Stand: 20.04.2026 10:34 Uhr
Der Warnstreik im Nahrverkehr hat in Niedersachsen wie geplant begonnen – das bestätigte die Gewerkschaft ver.di am Morgen. Wer auf Bus und Bahn angewiesen ist, muss mit Einschränkungen rechnen.
In neun Städten sind Fahrerinnen und Fahrer heute und morgen zum Warnstreik aufgerufen. Hintergrund ist der festgefahrene Tarifkonflikt mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV). Auch die dritte Verhandlungsrunde am vergangenen Montag für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst war ergebnislos geblieben, wie ver.di am vergangenen Dienstag mitteilte. Man habe lange versucht, ein Ergebnis zu erzielen, sagte ver.di-Verhandlungsführer Marian Drews der Mitteilung zufolge. „Durch die anhaltende Blockadehaltung der Arbeitgeber beim Thema Reduzierung der Wochenarbeitszeit sehen wir uns allerdings jetzt gezwungen, einen anderen Weg einzuschlagen.“
Wo Busse und Bahnen in Niedersachsen stillstehen
Betroffen sind unter anderem Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg und Osnabrück. Vor den Betriebshöfen sind für heute laut ver.di Kundgebungen geplant. In folgenden Betrieben soll heute und am Dienstag gestreikt werden:
Üstra-Streik zum Start der Hannover Messe

Ordnerinnen weisen im Hauptbahnhof Hannover Messegästen den Weg zu den Shuttle-Bussen
Der Warnstreik dauert ver.di zufolge jeweils den ganzen Tag. In Hannover trifft der Ausstand bei den Verkehrsbetrieben Üstra auf den Start der Hannover Messe, die am Sonntag offiziell eröffnet wurde. Veranstalter und Stadt setzen Shuttle-Busse ein, die zwischen Hauptbahnhof und Messegelände pendeln. Die Busse waren am Morgen laut einer NDR Reporterin am Hauptbahnhof in Hannover außerordentlich voll. Im und rund um den Bahnhof standen der Reporterin zufolge Ordner mit großen Schildern, die den Weg zu den Shuttle-Bussen, Taxiständen und S-Bahn-Gleisen wiesen. Die S-Bahn Hannover ist nicht vom Ausstand betroffen und mit einer zusätzlichen Bahn unterwegs. Weitere Busse sollten Gäste von großen Hotels zum Messegelände befördern. Auch auf den Straßen war es am Morgen voll. Am Dienstag ist eine Demonstration in der Landeshauptstadt vom Betriebshof Glocksee zum Platz der Menschenreche geplant.

Laut Veranstalter bleibt das Messegelände mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Es fahren Shuttle-Busse und S-Bahnen.
KAV: Warnstreik geht zulasten der Fahrgäste
Der Kommunale Arbeitgeberverband Niedersachsen hat für den Warnstreik kein Verständnis. „Unnötige Streiks im kommunalen Nahverkehr gehen ausschließlich zulasten der Fahrgäste, also der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Michael Bosse-Arbogast, Hauptgeschäftsführer des KAV Niedersachsen in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung. „Und das in einer Situation, in der viele Menschen wegen der Spritpreise das Auto zugunsten des ÖPNV stehen lassen.“
Dieses Angebot hat die Arbeitgeberseite vorgelegt
Seit Anfang Februar war es in anderen Bundesländern mehrfach zu Warnstreiks gekommen. In Niedersachsen galt bis Ende März für die rund 5.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr noch eine Friedenspflicht, deshalb gab es keinen Arbeitskampf. Ver.di fordert unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, darunter Entlastungen bei Wochenarbeitszeit und Schichtdiensten. Die KAV habe im Rahmen der dritten Verhandlungsrunde angeboten, die Urlaubstage pro Jahr von 32 auf 33 zu erhöhen, so Hauptgeschäftsführer Bosse-Arbogast. Zudem biete die KAV, an das Urlaubsgeld und den Zuschlag für die Sonntagsarbeit zu erhöhen sowie eine Entgelterhöhung um 2,8 Prozent. Das alles reiche ver.di nicht für einen Tarifabschluss, sagte Bosse-Arbogast. Die Gewerkschaft habe „inzwischen die Bodenhaftung verloren.“ Die vierte Tarifrunde ist für den 11. Mai angesetzt.

Der Abschluss gilt für neun Unternehmen in Niedersachsen. Die Busfahrer erhalten zunächst eine Lohnerhöhung um vier Prozent.

Ver.di hatte rund 2.500 Busfahrerinnen und Busfahrer in mehreren Regionen zum Ausstand aufgerufen. Es kam zu Einschränkungen.