TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Berlin – Die dramatischen Meldungen aus der deutschen Wirtschaft häufen sich: Die Blockade der Straße von Hormus hat die Ölpreise explodieren lassen. Bürger und Logistikbranche leiden an der Tankstelle unter den steigenden Spritpreisen, Kerosin-Mangel könnte sogar zu Flugausfällen zur Urlaubszeit führen. Die Bundesregierung wird wohl ihre Wachstumsprognose erneut senken. Jetzt warnen Ökonomen: Deutschland steckt in einer Wirtschaftskrise, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben.

„Seit Jahren schlafwandeln wir von einem Wirtschaftsschock in den nächsten, zwischenzeitliche Hoffnungsschimmer verschwinden“, sagte Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Corona, Ukraine-Krieg, Energiekrise: „Die Aneinanderreihung von massiven ökonomischen Schocks in den vergangenen Jahren ist einmalig“, so Grömling. Eine ähnlich lange Krise habe es zuletzt im Zeitraum 2000 bis 2005 (Dotcom-Blase) gegeben. Damals waren es fünf magere Jahre. Jetzt sind es – wie im Alten Testament – schon sieben.

Kaufkraft niedriger als vor sieben Jahren

Bislang sind die Folgen zumindest bei den Arbeitslosenzahlen (aktuell rund 3 Millionen) noch nicht so gravierend wie damals (knapp 5 Millionen). Trotzdem: Deutschland hat so viele Arbeitslose wie seit 12 Jahren nicht mehr. Und die Tendenz sieht düster aus: Jede dritte Firma in Deutschland will laut einer aktuellen IW-Studie noch in diesem Jahr Jobs abbauen. Zudem verschleiern die Zahlen das Problem der Wirtschaft. Während Firmen Stellen streichen, wächst der öffentliche Sektor. Heißt: Neue Jobs entstehen fast nur noch dort, wo sie aus Steuergeldern finanziert werden.

Eine weitere Schock-Zahl: Die Reallöhne liegen unter dem Niveau von 2019. Damit ist der um die Inflation bereinigte Arbeitslohn gemeint, der die tatsächliche Kaufkraft misst. Heißt: Wir können uns weniger leisten als vor sieben Jahren! „Das bei vielen Bürgern verbreitete Gefühl, in den vergangenen Jahren ärmer geworden zu sein, ist daher begründet“, sagt Top-Ökonom Bert Rürup im Handelsblatt.

Experte: Mehr Gerhard Schröder wagen

Wie kommen wir aus dieser Abwärtsspirale wieder raus? Michael Grömling vom IW rät: Mehr Gerhard Schröder (82, SPD) wagen! Rot-Grün habe es unter seiner Kanzlerschaft mit der Agenda 2010 geschafft, Deutschland wieder auf Wachstumskurs zu führen und die Zahl der Arbeitslosen massiv zu senken. „Heute wie damals brauchen wir eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, damit mehr Menschen in Lohn und Brot kommen“, so Grömling.

Gerhard Schröder auf dem SPD-Parteitag 2003

Gerhard Schröder auf dem SPD-Parteitag 2003

Foto: picture alliance/SZ Photo

Außerdem müsse endlich die Bürokratie abgebaut werden. Deutsche Unternehmen beschäftigten sehr viele Menschen, die nur für die Einhaltung aufwendiger staatlicher Vorgaben zuständig seien, kritisiert der Ökonom. „Der Bürokratieaufwand ist hoch, also sinkt der Gewinn und die Preise für die Kunden steigen – das ist schlecht für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit.“