Vor sechs Jahren von Peking nach Dresden

Vor sechs Jahren trifft sie eine große Entscheidung: Sie will an einen Ort, der für zeitgenössischen Tanz steht. Also zieht sie aus Peking nach Deutschland. Die Wuppertaler Tänzerin Pina Bausch hatte ihr Interesse für Deutschland geweckt. Doch Guis Weg führte nicht nach Wuppertal, sondern nach Dresden, ebenfalls wegen einer berühmten deutschen Tänzerin. Denn in Dresden studierte sie Choreografie an der Gret Palucca Hochschule.

Doch der Neuanfang in Deutschland hatte es in sich. Die Corona-Pandemie hatte gerade begonnen und lähmte die Kulturszene. Doch Yuexuan Gui hatte noch eine andere schwere Last zu tragen: Während ihres Studiums in China hatte sie zwei Knie-Operationen durchstehen müssen und die Genesung zog sich hin. „Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder tanzen kann.“

Internationale Tanzstadt Dresden

Trotz aller Widrigkeiten, sie hat es geschafft. 2022 bekommt sie den ersten Job als Tänzerin. Mittlerweile ist Dresden zur neuen Tanzheimat für Yuexuan Gui geworden. „Dresden ist ein Ort, an dem es wirklich viel Tanz gibt.“ Ein Ort der Möglichkeiten, den sie nutzt, um als Tänzerin und Choreografin Stile zu mischen und sich mit verschiedenen Künstlern auszutauschen.

Guis Freude am Ausprobieren kommt auch gut an bei der Dresdner Tanz-Kompanie „Miller de Nobili“. 2025 erhielten die zwei Gründer Maria Chiara de‘ Nobili und Alexander Miller den Dresdner Kunstförderpreis. Das Duo hat bereits bei mehreren Produktionen mit der chinesischen Tänzerin zusammengearbeitet. „Sie ist direkt und sehr offen und sucht nach viel Austausch in unserer Arbeit. Und ihre körperliche Leistung ist krass!“

Ihre körperliche Leistung ist krass!

Alexander Miller
Tanz-Company „Miller de Nobili“

Kulturszene klagt über Finanzierungslücken

Doch die Arbeit in der Tanzszene stellt sie auch vor Herausforderungen. Die vergangene Produktion „Hype the Pain“, an der „Miller de Nobili“ mit Yuexuan Gui zusammengearbeitet haben, musste in Teilen durch Crowdfunding finanziert werden. Alexander Miller sieht großes Potenzial für Dresden, um als Tanzstadt zu wachsen, doch die aktuelle deutsche Kulturpolitik würde das erschweren. „Sehr viele Künstler sind wirklich am Kämpfen. Und viele, die Arbeit finden, finden sie woanders.“

Auch Yuexuan Gui kann sich nicht Dresden allein als Tanzort leisten. Im vergangenen Jahr war sie die Hälfte ihrer Zeit in ganz Deutschland und sogar dem Ausland unterwegs, um an Produktionen zu arbeiten. Es sei nicht einfach, seinen Lebensunterhalt mit Tanz zu verdienen. Umso mehr frustriert sie, dass es sehr schwer sei, einem Nebenjob nachzugehen. Als freiberufliche Tänzerin aus dem Ausland habe sie die Erfahrung gemacht, dass ihr Aufenthaltstitel das kaum möglich macht.

Sehr viele Künstler sind wirklich am Kämpfen. Und viele, die Arbeit finden, finden sie woanders.

Alexander Miller
Tanz-Company „Miller de Nobili“

Tanzen als Kulturgut der UNESCO

Dresden ist eine Tanzstadt. Und der moderne Tanz ist als Kulturgut von UNESCO anerkannt. Da hat die Stadt auch eine Verantwortung“, sagt Professorin Katharina Christl, Rektorin der Palucca Hochschule. Auch sie nimmt wahr, dass die Dresdner Kunstszene finanziell zu kämpfen hat. Das hänge natürlich mit den Kürzungen von Kulturbudgets zusammen, aber auch die globale Wirtschaftslage beeinflusse die Tanzszene.

Der moderne Tanz ist als Kulturgut von UNESCO anerkannt. Da hat die Stadt auch eine Verantwortung.

Prof. Katharina Christl
Rektorin Palucca Hochschule

Gerade in Dresden sieht sie aber noch einen anderen Aspekt. Beispielsweise in Stuttgart bekäme die Kulturszene mehr als sechs Millionen Euro aus der privaten Autobranche. Das sei in Dresden ein bisschen anders. Die Dresdner Professorin ist dankbar, dass es auch in ihrer Stadt viel Unterstützung aus der Privatwirtschaft gibt. Es gäbe aber einfach nicht so große Konzernstandorte.

Tanzen trotz allem

Yuexuan Gui gibt die Hoffnung nicht auf. Sie mag die Idee, dass ein Niedergang auch zu einem Neuanfang werden kann. Eine Erfahrung, die sie selbst schon machen musste. Deshalb sei ihr Traum vom Tanzen auch mit 30 Jahren noch lange nicht zu Ende.

Aktuell arbeitet sie an dem Projekt „Vision Danceable“, das sie Ende April im Societaetstheater präsentieren wird.