Die Krise der Automobilzulieferer spielt sich in diesen Monaten vor unseren Augen ab. Und es wird klar, was der Nachfragerückgang bei den großen Autokonzernen für die heimischen Unternehmen bedeutet. Die Zäsur im Arbeitsmarkt des Altkreises Halle ist deutlich sichtbar.

Zwei Unternehmen stehen dabei im Fokus: das Werk des Schaeffler-Konzerns in Steinhagen und das Unternehmen Durkopp (vormals Jtekt) in Halle-Künsebeck. Obwohl in beiden Betrieben völlig unterschiedliche Produkte gefertigt werden (Gelenk- und Gleitlager in Steinhagen, Nadellager in Künsebeck), stecken sie in ähnlichen Schwierigkeiten – die Antworten darauf fallen allerdings sehr unterschiedlich aus.

Was gleich ist: 200 Arbeitsplätze fallen an den beiden traditionsreichen Industriestandorten weg. Doch während das in Steinhagen das Aus des gesamten Werkes zum Jahresende bedeutet, versucht Sanierer Bernhard Buchholz, bei Durkopp Aufbruchsstimmung zu erzeugen – trotz eines 35-prozentigen Stellenabbaus auf künftig nur noch 350 Mitarbeitende.

Kostendruck bei Haller Unternehmen Durkopp bleibt hoch


Der Schaeffler-Standort in Steinhagen wird Ende des Jahres die Pforten schließen. - © Ulrich Fälker

Der Schaeffler-Standort in Steinhagen wird Ende des Jahres die Pforten schließen.
| © Ulrich Fälker

Und er hat dabei durchaus gute Argumente auf der Hand. Erstmals seit 13 Jahren schrieb das Unternehmen, das jetzt unter der Regie der Münchener Beteiligungsgesellschaft Aequita eigenständig wirtschaftlich werden soll, wieder ein leicht positives operatives Monatsergebnis. Produktionslinien wurden umgestellt, Prozesse modernisiert – und vor allem: unrentable Produkte aus dem Portfolio gestrichen.

Die aktuelle Lage: Angeschlagener Haller Automobilzulieferer sendet erste positive Signale

Das kann allerdings auch nur der Anfang sein, und daraus macht Buchholz auch keinen Hehl. Der Druck im Unternehmen bleibt hoch. Wenn unrentable Produkte wegfallen, müssen Stellen gestrichen werden, weil die Fixkosten bei weniger Umsatz den Automobilzulieferer sonst massiv unter Druck gesetzt und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit gekostet hätten.

Damit hat sich Durkopp Luft verschafft, doch der Geschäftsführer lässt keinen Zweifel daran, dass es neue Produkte etwa im Bereich elektromechanischer Bremsprodukte brauche, um auch mittel- bis langfristig eine Perspektive zu haben. Dass die Lage ernst ist, verdeutlicht Buchholz’ Hinweis, dass in der Automobilindustrie „neue Projekte und Volumina begrenzt“ seien. Die Sanierung in Künsebeck bleibt also ein Tanz auf dem Drahtseil.

Investor Aequita schreckt in Halle nicht vor harten Maßnahmen zurück

Dass die Aequita dabei nicht vor weiteren unpopulären Maßnahmen zurückschrecken wird, zeigt die knallharte Analyse, die das Unternehmen auf seinem eigenen Online-Auftritt zur Vergangenheit bei Jtekt vorgenommen hat: Von „ineffizienten Strukturen und Prozessen sowie ungenügenden Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung“ ist da die Rede. Durkopp muss rentabel werden, sonst wird Aequita schneller reagieren als die bisherigen Eigner – so viel ist klar.

In den beklagten Fehlern der Vergangenheit steckt aber demnach auch eine Chance: Es besteht die Aussicht, Dinge in der Zukunft besser zu machen und den wichtigen Industriestandort für den Altkreis Halle zu erhalten. Jetzt zum Erfolg verdammt zu sein, erhöht zudem die Bereitschaft und Wachsamkeit im Team.

Werk schließt: Wie es für 200 Schaeffler-Mitarbeiter in Steinhagen weitergeht

An eine Perspektive hat man bei Schaeffler in Steinhagen augenscheinlich nicht mehr geglaubt, weshalb das Werk jetzt abgewickelt wird. Das ist vielleicht auch eine Folge anderer Optionen: Schaeffler hat als Weltkonzern schlicht zahlreiche andere Standorte, an denen die Leistungen aus Steinhagen erbracht werden können – da wird einfach strategisch verlagert.

„Alte Industrie“ im Altkreis Halle muss sich neu erfinden

Bei Durkopp in Halle-Künsebeck besteht noch Hoffnung, aber die Krise ist noch lange nicht vorbei. Für den Wirtschaftsstandort Altkreis Halle ist es eminent wichtig, dass sich ein Unternehmen aus der „alten Industrie“ hier neu erfindet. Und zwar stetig und an die ständig wechselnden Herausforderungen angepasst. Es wird spannend, zu beobachten, ob Bernhard Buchholz und sein Team das schaffen.

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