Eine heiße Schokolade geht immer. Vor allem, wenn sie so cremig und vollmundig schmeckt wie im Benrather Schoko-Laden von Jochen Scharf. Doch schon in wenigen Wochen rührt der 72-Jährige das letzte Mal die heiße Leckerei für seine Kunden an. Ende Juni endet der Mietvertrag für das Ladenlokal an der Friedhofstraße.

Schon ein paar Tage früher wird Scharf das Geschäft, das gegenüber der Kirche St. Cäcilia liegt, ein letztes Mal zuschließen: Entweder schon am Donnerstag, 25. Juni, oder erst am Samstag, 27. Juni. Sein Vermieter hätte es gerne gesehen, wenn er noch einmal für ein Jahr verlängert hätte. Dann wäre genau zum 20-jährigen Bestehen Schluss gewesen. Die Eröffnung des Schoko-Ladens wurde am 6. Juli 2007 gefeiert – bei einer Außentemperatur von 34 Grad, sagt Scharf und lacht. Doch das Ende nach nun 19 Jahren ist für Scharf eine runde Geschichte. Die letzte Schloss-Praline – Scharfs Bestseller – ging schon im Herbst 2025 über die Theke. Dann ging sein Lieferant in den Ruhestand.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Geschäftsmann auf eine einjährige Verlängerung des Mietvertrages eingelassen. Aber nun sagt er, sei wirklich Schluss: „Jetzt ist gut.“ Die anstehenden letzten gut sechs Wochen wird der Benrather noch viele heiße Abschieds-Schokoladen rühren.

Scharf hat den Verkauf von Schokolade in den vielfältigsten Varianten (von Tafeln über Pralinen bis zum Heißgetränk) verbunden mit einem kleinen Café-Betrieb. Wie er überhaupt auf diese Geschäftsidee gekommen ist? Vor gut 20 Jahren habe er in der Schokoladenmanufaktur „Gut und gerne“, die im Geschäft am Burgplatz auch einen Ausschank hatte, gejobbt und sich schnell gedacht: „Das kann ich doch auch.“ Die Liebe zur Schokolade war nämlich schon lange da. Auch heute noch nascht er ab und an eine Praline aus seinem Laden. Aber nur von denen, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sagt der 72-Jährige. So weit ist er Geschäftsmann.

Doch noch einmal zurück ins Jahr 2007: Scharf suchte nach einem Ladenlokal für seine Idee und war dafür in Kaiserswerth, in Neuss und eben in Benrath unterwegs. Das Dörfchen gefiel ihm damals gut; ein passendes Objekt hatte er schnell im Blick. Studenten machten für ihn eine Passantenzählung. Und der heute 72-Jährige mietete sich in dem Haus an der Friedhofstraße ein. „Wir haben hier alles renoviert“, erzählt er. Wenn er von wir spricht, meint er sich und seinen drei Jahre älteren Ehemann Karl. Dieser sei es gewesen, der ihn in den vergangenen Jahren immer mal gefragt habe, ob er nicht mal in den Ruhestand gehen wolle, sagt Jochen Scharf.

Im vergangenen Jahr gab er dann auch sein Präsidentenamt bei den Schlossnarren ab, deren Mitbegründer er ist. Quasi auf der Außenterrasse des Schokoladens wurde die Benrather Karnevalsgesellschaft gegründet. Dort saß er früher oft mit der damaligen Vorsitzenden der Aktionsgemeinschaft Benrath, Renate Rönnau; Scharf war bei der AGB damals zweiter Vorsitzender. Das Café war immer auch ein Treffpunkt für die Benrather.

Einen Nachfolger, der den Schoko-Laden weiterbetreiben möchte, hat er nicht gefunden, erzählt er. Darum will er auch die Ladeneinrichtung an Interessierte verkaufen. Alles Schokoladenhaltige geht dann in den letzten Wochen mit Rabatt über die Theke. Und dann geht Jochen Scharf in den Unruhestand. Denn er möchte noch ein bisschen weiterarbeiten: „Ich bin zu jung, um nur die Füße hochzulegen.“