Die Frage lautete: „Denkmalschutz und Stadtplanung – Wie viel Vergangenheit braucht Düsseldorfs Zukunft?“ Die Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimat- und Bürgervereine (AGD) und der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) versuchten gemeinsam mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Verwaltung und Denkmalexperten sowie der Öffentlichkeit, während einer Forumsveranstaltung im Palais Wittgenstein sich der Antwort anzunähern. So entwickelte sich ein Abend im Spannungsfeld von Denkmalschutz und zukunftsweisender Quartiers- und Stadtentwicklung.
Weder Thorsten Scheer (Professor an der Peter-Behrens-School of Arts), noch Wirtschaftshistoriker Horst A. Wessel oder Anja Schmid-Engbrodt (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland) negierten die Notwendigkeit, dass eine Stadt sich modernisieren sowie aktuellen und zukünftigen Generationen und Anforderungen gerecht werden muss. Aber die Frage ist eben, wie sie es macht, wie sie mit historischen, denkmalgeschützten Gebäuden umgeht. „Nicht selten gewinnt man den Eindruck, dass der politische und gesellschaftliche Wert der Denkmalpflege seit Einführung der modernen Denkmalschutzgesetze nie schlechter war als heute“, sagte Reinhard Lutum (RVDL), der das Eingangsstatement der erkrankten Schmid-Engbrodt verlas. „Wir verlieren jeden Tag durch Umnutzungen oder Sanierungen denkmalwerte Bausubstanz und ganze Denkmäler und damit wichtige historische Quellen.“
Passende Beispiele gäbe es in Düsseldorf zuhauf. Wie etwa der Abriss des sogenannten „Tausendfüßlers“. Die Hochstraße in der Innenstadt war 1962 erbaut, 1993 unter Denkmalschutz und 2013 abgerissen worden. „Das war ein Ingenieurbauwerk von europäischem Rang“, urteilte Scheer. „In direkter Nachbarschaft zum Drei-Scheiben-Haus und dem Schauspielhaus gelegen, symbolisierte der Tausendfüßler Düsseldorfs prägenden Dreiklang von Industrie-, Kultur- und Verkehrsstadt und war damit charakterbildend für die Landeshauptstadt.“
Weiterhin werde für die Entwicklung Düsseldorfs historisch bedeutungsvolle Substanz demoliert. „Zuletzt erwies sich die Entscheidung der Stadt über die Umrüstung der Gasbeleuchtung auf Strom als denkmalfachliches Desaster“, so Schmid-Engbrodt. Jetzt bliebe abzuwarten, was unter anderem mit der denkmalgeschützten Oper und der Theodor-Heuss-Brücke passiere. Und ob das historische Luisen-Gymnasium angesichts klammer kommunaler Kassen verkauft wird.
Bürgermeister Fabian Zachel, der auch stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Planung und Stadtentwicklung ist, hatte aufmerksam zugehört und bekannte, an diesem Abend viel gelernt zu haben. „Die Stadt der Zukunft beruht auf ihrer Historie. Wie kriegen wird das überein?“, fragt Zachel. „Jeder Entscheidungsträger im Rat der Stadt macht sich Gedanken, niemand trifft leichtfertige Entscheidungen. Wir müssen die Geschichte erhalten und abwägen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen.“
Zachel hatte auch direkt ein Beispiel für das Spannungsfeld zwischen Geschichte, Verkehrs- und Wirtschaftsentwicklung parat. „In der Verlängerung der Theodor-Heuss-Brücke steht das Sprinter-Werk, in das Mercedes viele Millionen investiert“, so Zachel. „Das Sprinter-Werk ist die größte Industrieansiedlung, die Düsseldorf noch hat. Wir müssen in die Verkehrsinfrastruktur investieren, auch um die 5500 Arbeitsplätze abzusichern.“ Dass die Theodor-Heuss-Brücke als Teil der viel gerühmten „Düsseldorfer Brückenfamilie“ schon mal als Weltkulturerbe ins Spiel gebracht wurde, sei da eher ein untergeordnetes Argument.
So richtig auflösen konnte der AGD-Abend das Spannungsfeld nicht. Einig war man sich aber, dass in Düsseldorf die Zusammenarbeit zwischen Denkmalschutz, Lokalpolitik und Verwaltung gut laufe – auch wenn nicht immer alle Seiten ihre Ansichten würden durchsetzen können.