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Assistenztrainer Nikola Stanic übernimmt am Samstag erneut das Coaching – kann aber nicht zufrieden sein. © Michael Schepp
Mit 77:87 verlieren die Gießen 46ers am Samstag ziemlich saftlos gegen die RheinStars Köln. Kein Wunder: Eine Grippewelle fegt durch Mannschaft und Trainerstab.
Der Wurm bleibt drin in der 2. Basketball-Bundesliga beim Team der Gießen 46ers. Am Samstag unterlag man vor ausverkaufter Osthalle den RheinStars Köln deutlich mit 77:87 (43:40). Mehrere Spieler agierten grippegeschwächt. Luis König Figge fehlte deshalb sogar komplett. Viktor Kovacevic (Probleme mit der Achillesferse) war dabei, blieb lädiert aber passiv. Trotzdem kämpfte der Pro A-Ligist ziemlich wacker gegen Köln.
Am Ende war es ein Match, bei dem man merkte, dass Gießen noch weitere vier Viertel spielen könnte, ohne dem Gegner je wirklich gefährlich zu werden. Desto bitterer nahm sich aus, dass Kirchheim im Parallelspiel gegen Paderborn Federn ließ. Bei einem Sieg hätte man am drittletzten Spieltag der Hauptrunde an den Knights vorbeiziehen können, die nun aber weiter vor den 46ers stehen.
Gießen 46ers-Trainer durch Rippenbruch und Grippe geschwächt
In der Pressekonferenz musste Coach „Frenki“ Ignjatovic erstmal abhusten, was bei gleichzeitig drei gebrochenen Rippen eine echte Tortur ist. Auch den Serben hat es nämlich erwischt. Am Ende saß der 59-Jährige wie ein Häufchen Elend auf der Bank der Gießener. Den aktiven Coachingpart hatte wieder Assistenztrainer Nikola Stanic übernommen. „Ich hoffe, es ist das letzte Mal, dass ich nicht helfen konnte. Es ist schwer für mich, nicht zu coachen“, so Ignjatovic.
Die Grippewelle wollte man für das Match, der Wiederauflage des Klassikers der 2000er-Jahre, nicht als Ausrede vorschieben. Ignjatovic ging mit Teilen der Mannschaft auch hart ins Gericht: insbesondere mit denen, die den 29:19-Vorsprung (13.) bis zur Halbzeit verspielten. „Schon beim Dreier der Kölner hatte ich ein schlechtes Gefühl.“ Gemeint ist Michael Millers Schuss, der die Rheinländer auf 40:43 heranbrachte, bevor es in die Kabine ging.
RheinStars Köln landen mehrere „Silencer“
Hintenraus aber war den 46ers anzumerken, dass einfach nicht mehr ging. Der Wille war da. Man kämpfte und biss. Aber es fehlten die letzten Prozente. Vor diesem Hintergrund ist man auch gewillt, die maue Schussquote von außen (27 Prozent, 7/26) in Schutz zu nehmen. Nach dem ersten Viertel lag die Ausbeute bei vier aus sieben. Da war vor allem Aiden Warnholtz echt treffsicher. Dass nur noch drei weitere Dreier fielen, war zu wenig. Kyle Castlin und Robin Benzing verfehlten in der Crunchtime teils um ganze Balllängen. Zuvor hatte Köln mit sogenannten „Silencern“ immer wieder Nadelstiche gesetzt.
Das sind Dreier, die nach eigentlich guten Defensivaktionen gegen laute Hallen selbige verstummen lassen. Davon hatte Köln nach dem Seitenwechsel eine ganze Wagenladung parat: Miller etwa zum 58:50 für Köln (26.), kurz darauf Timothy Davis. Das trug nicht wirklich dazu bei, dass die Akkus der Gießener aufgeladen wurden.
Ignjatovic lobte dann noch das ambitionierte Kölner Programm. Dass sie dieses Jahr wohl die Playoffs verpassen werden, läge allein an der mangelnden Erfahrung. „Wir entwickeln uns“, war Gäste-Coach Zoran Kukic stolz.
Laute Pfiffe nach Schiedsrichter-Entscheidungen
Teils erinnerte die Stimmung an 2005 bis 2009, als jedes Duell zwischen den beiden Teams einer Basketball-Schlacht glich. Egal ob in den Playoffs wie vor 21 Jahren oder danach oft im Abstiegskampf. Gerade im dritten Viertel schoss sich die Osthalle auf die Unparteiischen ein. Köln hatte den Fanclub dabei, der durchaus lautstark zu hören war. Fast schade, dass der ikonische Trommelmeister mit der blauen Kappe von damals nicht ein Comeback feierte.
Vieles deutet darauf hin, dass es auch in der kommenden Saison zum Duell der beiden Ex-Rivalen kommt. Gießen hat vor den Playoffs das schwerere Restprogramm und ist auf Schützenhilfe angewiesen, um noch an Kirchheim vorbeizuziehen. Mit diesem sechsten Platz ginge einher, dass es im Viertelfinale gegen Göttingen, Bremerhaven oder Quakenbrück ginge. Das sind deutlich einfachere Aufgaben als Hagen und Crailsheim, die als Erster und Zweiter im Saisonendspurt dem Rest der Liga enteilt sind. Gießen muss als Nächstes in Bremerhaven ran. Es ist die Wiederauflage des letztjährigen Viertelfinals. Und vielleicht ein Vorgeschmack auf das diesjährige.
Egal, gegen wen es am Ende geht: Die 46ers müssen schnell gesunden. Allen voran Ignjatovic, dessen Rippenbruch ihn wohl länger beeinträchtigen wird als eine durchschnittliche Erkältung. Der Wurm bleibt drin bei den Mittelhessen.
Gießen: Norl (7), Warnholtz (10), Arslanagic (18), Castlin (9), Benzing (11), Maier (2), Müsse, Gloger (13), Nyama, Kovacevic, Krajcovic (7).
Köln: Russell Jr (13), Watson (11), Günther (2), Lehmann, Begue (9), Hujic (6), Davis (6), Paige (15), Cuvalo (2), Rohwer (6), Miller (17).