Hannover. Der SC Paderborn 07 hat im Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga einen wichtigen Punkt bei einem der ärgsten Konkurrenten im Aufstiegskampf geholt. Durch das 1:1 bei Hannover 96 vor 49.000 Fans in der ausverkauften Heinz-von-Heiden-Arena übernahmen die Ostwestfalen zumindest vorübergehend die Tabellenführung und hielten die Niedersachsen auf Distanz. Allerdings schrumpfte der Vorsprung auf den Drittplatzierten SV Elversberg auf nur noch zwei Punkte. Das Aufstiegsrennen um die Bundesliga bleibt damit hochspannend.

„In diesem Spiel war richtig viel drin. Ich bin superhappy mit dem, was wir hier abgeliefert haben, auch wenn es zwei Punkte mehr hätten sein können. Herz und Leidenschaft waren da. Und wir hatten auch gute Momente mit Ball“, bilanzierte Ralf Kettemann. Paderborns Trainer hatte im Vergleich zum 4:3-Sieg gegen den 1. FC Magdeburg aus der Vorwoche nur eine Veränderung in seiner Startelf vorgenommen. Für den gelbgesperrten Mattes Hansen rückte Santiago Castañeda ins Mittelfeld neben Mika Baur. Den durch die Sperre frei gewordenen Kaderplatz besetzte der Chefcoach mit Niklas Mohr.

Die Hausherren aus Niedersachsen waren zunächst um Ballkontrolle bemüht und ließen die Kugel sicher durch die eigenen Reihen laufen. Der SC Paderborn ließ Hannover aber auch gewähren. Bis zum Strafraum sah das in der Anfangsphase auch durchaus ordentlich aus, gefährlich wurde es jedoch zunächst nicht. So entwickelte sich in den ersten 15 Minuten ein Duell auf Augenhöhe mit leichter Feldüberlegenheit für die Gastgeber. Das Topspiel der 2. Bundesliga war bis dahin vor allem eines: taktisch geprägt – viele Highlights gab es zunächst nicht.

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SC Paderborn 07

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Paderborn muss zwischenzeitlich richtig leiden

Das änderte sich jedoch schlagartig in der 18. Minute: Nach einem weiten Einwurf machte der klärende Raphael Obermair die Situation noch einmal so richtig scharf, indem er Waniss Taibi anschoss. Vom überraschten Offensivmann prallte der Ball an den Pfosten – Glück für den SCP. Quasi im Gegenzug meldeten sich auch die Gäste erstmals offensiv an: Calvin Brackelmann prüfte H96-Keeper Nahuel Noll mit einem flachen Distanzschuss (20.).

In der Folge nahm die Partie spürbar an Fahrt auf. Vor allem Hannover erhöhte das Tempo und drängte den SCP zunehmend in die eigene Hälfte. Die nächste Chance ließ nicht lange auf sich warten: Über Umwege gelangte der Ball zu Yokota, der halbrechts im Strafraum per Direktabnahme abschloss. Doch der Japaner scheiterte an SCP-Kapitän Felix Götze, der kurz vor der Linie klärte (23.).

Präsident Thomas Sagel im Interview: So plant der SC Paderborn 07 für die Bundesliga

Anschließend musste Paderborn eine Druckphase bis etwa zur 30. Minute überstehen, ehe sich das Team von Trainer Ralf Kettemann wieder etwas befreien konnte. Zwar hatte Hannover weiterhin mehr Ballbesitz, doch plötzlich setzte der SCP Nadelstiche. Einer davon führte sogar zur Führung: Kapitän Felix Götze drückte den Ball nach einer Obermair-Ecke am zweiten Pfosten zum 1:0 über die Linie (40.). Es war sein erster Saisontreffer.

Mit diesem Spielstand ging es dann auch in die Pause – ein Ergebnis, das den bisherigen Spielverlauf etwas auf den Kopf stellte. „Wir mussten ein paar Minuten richtig leiden“, sagte SCP-Sportchef Sebastian Lange in der Halbzeitpause. „Aber das war uns vorher klar, dass das in Hannover passieren kann.“

Obermair muss verletzt raus

Zur Pause nahm Trainer Ralf Kettemann eine Veränderung vor: Der offenbar verletzte Obermair blieb in der Kabine, für ihn kam Jonah Sticker in die Partie. Und der SC Paderborn wurde stärker, verteidigte höher, übernahm nun erstmals die Initiative. Beinahe hätte Stefano Marino in der 51. Minute sogar auf 2:0 erhöht, als er nach einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld plötzlich völlig frei vor dem Tor von Hannover auftauchte – der Ball rollte jedoch knapp vorbei. Nur sechs Minuten später scheiterte er dann per Kopf an Keeper Nahuel Noll (57.). Und auch Jonah Sticker fand seinen Meister im 96-Torhüter (67.).

Alle SCP-Nachrichten im Überblick: Der News-Blog rund um den SC Paderborn

Hannover hatte derweil zunehmend Probleme, offensiv die Lücke zu finden. Die Paderborner Defensive stand massiert, jeder einzelne Profi kämpfte aufopferungsvoll. Mitunter schaffte es die Kettemann-Elf sogar, das Hannoveraner Stadion verstummen zu lassen.


96-Torjäger Benjamin Källman steigt höher als Tjark Scheller und köpft zum 1:1-Endstand ein. - © picture alliance / Eibner-Pressefoto

96-Torjäger Benjamin Källman steigt höher als Tjark Scheller und köpft zum 1:1-Endstand ein.
| © picture alliance / Eibner-Pressefoto

Allerdings nur bis zur 78. Spielminute: Denn dann schlug Hannover mit seinem ersten Torschuss der zweiten Hälfte eiskalt zu – Benjamin Källman köpfte die Kugel nach einer Bundu-Flanke unhaltbar ins Tor zum 1:1. Wie der SCP im ersten Durchgang, stellte diesmal 96 den Spielverlauf der zweiten Hälfte auf den Kopf. Bei diesem Ergebnis sollte es bis zum Schlusspfiff bleiben.

Nun wartet gleich das nächste Highlight gegen Schalke

„Hier war mehr drin“, resümierte Felix Götze, der sich aber nicht allzu sehr ärgerte. „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Das war auf jeden Fall unser bestes Auswärtsspiel“, lobte der SCP-Kapitän. Zumindest in der Arbeit gegen den Ball hatte sein Team in der Tat eine herausragende Leistung gezeigt. Das wusste auch Hannovers Trainer zu würdigen. „Wir sind auf einen sehr starken Gegner getroffen“, betonte Christian Titz.

Für den SCP geht es nun mit dem nächsten Saison-Highlight weiter. So trifft Paderborn am nächsten Sonntag, 27. April, um 13.30 Uhr in der heimischen Home-Deluxe-Arena auf den FC Schalke 04. Welches Team als Tabellenführer in die Partie geht, entscheidet sich an diesem Sonntag, 19. April, im Schalker Heimspiel gegen Preußen Münster (13.30 Uhr).

Hannover 96 – SC Paderborn 1:1 (0:1)

Hannover 96: Noll – Allgeier, Ghita (62. Chakroun), Okon – Aseko (62. Oudenne), Leopold, Thordarson, Neubauer (71. Matsuda) – Yokota (71. Bundu), Källman, Taibi (90. Nielsen.

SC Paderborn: Seimen – Scheller, Götze, Brackelmann – Curda, Baur (87. Klaas), Castañeda, Obermair (46. Sticker) – Müller (69. Tigges), Marino (75. Michel), Bilbija (87. Bätzner).

Tore: 0:1 Götze (40.), 1:1 Källman (78.).

Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Yokota, Neubauer, Chakroun – Bilbija (4).

Statistik: 5:16 Torschüsse, 0,64:1,83 xGoals, 65:35 Prozent Ballbesitz, 87:75 Prozent Passquote, 42:58 Prozent Zweikämpfe, 12:16 Fouls, 5:3 Ecken, 120,6:122,7 Kilometer Laufdistanz.

Das Spiel des SC Paderborn zum Nachlesen: