2036 oder vier bis acht Jahre später könnte sich eine Olympiasiegerin oder ein Olympiasieger daran erinnern, wie und wo alles begann: In der Sporthalle Niederheid, bei der Talentiade 2026. Es könnten Lily oder Madita sein, aber auch Sebastian oder Anton, die dann zurückblicken. Vier von mehr als 300 Kindern, die am Wochenende zu der Talentsichtung eingeladen worden waren. Sie konnten einerseits unter Anleitung elf olympische Sportarten kennenlernen. Und andererseits hatten die Anbieter und Vereine die Gelegenheit, Nachwuchs für die eigenen Reihen und Teams zu sichten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten wie alle Düsseldorfer Grundschüler der zweiten Klasse zuvor an dem sportmotorischen Test InCheck’D des Sportamts teilgenommen. Mittlerweile haben bereits rund 170.000 Kinder dieses städtische Angebot durchlaufen. In diesem Jahr waren es die besten acht Prozent, die dann eine Einladung zu der Talentsichtung erhalten hatten. Ausgezeichnet waren sie also bereits, bevor sie nach Niederheid kamen. Auf dem T-Shirt, das jedes Kind erhielt, stand es schon ganz unmissverständlich: Sporttalent. Die Frage war letztlich nur: Für welche Sportart?
Um das herauszufinden, starteten die Grundschulkinder in mehreren Riegen in einen Sportparcours und probierten jene Sportarten aus, für die Düsseldorfer Vereine eine gezielte Förderung und leistungssportliche Perspektiven bieten. Hierzu zählen Basketball, Fußball, Handball, Hockey, Judo, Leichtathletik, Schwimmen, Taekwondo, Tennis, Tischtennis und Wasserball.
Es gehe am Ende darum, aussichtsreiche Jungen und Mädchen an die Spitze der Sportarten zu führen, so Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU), der die Veranstaltung am zweiten Tag besuchte. Der Gedanke, dass unter heutigen Kindern künftige Olympioniken sein könnten, sei verlockend. Aber ebenso gehe es darum, Spaß zu haben und vielleicht die Neugier zu wecken für andere Sportarten. „Es muss ja nicht immer nur Fußball sein.“
Die Talentsichtung wie auch die Sporttests des Sportamtes werden wissenschaftlich begleitet, von der Uni Wuppertal. Und die Ergebnisse – nicht nur die der Besten – widersprechen zumindest teilweise einem weitverbreiteten Klischee: Die Kinder würden eben nicht immer träger und dicker, weil sie den ganzen Tag am Handy hängen oder auf Spielkonsolen daddeln. „Ja, Letzteres tun sie natürlich schon mal“, so Keller, aber sie betrieben auch ihren Sport und seien aktiv. Ein Befund, den Sportamtsleiterin Eva Kulot einerseits beruhigend findet, weil sich zeige, dass die vielfachen Angebote in Düsseldorf ankommen. Andererseits wisse sie, dass viele Eltern und damit auch Kinder diese Möglichkeiten so gar nicht in Anspruch nähmen.
Rund fünf Stunden, natürlich mit vielen Pausen, dauert es, bis die Kinder einen Parcours-Umlauf hinter sich gebracht haben. Dabei lernen sie zuweilen Sportarten kennen, die sie bisher noch gar nicht ausprobiert hatten. Tino Hermanns, der die Talentiaden seit vielen Jahren moderiert, kann sich eigentlich nicht erinnern, dass Kinder eine Disziplin gänzlich uninteressant fanden. „Im Gegenteil. Oft kommen sie mit einem breiten Lächeln zurück.“ Hermanns, der auch als freier Mitarbeiter für die Rheinische Post arbeitet, nutzt Pausen, um die Sportarten und ihre Besonderheiten vorzustellen mit Kuriosem und Unbekanntem. Selbst über den Fußball kann er noch mit Details dienen. Düsseldorfs erster Nationalspieler? Kein Fortune, sondern Willy Baumgärtner vom Düsseldorfer SV 04, Debüt 1908 gegen die Schweiz, leider verloren.
Am Ende halten alle Kinder einen und oft auch mehrere Zettel in den Händen. Am ersten Tag hat ein Junge gar elf bekommen, also bei jeder Station einen. Damit zeigen die Vereine, wen sie für besonders talentiert halten und wen gerne noch mal besser kennenlernen wollen. Natürlich strenge die Talentschau an. Aber Energie, so Hermanns, hätten die Kinder auch noch danach. „Die sind dann nicht schlapp, sondern erst richtig motiviert.“