Dass Hip-Hop und Klassik gut zusammenpassen, ist nicht mehr so erstaunlich. Zum Beispiel stellte das schon Kool Savas mit dem Residenzorchester Baden-Württemberg im Beethovensaal (2023) unter Beweis und aktuell jährlich gibt es im Stuttgarter Opernhaus Konzerte im Rahmen von „Oper meets Hip-Hop“ zu sehen.

Am Samstagabend gab sich nun Deutschrap-Veteran Samy Deluxe gemeinsam mit dem Takeover! Ensemble, einem sechsköpfigen Kammerorchester unter der Leitung von Mihalj Kekenj, im Hegelsaal der Liederhalle die Ehre. Mit dem Takeover! Ensemble waren auch schon Max Herre und Joy Denalane in der Oper zu sehen.

Samy Deluxe kommt mit Fischerhut und Flow

Ganz pünktlich um 19.30 Uhr, denn so gehört es sich eben für ein Klassik-Konzert, beginnt das Sextett zu spielen, da huschen hier und da noch Gäste durch die Reihen und auf ihre Plätze, die von Hip-Hop-Konzerten dann doch eher andere Abläufe gewohnt sind. „Man merkt, dass ihr Hip-Hop Publikum seid“, sagt Kekenj irgendwann und lacht.

Etwas später dann kommt Samy Deluxe Hip-Hop-mächtig mit Fischerhut, Sonnenbrille und Sneakern an den Bühnenrand und wird für zwei Stunden, inklusive Pause, das Publikum mit Beatbox, Vibe und Flow so begeistern, dass es am Ende längere Standing Ovations gibt. Wer hier Moshpits und fette Beats erwartet – Fehlanzeige. Man sitzt, hört zu und erst wenn das Stück vorbei ist, darf es den sogenannten Szenenapplaus geben, wie Deluxe erklärt – er sei jetzt halt spießig geworden. Eigentlich geht es aber darum, dass die Musiker sonst nichts hören.

Zwei Sets aus älteren und jüngeren Songs hat der 48-jährige Hamburger Rapper mitgebracht, darunter „Superheld“, „Ego“ und „Weck mich auf“ – alle neu von Kekenj arrangiert. Zwei Geigen, Bratsche, Cello, Kontrabass und das Cembalo bringen Romantisches und Modernes ein, dazu kommen von Samy Deluxe beeindruckende Doubletime-Passagen, besonders schnelle Rap-Elemente. Zwei Background-Sängerinnen runden das Ganze ab. Durch das Crossover von Instrumentalmusik, Worten, Flow und Aussage entsteht eine ganz neue Dynamik.

Schon im vergangenen Jahr war das kurzweilige Format zu bestaunen, und Kekenj erzählt, wie ein vierjähriges Mädchen aus den vorderen Reihen nach dem ersten Instrumentaleinsatz fragte: „Wo ist der Coole?“ Samy Deluxe wiederum berichtet davon, wie er im letzten Jahr noch Texte ablesen musste, um mit der Schnelligkeit des Orchesters mitzukommen, erinnert an 0711-Hip-Hop und schwärmt von seiner großen Leidenschaft, den Graffitis, die er nicht nur in Berlin, sondern auch in Stuttgart mag.

„Hochkultur“, so heißen zwei seiner Alben, wird gefeiert an diesem Abend – die Hände hoch und mit dem Flow, „Hey, Hooo!“

Die Setlist von Samy Deluxe in Stuttgart

  • Requiem
  • Instinkt
  • Abendlicht
  • Bis die Sonne rauskommt
  • Poesiealbum
  • Maskenball
  • Stumm
  • Haus am Mehr
  • Superheld
  • Blumen
  • Rolling Stone
  • Eines Tages
  • Ego
  • Zurück zu Wir
  • Weck mich auf
  • Ladies & Gentlemen