Ein ICE überholt einen Güterzug.

Stand: 20.04.2026 15:05 Uhr

Seit 13 Uhr ist der geplante Neubau der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover Thema im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages. Der NDR fasst das Wichtigste aus der öffentlichen Anhörung zusammen.

Auf der Internetseite des Bundestages wird die Sitzung des Verkehrsausschusses live gezeigt. Neun Sachverständige und Interessenvertreter wurden von den Parteien eingeladen. Sie haben ihre Sicht auf die Pläne zur möglichen Neubaustrecke präsentiert und beantworten Fragen von Abgeordneten. Die geplante Trasse zwischen Hamburg und Hannover ist der einzige Tagesordnungspunkt.

Lüneburgs Oberbürgermeisterin unterstützt Neubau

Warum eine Neubaustrecke für die Hansestadt Lüneburg wichtig wäre, schilderte Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Grüne). Die Stadt müsse an den Fernverkehr angeschlossen bleiben, brauche aber dringend mehr Kapazitäten im Nahverkehr. Bei einem Ausbau der Bestandsstrecke befürchtet Kalisch vor allem eine sehr lange Bauzeit – bis zu 32 Jahre kann diese laut Kalisch dauern. „Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass Lüneburg als Oberzentrum so lange eingeschränkt ist“, sagte die Oberbürgermeisterin. Matthias Hudaff von der Deutschen Bahn (DB) bestätigte in der Fragerunde, dass ein Ausbau der bestehenden Strecke deutlich länger dauern würde. „Ein Ausbau bedeutet Defakto ein Neubau im Bestand“, gab Hudaff an.

DB: Nur Neubau erfüllt Kriterien

Man habe in den vergangenen drei Jahren und zehn Monaten insgesamt 29 Varianten untersucht, vier davon am Ende auch öffentlich abgebildet, führte Hudaff ergänzend aus. Die Kriterien – mehr Pünktlichkeit, mehr Kapazität und der Deutschlandtakt – würde nur der Neubau in der vorgelegten Variante erfüllen. Damit die Strecke schneller als geplant gebaut werden könnte, brauche es nun rasche politische Entscheidungen und schnelle Genehmigungsverfahren, sagte Hudaff.

Pro Bahn: Neubau mit regionalem Nutzen

„Wir wollen mehr Leute auf die Bahn bekommen, dafür brauchen wir Lösungen“, sagte Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn. Für ihn sei eine Neubaustrecke die einzige Lösung. Er betonte aber, dass diese auch vor Ort einen regionalen Nutzen erbringen müsse. Von diesem Nutzen ist Kay Rabe von Kühlewein vom Verkehrsclub Deutschland überzeugt. Er fordert, dass die Pläne der Bahn erweitert werden, etwa durch die Finanzierung der regionalen Bahnhalte und einem besseren Lärmschutz.

Verkehrsexperte: Planung für Neubau „extrem teuer“

Kritik an den Neubauplänen der Deutschen Bahn äußerte dagegen Thomas Siefer, Verkehrsexperte der TU Braunschweig. Diese bezeichnete er als „extrem teuer“. Der Fahrzeitgewinn liege im Vergleich zur Bestandssitzung bei gerade einmal 14 Minuten. Eine Minute Fahrzeitgewinn würde man also mit einer Milliarde Euro erreichen, bemängelte Siefer. Das sei im Vergleich zu anderen Großprojekten ein extrem hoher Wert. Zudem befürchtet der Verkehrsexperte, dass die neue Trasse auch für den Güterverkehr zu teuer werde. Unternehmen müssten laut Siefer durch höhere Trassenpreise mit Mehrkosten von etwa 750 Euro pro Zugfahrt rechnen. Unter diesen Umständen werde die Trasse nicht marktfähig sein.

Regionale Vertreter gegen Neubaustrecke

Dass es viele Argumente gegen einen Neubau gebe, merkte auch Peter Dörsam (Grüne), Sprecher des Projektbeirats Alpha-E, an. Insbesondere die Berechnungen des Nutzen-Kosten-Verhältnisses und die Bauzeit werde von dem Projektbeirat anders eingeschätzt, als von der Bahn angegeben. So sei eine Fertigstellung bis 2050 anvisiert – es seien jedoch Risiken bekannt, die eine Bauzeit bis 2063 verlängern könnten. Jens Grote (parteilos) trug als Landrat des Heidekreises vor, dass in der Diskussion ein völlig falsches Bild der Region vermittelt werde. Diese würde nicht zum Schutz von ein paar Äckern ein so wichtiges Infrastrukturprojekt verhindern wollen. Die Region sei durch eine Vielzahl von Verkehren wie Autobahnen geprägt. Für die Schiene brauche man aber jetzt Lösungen. Geschlossen mit dem Land Niedersachsen plädieren die Landkreise deshalb auf einen schnelleren Ausbau der Bestandsstrecke, argumentierte Grote.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Diskussion

  • Peter Dörsam (Bündnis 90/Die Grünen), Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt und Sprecher des Projektbeirats Alpha-E
  • Jens Grote (parteilos), Landrat des Landkreises Heidekreis
  • Matthias Hudaff, Deutsche Bahn AG, Leiter Großprojekte Ausbaustrecke/Neubaustrecke Hamburg-Hannover
  • Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro Bahn e. V., Bundesvorsitzender
  • Claudia Kalisch (Bündnis 90/Die Grünen), Oberbürgermeisterin der Hansestadt Lüneburg
  • Lutz Könner, Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e. V. (ZDS), Geschäftsführer
  • Kay Rabe von Kühlewein, Verkehrsclub Deutschland Landesverband Niedersachsen e. V., Mitglied des Landesvorstands
  • Thomas Siefer, Technische Universität Braunschweig, Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb
  • Omid Najafi (AfD), Landtagsabgeordneter Niedersachsen, Ausschuss Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung

Schon im Vorfeld hatten einige der geladenen Sachverständigen und Interessensvertreter eine schriftliche Stellungnahme veröffentlicht.

Ein ICE fährt auf der Bahntrasse zwischen Hannover und Hamburg

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Der bisherige Streckenverlauf und die von der DB bevorzugte Neubauroute (links).

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