Man könnte mit dem Geld auch ein bis zwei Schulen neu bauen: Die anstehende Erneuerung zweier Brücken der Deutschen Bahn in Augsburg könnte die Stadt einen zweistelligen Millionenbetrag, im schlimmsten Fall sogar gut 100 Millionen Euro Pflichtbeteiligung kosten. Allein an Planungskosten werden um die 30 Millionen Euro anfallen, an denen auch die Stadt mitzuzahlen hat. Die Stadt hofft auf Fördermittel, doch wie diese immensen Kosten im Lauf der 2030er-Jahre gestemmt werden sollen, ist aktuell noch unklar.
Konkret geht es um die Brücke in der Firnhaberstraße im Hochfeld (Bahnstrecke Richtung Bobingen) und die große Brücke über die Holzbachstraße am Plärrergelände, die den Gleis-Hauptstrang nahe dem Hauptbahnhof über die Fahrbahn und den Holzbach führt. Beide Vorhaben sind zwar grundsätzlich ein Problem der Bahn. Für die darunter liegenden Geh- und Radwege sowie die Fahrbahn ist aber die Stadt zuständig. Da deren Breiten nicht den heutigen Richtlinien entsprechen, werden die Brücken auf Kosten der Stadt wohl verlängert werden müssen, um sie den heutigen Standards anzupassen. Im Falle der Holzbachbrücke hätte das eine Aufweitung auf künftig maximal 28 Meter zur Folge, wenn es zwei Rad- und Gehwege gemäß aktueller Standardbreite geben soll. Speziell am Holzbach ist die Situation für Fußgänger und Radler mit einem schmalen einseitigen Gehweg sehr beengt.
Teure Erneuerung von Brücken: Die Stadt Augsburg hofft auf Zuschüsse
Eine große Wahl scheint die Stadt bei dem Thema nicht zu haben. Man gehe grundsätzlich davon aus, sich an der Erneuerung beteiligen zu müssen, wenn man von der DB gefragt werde, ob man etwas ändern wolle, so Tiefbauamtsleiter Gunther Höhnberg. Werde im Falle einer Nicht-Einigung von der DB oder der Stadt die Regierung von Schwaben als Aufsichtsbehörde eingeschaltet, werde diese schwerlich sagen können, dass bei den Fahrbahnbreiten alles so passe, so Höhnberg. In der wenig befahrenen Firnhaberstraße ist der Begegnungsverkehr von Autos in der Unterführung nicht möglich – einen Gehweg gibt es dort gar keinen. In der Holzbachstraße überlegte die Stadt in der Vergangenheit, eine aufgeständerte Radwegkonstruktion über dem Holzbach zu bauen, weil in der Unterführung zu wenig Platz ist. „Ich empfehle, proaktiv mitzumachen, auch um die Möglichkeit zu haben, Zuschüsse zu beantragen“, so Höhnberg. Er gehe davon aus, dass sich dadurch die finanziellen Belastungen der Stadt deutlich dämpfen lassen.
Die Worst-Case-Betrachtungen (ohne Zuschüsse und bei maximalem Kostenbeteiligungsfaktor) lesen sich allerdings wenig ermutigend. Demnach wäre die Stadt bei der Brücke in der Firnhaberstraße mit 15,9 Millionen Euro beteiligt, in der Holzbachstraße wären es gigantische 97,3 Millionen Euro. Beide Vorhaben sollen ab 2032 angepackt werden, so die Planungen der Deutschen Bahn.
Die Holzbachstraße ist eine Hauptstraße und auch für Schwertransporte wichtig
Im Bauausschuss des Stadtrats wurde die Botschaft mit Ernüchterung zur Kenntnis genommen. Auch wenn die Stadt durch Zuschüsse günstiger rauskomme und bei 60 Millionen Euro lande, sei die Beteiligung eine Dimension, „die ein städtischer Haushalt kaum tragen kann“, so Grünen-Rätin Verena von Mutius-Bartholy. Man werde mit der DB aber ins Gespräch gehen müssen. „Ansonsten könnten wir uns rechtlich nur rauswinden, indem wir die Straßen entwidmen.“ Eine Sperrung komme aber nicht infrage. Die Holzbachstraße sei mit etwa 15.000 Fahrzeugen pro Tag eine wichtige Verbindung, zudem laufen dort Schwertransporte des Unternehmens Everllence entlang. Die CSU brachte ein zusätzliches Antragspaket mit ein, das unter anderem vorsieht, dass die Stadt beim Bund Druck machen soll. Bundesinvestitionen könnten nicht zulasten von Kommunen gehen.
Die Stadt will in einem ersten Schritt nun mehrere Planungsvarianten für den Straßenraum unter den beiden Brücken ausarbeiten, die dem neuen Stadtrat vorgelegt werden sollen. Dieser wird auch mit den finanziellen Belastungen umgehen müssen. Dabei wird es unter anderem darum gehen, ob man Mindestbreiten für die verschiedenen Wegearten unter den Brücken anlegt oder höhere Standards wählt. Wenn dazu Klarheit herrscht, sollen Mitte des Jahres 2026 dann Gespräche über eine Planungsvereinbarung mit der Bahn aufgenommen werden.
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Stefan Krog
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