Hochzoll hat eine kurze, aber spannende Geschichte. Als Dorf und dann als Stadtteil existiert es erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Aktionsgemeinschaft Hochzoll (AGH) will jetzt die Geschichte des Stadtteils erlebbar machen. Dazu hat sie begonnen, gemeinsam mit dem Hochzoller Historiker Alfred Hausmann große Infostelen zu entwerfen und an geschichtsträchtigen Orten aufzustellen. Die beiden ersten Stelen dieses Projekts sind jetzt der Öffentlichkeit präsentiert worden. Sie knüpfen an ein älteres Projekt an, von dem es bereits drei Tafeln im Stadtteil gibt.

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Was heute ein Café ist, war einmal die erste Schule, in der evangelische und katholische Kinder gemeinsam unterrichtet wurden. Die Stele erzählt die Geschichte.
Foto: Anna Kondratenko
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Was heute ein Café ist, war einmal die erste Schule, in der evangelische und katholische Kinder gemeinsam unterrichtet wurden. Die Stele erzählt die Geschichte.
Foto: Anna Kondratenko
Eine der neuen Infotafeln steht an der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 1 an der Grenze zwischen Hochzoll und Lechhausen. Man blickt von hier aus auf die Gelände der Sporterveine DJK und TSG Hochzoll. „Ich bin in Hochzoll aufgewachsen, habe aber erst vor Kurzem erfahren, dass dort im Zweiten Weltkrieg ein Lager für Zwangsarbeit war“, sagt AGH-Vorsitzende Carmen Wanner-Sturm. Das Schicksal der Menschen, die dort für die Nazis arbeiten mussten, sei eine wichtige Episode in der Geschichte des Stadtteils.
Die Stele greift dieses Kapitel auf. Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten rund 12.000 ausländische Zwangsarbeiter in Augsburg, viele von ihnen untergebracht in bewachten Barackenlagern am Stadtrand. In Hochzoll entstand ab 1942 an der Zugspitzstraße das sogenannte Sammellager IV. Geplant war die Unterbringung von mehreren tausend Menschen, darunter sowjetische Kriegsgefangene und sogenannte Ostarbeiter. Tatsächlich lebten dort 1944 etwa 830 Menschen unter schlechten Bedingungen.
Zwangsarbeiter aus dem Osten lebten in einem Lager in Hochzoll
Von hier aus wurden die Zwangsarbeiter täglich zu ihren Arbeitsplätzen geführt, vor allem in Betriebe der Rüstungsindustrie auf der anderen Lechseite. Die Stele zeigt zudem historische Pläne und Luftbilder des Lagers und macht sichtbar, dass weniger gebaut wurde als ursprünglich vorgesehen. Sie ordnet das Lager damit in die lokale Topografie ein und erinnert an ein lange wenig bekanntes Kapitel der Stadtteilgeschichte.
Der Entstehungsgeschichte von Hochzoll ist die zweite Stele gewidmet. Sie steht vor der „Alten Schule“, in die mittlerweile ein Jugendcafé eingezogen ist und zeichnet den Weg vom Dorf zum heutigen Stadtteil nach.
Seit 1903 trägt Hochzoll seinen Namen. Zuvor war das Gebiet ein Dorf, das 1818 aus vier Streusiedlungen gebildet wurde, die entlang der Friedberger Straße lagen. Diese entwickelte sich früh zum Zentrum mit Schule, Gaststätten und Kirchen, von denen bis heute nur noch wenige historische Gebäude erhalten sind. Hochzoll geht auf die Zollstation an der Lechbrücke zurück, die damals von großer Bedeutung war.
Die Stele zeigt auch die Bedeutung der Friedberger Straße als Verkehrsachse. Ihre Ursprünge reichen bis in die Römerzeit zurück, im Mittelalter war sie Teil wichtiger Verbindungen etwa Richtung München und diente auch dem Salzhandel. Selbst Viehtriebe nutzten den Weg zur Lechbrücke.
Bereits 1875 wurde in Hochzoll eine Schule errichtet
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau der Infrastruktur: Bereits 1875 wurde an der Straße eine Schule errichtet. Es war die erste Schule, in der evangelische und katholische Kinder gemeinsam unterrichtet wurden und damit ein Novum in dieser Zeit. Später kamen Kirchen wie St. Matthäus und Heilig Geist hinzu. Historische Fotos und Karten auf der Stele verdeutlichen, wie sich Hochzoll entlang dieser Achse entwickelte – vom ländlich geprägten Ort hin zum heutigen Stadtteil.
Im Laufe der Zeit sollen noch weitere Stelen hinzukommen, sagt Richard Metz, der für das Projekt der AGH verantwortlich ist. So wolle man unter anderem am Hochzoller Bahnhof über das Schicksal jüdischer Frauen auf dem Bahntransport berichten, werde eine Stele am ehemaligen Kino des Stadtteils aufstellen und und auch das Gasthaus Goldener Stern an der Afra-Brücke würdigen. Geplant ist, jedes Jahr mindestens eine der Infotafeln mit den geschichtsträchtigen Informationen aufzustellen. Alle Infostelen werden einen QR-Code haben, mit dem man den Text noch einmal nachlesen und weitere Informationen finden kann, so Metz.
In Hochzoll gab es schon vor dem Projekt der AGH einzelne Infotafeln zur Stadteilgeschichte. So behandelt eine Tafel vor dem Rudolf Diesel Gymnasium das Leben des berühmten Augsburger Erfinders und Ingenieurs. Eine weitere Tafel steht an der Einmündung zur Oberländerstraße und erzählt die Geschichte der Rettung der Afra-Brücke vor der Sprengung durch die SS. Auch die namensgebende Grenzstation, die schon im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde, wurde auf einer Stele verewigt.
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