegs sind, obwohl sie für den regulären Zugbetrieb gesperrt ist. Es handele sich dabei um Baustellen- und Arbeitszüge, die für die Gleiserneuerungsarbeiten gebraucht werden. Allerdings fahren sie mit deutlich verringerter Geschwindigkeit, so eine Bahnsprecherin. An den Bahnübergängen gelten besondere Sicherheitsregeln: „Vor jedem Bahnübergang auf gesperrten Streckenabschnitt halten die Baustellenzüge an und fahren erst weiter, nachdem sie den Bahnübergang selbst gesichert haben.“ Dafür stelle sich ein Mitarbeiter als sogenannter Bahnübergangsposten auf die Straße, um sicherzustellen, dass kein Auto in den Zug fährt, während der die Straße überquert. „Erst wenn der Baustellenzug den Bahnübergang vollständig passiert hat, wird dieser wieder für den Straßenverkehr freigegeben“, so die Sprecherin.

Andreaskreuz behält Bedeutung

„Darüber hinaus steht jeder Verkehrsteilnehmer selbst in der Verantwortung, die Straßenverkehrsordnung zu befolgen“, so die Bahnsprecherin weiter. Soll heißen: „Nicht abgedeckte Verkehrszeichen, wie zum Beispiel Andreaskreuze behalten Ihre Gültigkeit und müssen weiterhin von sämtlichen Verkehrsteilnehmern beachtet werden.“ Was ein solches Verkehrszeichen regelt, sollte allen Führerscheinbesitzern bewusst sein, meint die Sprecherin.

Für alle, die es nicht mehr wissen: Das Andreaskreuz, Nummer 201 im Verkehrszeichenkatalogs, bedeutet, egal ob stehend oder liegend angebracht: „Dem Schienenverkehr Vorrang gewähren!“ Im Klartext: Wer über die Bahnübergänge munter durchfährt, weil die Bahnstrecke gesperrt ist und die Lichtzeichen abgehängt sind, ist schuld, wenn er mit einem Zug kollidiert.

Unaufschiebbare Instandhaltungsarbeiten

Der Grund für die vierwöchige Sperrung der Bahnstrecke Wörth-Lauterbourg: Bereits langfristig geplante und unaufschiebbare Instandhaltungsarbeiten, so ein Sprecher der Bahn. Das Unternehmen investiert dafür rund 8 Millionen Euro. Die wichtigsten Arbeiten sind die Erneuerung von etwa 4,2 Kilometer Gleis, die Erneuerung von sechs Bahnübergängen und die Erneuerung der Ausweichanschlussstelle in Hagenbach. Dabei wird schweres Gerät eingesetzt: unter anderem gleisgebundene Baumaschinen wie Gleisstopfmaschinen und Zweiwegebagger. Denen können Autofahrer auch am Wochenende oder nachts begegnen, dann auch dann wird gearbeitet.