Katze Mia reißt ihre Augen weit auf und macht sich zum Angriff bereit. Dann wirft Kristin Vogel ein Leckerli und Mia packt es flink mit ihren Tatzen. „Sie ist die Chefin hier. Mein Kater Artus ist der Zurückhaltende“, spricht die Leipzigerin über die Charaktere ihrer Stubentiger. Die individuellen Persönlichkeiten von Katzen allgemein faszinierten sie. „Sie sind für mich mehr als nur Familienmitglieder.“
Katzen-Sitterin: Betreuung zu Hause bedeutet weniger Stress
Ihr Traum sei es gewesen, ihre Passion für die Katze zum Beruf zu machen, erzählt Vogel. Vor drei Jahren macht sie sich mit dem Tatzendienst – einer mobile Katzenbetreuung – selbstständig. Dabei können die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, wenn Herrchen und Frauchen in den Urlaub oder auf Dienstreise fahren, wie die 40-Jährige erklärte.
Katzen sind Gewohnheitstiere. Sobald sich etwas in ihrem Alltag ändert, sind sie unheimlich gestresst.
Kristin Vogel
Katzen-Sitterin
Aus Sicht der Katzen-Sitterin sei das ein Problem herkömmlicher Katzen-Pensionen, in die die Tiere erst gebracht werden müssen. „Katzen sind Gewohnheitstiere. Sobald sich etwas in ihrem Alltag ändert, sind sie unheimlich gestresst.“ Transport, ungewohnte Umgebung und viele andere Katzen – mit unterschiedlichsten Charakteren – könnten für puren Stress bei den Samtphoten sorgen, erklärt Vogel. „Dort riecht alles anders, die Katzen können nicht ihr eigenes Klo benutzen, sie haben nicht ihr Lieblingsschlaf-Plätzchen.“
Einstellen auch auf eigenwillige Katzen-Diven
Kater Artus liegt lang ausgebreitet vor Kristin Vogel. Sie kämmt sein langes, schwarzes Fell und spricht dabei mit ruhiger Stimme mit ihm. Dann erzählt die Katzen-Sitterin, wie die mobile Katzenbetreuung bei ihr aussieht. In einem Vorgespräch lerne sie zuerst Besitzer und Katze kennen. „Jede Gewohnheit des Tieres wird genau abgesprochen.“ Das reiche von den zu verabreichenden Medikamenten, über den Lieblingsschlafplatz bis zu Fressgewohnheiten.
Und sie müsse sich dabei von der schüchternen Katze bis zur Diva auf alle Temperamente einstellen, sagt Vogel. Die Selbstständige erzählt die Anekdote einer ganz besonderen Katzen-Dame. Deren Besitzerin habe keinen Besuch empfangen können, weil die Katze ihr Revier verteidigte. „Das war ein Härtefall. Wenn man schon in die Wohnung rein gekommen ist, hat sie sich aufgebäumt und wollte einen anfallen.“ Aber mit viel spielerischer Ablenkung und ein paar Leckerli habe sie auch diesen Stubentiger zähmen können und versorge ihn bis heute.
Solo-Selbstständige erhält Leipziger Marketingpreis
In der Küche streift Katze Mia um die Beine von Kristin Vogel. Sie miaut laut dabei. „Katzen kommunizieren sehr stark, aber man muss erstmal die Sprache der Katzen verstehen.“ Neben einem Sachkundenachweis gemäß des Tierschutzgesetzes sei es für ihre Arbeit wichtig, feinfühlig mit jeder Samtpfote umzugehen.
Katzen kommunizieren sehr stark, aber man muss erstmal die Sprache der Katzen verstehen.
Kristin Vogel
Solo-Selbstständige
Zwei Mal täglich betreue sie die Katzen als Katzen-Sitterin, sagt Vogel. Gerade an Ferien und Feiertagen sei sie bis zu einem Dreivierteljahr vorher ausgebucht. Die Nachfrage nach der mobilen Katzenversorgung sei groß: Vergangene Woche habe sie den 247. Kunden in ihre Buchhaltungsliste eingetragen.
Der Erfolg hat sich bereits ausgezahlt. Vergangenes Jahr gewann Kristin Vogel den Leipziger Marketingpreis 2025 in der Kategorie für den erfolgreichen Markteintritt eines Unternehmens. „Das war mega“, sagt Vogel begeistert.
Kristin Vogel nimmt Kater Artus auf den Arm. Sie drückt ihn liebevoll an sich. Sie sei überglücklich, dass sie sich ihren Herzenswunsch habe erfüllen können.