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Was gerade hoch oben in der Atmosphäre passiert, erklärt den drastischen Temperatursturz, den ECMWF und GFS jetzt gemeinsam vorhersagen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Frankfurt – Wer das Wetter der letzten Wochen verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass irgendetwas nicht stimmt. Zu warm, zu trocken, dann plötzlich grau und ungemütlich – und das alles im Wochentakt. Der Grund dafür sitzt nicht über Deutschland, sondern etwa 30 bis 50 Kilometer über der Arktis: Der Polarwirbel hat in diesem Frühjahr einen sogenannten Sudden Stratospheric Warming-Event durchgemacht, auf Deutsch ein plötzliches Stratosphärenerwärmen.
Nächste Woche rutschen die Temperaturen deutlich nach unten. Das zeigt uns auch die Karte mit den Temperaturanomalien am Dienstag (21. April). © METEORED/www.daswetter.com
Dabei erhitzt sich die Stratosphäre über dem Nordpol innerhalb weniger Tage um bis zu 30 Grad – was so viel bedeutet wie: Der Wirbel, der die Kaltluft brav über der Arktis hält, bricht auseinander. Was dann passiert, spüren wir Wochen später am Boden. Genau das erleben wir jetzt.
Blockadehoch über dem Atlantik zieht die Fäden
Ein kollabierter Polarwirbel allein macht noch kein schlechtes Wetter. Entscheidend ist, was er auslöst – und in diesem Fall ist das ein massives Blockadehoch zwischen Grönland und Kanada. Dieses Hoch verhindert, dass die atlantische Westwinddrift wieder in Gang kommt. Normalerweise bringt uns diese Westströmung milde, feuchte Meeresluft und sorgt für das typische mitteleuropäische Wetter. Fällt sie weg, öffnet sich die Tür für Luftmassen aus nördlichen Breiten.
Kältere, trockenere, ungemütlichere Luft findet ihren Weg nach Süden – direkt über Deutschland. Für die kommende Woche (ab 20. April) bedeutet das: Die Höchstwerte fallen in vielen Landesteilen auf 7 bis 13 Grad zurück, dazu Regen, Wind, in höheren Lagen möglicherweise sogar Schnee. Das ist kein kurzes Tief, das durchzieht – das ist eine Umstellung der gesamten Großwetterlage.
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Fotostrecke ansehenWettermodelle ECMWF und GFS rechnen das Gleiche – ein seltenes Signal
Was uns Meteorologen bei dieser Prognose aufhorchen lässt: Das europäische Modell ECMWF und das amerikanische GFS sind sich einig. Das ist keine Selbstverständlichkeit. In der Mittelfrist – also ab dem fünften, sechsten Tag – rechnen diese beiden Modelle regelmäßig unterschiedliche Szenarien, weil kleinste Abweichungen im Ausgangszustand der Atmosphäre große Auswirkungen auf das Ergebnis haben können. Stimmen beide überein, ist das ein starkes Signal für die Verlässlichkeit der Vorhersage.
Wer also gehofft hat, dass sich das Ganze noch zugunsten des Frühlings entwickelt – diese Hoffnung ist Stand 16. April 2026 nicht berechtigt. Der Kälteeinbruch kommt, und er kommt nicht nur als kurze Episode.
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Der Sonntag ist die Wegmarke – danach wird es ernst
Noch hält ein Hochdrucksystem die Stellung. Bis einschließlich Samstag (18. April) gibt es Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad, im Süden teils frühsommerlich, im Norden wechselhafter mit gelegentlichen Schauern. Das Wochenende (18. und 19. April) lohnt sich also noch – danach nicht mehr unbedingt. Ab Sonntag greifen Schauer und Gewitter aus Nordwesten auf Deutschland über, die Kaltfront ist auf den Wetterkarten klar zu erkennen.
In der neuen Woche (ab 20. April) setzt sich der Temperaturrückgang dann durch. Gemessen an dem, was wir zuletzt hatten, fühlt sich das wie ein Rückfall in den frühen März an. Und wer die April-Statistik kennt, weiß: Solche Schwankungen sind möglich – ein Ausschlag dieser Größenordnung und mit dieser Verlässlichkeit in der Prognose ist aber selbst für diesen Monat bemerkenswert. Die Winterjacke bleibt vorerst im Schrank griffbereit.
Wer bereits jetzt in den Sommer blickt, der kann sich freuen: ein amerikanisches Wettermodell zeigt für Juni 2026 einen ungewöhnlich warmen und trockenen Sommer. Doch wie belastbar ist diese Prognose wirklich?