
Stand: 20.04.2026 14:13 Uhr
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will von der Hannover Messe ein „Zeichen der Zuversicht“ senden. Aus Äußerungen der Industrieverbände klingt diese Zuversicht dagegen nicht heraus.
Grund dafür ist unter anderem der Iran-Konflikt. Zuletzt hatte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) eher optimistisch auf das laufende Jahr geblickt und mit einem Zuwachs von einem Prozent gerechnet. Wegen des Krieges sei nun bestenfalls von einem stagnierenden Ergebnis auszugehen, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger zum Auftakt der Hannover Messe. Auch Risiken für einen Rückgang der Produktion bestünden – bislang seien die Kapazitäten nur zu gut 78 Prozent ausgelastet.
BDI: „Der Druck wächst“
„Der Druck auf die Industrie besteht weiter – und wächst“, sagte Leibinger. Der BDI-Präsident fordert: „Deutschland muss jetzt handeln.“ Sollten die Störungen im Schiffsverkehr länger anhalten, droht nach Einschätzung des BDI das fünfte Jahr in Folge ein Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. Doch nicht nur geopolitische Entwicklungen wie der Iran-Krieg seien Ursache für die prekäre Situation – sie verschärften die Lage nur, führt Leibinger aus. Hohe Kosten am Standort, Steuern, Bürokratie würden dafür sorgen, dass Deutschland als Standort „nicht mehr wettbewerbsfähig“ ist. Leibinger fordert bis Sommer von der Regierung ein Reformpaket. „Was bisher verkündet wurde, ist enttäuschend, mutlos und geht am Thema vorbei“, kritisierte er bisherige Maßnahmen.
VDMA fordert Anpassung der Wochenarbeitszeit
Eine mutlose Politik kritisierte auch der Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten (VDMA) im Rahmen der Messe. Die Folge sei, dass neue Investitionen vor allem im Ausland getätigt würden, sagte VDMA-Präsident Bertram Kawlath. Mit Blick auf das Jahr zeigte sich der VDMA dennoch etwas optimistischer als der BDI. Die Produktion dürfte trotz eines schwachen Jahresauftakts um ein Prozent zulegen, hieß es. Der Verband forderte von der Regierung, Sozialversicherungsbeiträge zu begrenzen und die Arbeitszeit an die steigende Lebenserwartung der Menschen zu koppeln. Ebenso müsse die Wochenarbeitszeit im Durchschnitt steigen.
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Merz entschlossen optimistisch
Als Partner der Wirtschaft wollte sich derweil Bundeskanzler Merz auf der Hannover Messe präsentieren. Während seines Rundgangs lobte er die deutschen Ausstellerunternehmen. Insbesondere der Fusionstechnologie widmete er Aufmerksamkeit. Die Bundesregierung werde den Bau des weltweit ersten Fusionsreaktors weiter unterstützen, so Merz. Auch von menschenähnlichen Robotern zeigte sich der Kanzler beeindruckt und betonte: Was China in diesem Bereich könne, könne Deutschland auch. Kurz vor dem Messestart hatte der Kanzler angekündigt, Deutschland solle ein „erfolgreiches, wettbewerbsfähiges Industrieland“ bleiben – gerade in Zeiten großer Veränderungen. „Deshalb müssen wir von dieser Messe aus ein Zeichen der Zuversicht geben.“
Reiche: Kerosinversorgung gesichert
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte zudem an, sich im Rahmen der Messe intensiv mit den Raffinerien in Deutschland auseinandersetzen zu wollen. Bei einem Branchentreffen solle es insbesondere darum gehen, „wie wir nicht nur mit Vorräten umgehen, sondern Importe sicherstellen können und – auch das ist ein wichtiger Punkt – unsere Raffineriekapazitäten hochhalten können“, sagte sie im Deutschlandfunk. Sie gab zu dem an, die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet, sowohl mit Blick auf Benzin, Diesel als auch auf Kerosin. Insgesamt elf Raffinerien produzieren in Deutschland Kerosin. Wichtig sei es, diese nun nicht weiter zu belasten, betonte Reiche.

Während sich Lula weitere brasilianische Stände anschaute, zog Merz ohne ihn weiter. Das gemeinsame Abschlussstatement fiel aus.

1947 ging die Hannover Messe als „Export-Messe“ an den Start. Zu jeder Eintrittskarte gab es damals ein Fischbrötchen.

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