Duisburg · In Marxloh stimmten nur fünf Prozent ab, in Buchholz über 43 Prozent – trotzdem war das Ergebnis des Bürgerentscheids für eine Olympia-Bewerbung in Duisburg eindeutig. Was bei der Abstimmung auffällt. Und wo völlig überraschend die Zustimmung am höchsten ausfällt.
Einen Tag nach dem Bürgerentscheid über die Olympia-Bewerbung der Region „KölnRheinRuhr“ ist klar: Nirgendwo wurden die Stimmen vergleichsweise so schnell ausgezählt wie in Duisburg, bereits gegen 19.30 Uhr stand das Endergebnis fest, rund 98.000 Bürger hatten abgestimmt. Was fällt bei der Abstimmung auf? Wie geht es jetzt weiter? Wir klären die wichtigsten Fragen für die Stadt.
Große Zustimmung unter den Duisburgern
Nach Auszählung der Stimmen in Duisburg lag der Anteil der Befürworter bei 72,9 Prozent, während 27 Prozent dagegen stimmten. Insgesamt entfielen rund 71.400 Stimmen auf „Ja“ und etwa 26.500 Stimmen auf „Nein“. Die Wahlbeteiligung lag bei 28,1 Prozent.
Beteiligung in den Stadtteilen sehr unterschiedlich
Durch die hohe Beteiligung ist auch das notwendige Quorum erfüllt worden. Nach der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalens muss die Mehrheit bei einem Bürgerentscheid in Großstädten mindestens zehn Prozent der Stimmberechtigten umfassen – in Duisburg entspricht das rund 35.000 Stimmen. Diese Marke wurde also deutlich überschritten.
Dennoch: In den einzelnen Stadtteilen und -bezirken schwankte die Beteiligung stark. In Marxloh haben etwa nur 5,3 Prozent der Stimmberechtigten ihr Kreuz gemacht, in den südlichen Stadtteilen Buchholz und Großenbaum waren es mehr als 43 Prozent. Auch in den westlichen Bezirken Bergheim und Rumeln-Kaldenhausen lag die Beteiligung bei mehr als 40 Prozent.
Wie unterscheidet sich das Ergebnis innerhalb der Stadt?
Spannend ist: In keinem einzigen Stimmbezirk hatten die Gegner einer Olympia-Bewerbung eine Mehrheit. Die meisten Nein-Stimmen wurden anteilig im Westen der Stadt gezählt, in Bergheim und Rheinhausen kam das „Nein’-Lager teilweise auf mehr als 30 Prozent der Stimmen. Einen hohen Zuspruch gab es dagegen in Hochfeld und Wanheim-Angerhausen: Hier waren 78 beziehungsweise 77 Prozent der Beteiligten für Olympia. In Marxloh stimmten sogar 80 Prozent für eine Bewerbung der Region.
Insgesamt waren rund 350.000 Duisburgerinnen und Duisburger zur Abstimmung aufgerufen. Wahlberechtigt waren – wie auch bei Kommunalwahlen – deutsche Staatsbürger ab 16 Jahren sowie EU-Bürger mit Wohnsitz in der Stadt. Die Beteiligung lag über dem Niveau vieler vergangener Wahlen und wird als Zeichen für das große öffentliche Interesse an der Olympia-Frage gewertet. In den vergangenen Wochen hatten Zehntausende Duisburger per Brief abgestimmt.
Mit dem erfolgreichen Votum ist der Weg für eine Beteiligung Duisburgs an der Bewerbung grundsätzlich frei. Das Ergebnis ist für den Stadtrat bindend. Die Stadt bleibt damit Teil der geplanten Bewerbung der Region „KölnRheinRuhr“ für die Olympischen und Paralympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044. Für Duisburg sind im Rahmen der Planungen mehrere Wettbewerbe vorgesehen, darunter Rudern und Kanu an der Regattabahn sowie Sportklettern in der Arena.
Was sprach für, was gegen Olympia in der Stadt?
Die Abstimmung war im Vorfeld von einer intensiven Debatte begleitet worden. Befürworter verweisen auf mögliche Impulse für Wirtschaft, Infrastruktur und Image der Stadt. Kritiker sehen vor allem finanzielle Risiken und warnen vor langfristigen Belastungen für den Haushalt.
Und wann entscheidet sich jetzt, ob Olympia nach NRW kommt?
Mit dem Duisburger Ergebnis ist ein wichtiger Baustein für die Gesamtbewerbung der Region „KölnRheinRuhr“ gelegt. Mehrere Kommunen sind an dem Konzept beteiligt, in fast allen hat sich die Bevölkerung am Sonntag für die Bewerbung entschieden. Nur in Herten wurde das Quorum nicht erreicht. Wie es nun konkret weitergeht, hängt vom weiteren Bewerbungsverfahren ab. Der Deutsche Olympische Sportbund will voraussichtlich im Herbst entscheiden, mit welcher Region Deutschland ins Rennen um die Ausrichtung der Spiele geht. Zur Auswahl stehen auch noch Berlin, München und Hamburg.