Fragen & Antworten
Standdatum: 20. April 2026.
Autorinnen und Autoren:
Verena Patel
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Ein lange umstrittener Straßenname in Bremen-Schwachhausen: Die nach dem Kolonialisten Adolf Lüderitz benannte Straße. Die Namenserläuterung wurde schon mehrmals entwendet.
Bild: Radio Bremen
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Sie sind nach Kolonialisten benannt oder erinnern an historische Ereignisse, die man eigentlich nicht ehren will. Doch eine Straßenumbenennung trifft einige Bremer besonders.
Ob es um die Langemarckstraße geht, die Lüderitzstraße oder die Karl-Peters-Straße: Um einige Bremer Straßennamen entbrannten schon hitzige Debatten. Schließlich ist ein Straßenname auch als Ehrung für eine verstorbene Person zu lesen. Wie sich deutlich machen lässt, dass man dies kritisch hinterfragt, darüber wird jedoch gestritten. Wie ein Umbenennungsverfahren abläuft und was das für Anwohnende bedeutet, erklären wir hier.
Wer entscheidet, ob eine Straße in Bremen umbenannt wird?
Das letzte Wort hat der jeweilige Ortsbeirat. Die Zuständigkeit nicht nur für Neu-, sondern auch für Umbenennungen liegt beim jeweiligen Beirat, wie die Bremische Bürgerschaft durch eine entsprechende Änderung des Ortsgesetzes über Beiräte und Ortsämter vom Oktober 2025 festgelegt hat. Jedenfalls dann, wenn es sich um eine sogenannte stadtteilbezogene Straße handelt, das ergibt sich aus dem oben genannten Ortsgesetz. Stadtteilbezogen sind zum Beispiel reine Wohnstraßen oder kleinere Straßen. Als stadtteilbezogen gelten Straßen unter anderem dann nicht mehr, wenn sie sich durch mehrere Stadtteile ziehen oder als Hauptverkehrsstraßen ausgewiesen sind, heißt es in einem Konzeptentwurf zum Umbenennungsverfahren der Bremer Senatskanzlei vom März 2026.
Die Anwohnerinnen und Anwohner sowie Gewerbetreibende an der Straße sind zu dem Vorhaben zu hören und in angemessener Weise zu beteiligen. Die Bremer Senatskanzlei nennt dazu drei Stufen: Zunächst sollen alle von der Entscheidung Betroffenen informiert werden, als zweite Stufe ist eine Diskussionsveranstaltung zu organisieren, bei der die verschiedenen Meinungen gehört werden können. Außerdem sollen Anwohnerinnen und Anwohner sowie Geschäftsleute mit der entsprechenden Adresse über eine personalisierte Befragung ihre Meinung zum Ausdruck bringen können.
Wie läuft das Verfahren bei einer Umbenennung ab?
Die Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner muss vor einer Entscheidung des Beirates für eine Umbenennung passieren. „Der Beirat ist gehalten, sich im Rahmen seiner Entscheidung ernsthaft mit dem Ergebnis der Beteiligung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger auseinanderzusetzen. Das Letztentscheidungsrecht liegt auch im Falle einer Umbenennung beim Beirat“, schreibt ein Sprecher der Bremer Senatskanzlei auf Anfrage.
Umbenennungen haben weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben der Anwohnerinnen und Anwohner.
Bremens Senatskanzlei
Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) prüft auf Antrag des Beirates, ob der beabsichtigte Name den Anforderungen des Landesstraßengesetzes entspricht und ob historische oder zeitgeschichtliche Gründe entgegenstehen. Zum letztgenannten Aspekt wendet sich das ASV an das Staatsarchiv Bremen.
Die angedachte Umbenennung der Bremer Langemarckstraße in Georg-Elser-Allee sorgt seit Jahren für Streit.
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„Umbenennungen haben weitreichende Auswirkungen auf das tägliche Leben der Anwohnerinnen und Anwohner, etwa durch die Notwendigkeit der Änderung persönlicher Dokumente, der Sorge für die zukünftige Erreichbarkeit unter neuer Adresse und ggf. die Umstellung geschäftlicher Kontakte. Damit stellen Umbenennungen von Straßen und Plätzen einen klaren Eingriff in den rechtlich geschützten Lebensbereich der Betroffenen dar“, schreibt die Senatskanzlei im Konzeptentwurf zum Umbenennungsverfahren. Eine Umbenennung sei grundsätzlich rechtlich zulässig, wegen der Eingriffsintensität bedürfe es aber einer besonders begründeten Legitimation, heißt es in dem Papier weiter.
Die Senatskanzlei empfiehlt in ihrem Konzeptentwurf, vor dem Start des Verfahrens Alternativen zu einer Umbenennung zu prüfen. Möglich sind zum Beispiel erklärende Zusatzschilder, die den jeweiligen Straßennamen historisch einordnen. Auch Gedenktafeln seien eine Alternative oder Verweise auf tiefergehende Informationen zum Beispiel mithilfe von QR-Codes vor Ort.
Werden Straßen, die nach Personen mit NS-Bezug benannt wurden, immer umbenannt?
Eine ganze Reihe von Umbenennungen gab es im Jahr 1945, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, sagt Lars Worgull vom Bremer Staatsarchiv. Damals ging es darum, „Namen, die als unerträglich galten“ aus dem Stadtbild zu entfernen. Ein Fall aus der jüngeren Vergangenheit: Die Umbenennung der Hinrich-Wriede-Straße in Bremen-Horn-Lehe im Jahr 2021. Die Straße war nach dem Hamburger Schriftsteller und Schulleiter Hinrich Wriede benannt, ein „sehr betonter und primitiver Nationalsozialist“, wie der Entnazifizierungsausschuss festhielt. Heute heißt sie Achterhook, niederdeutsch für „hintere Ecke“.
Und auch von den Nazis aus dem Straßenbild getilgte Namen konnten wieder ins Bewusstsein gerückt werden. So zum Beispiel im Fall der Eupener Straße. Sie war in der Nazizeit umbenannt worden. Grund: Man wollte den Namen des jüdischen Bauunternehmers Mentel Emanuel Stern, der die Straße einst hatte anlegen lassen, aus dem Stadtbild entfernen. 2005 wurde das rückgängig gemacht. Seitdem heißt die Straße wieder Emanuelstraße.
Wie werden Straßennamen im Zusammenhang mit dem Kolonialismus behandelt?
Die Initiative „Walle entkolonisieren“ hat Anträge auf Umbenennung mehrerer Straßen mit Kolonialbezug beim zuständigen Beirat und auch eine entsprechende Petition bei der Bremischen Bürgerschaft eingereicht. Unter anderem geht es um die Karl-Peters-Straße, ursprünglich benannt nach einem besonders brutalen Kolonialisten im früheren Deutsch-Ostafrika. 2010 ließ der Beirat die Straße umwidmen: Sie hieß fortan nach dem gleichnamigen Rechtswissenschaftler Karl Peters, der unter anderem das Bundesverdienstkreuz bekommen hatte. „Das ist jedoch ebenfalls problematisch, da dieser seit 1933 Mitglied der NSDAP und der SA war“, schreibt der Historiker Hanno Balz in einem Beitrag zur Geschichte des Straßennamens, auf der Website der Bremer Kulturbehörde.
In einem Projekt des Kulturressorts, der Landeszentrale für politische Bildung und von Wissenschaftlern sind Hintergrundtexte zu Straßennamen mit Kolonialbezug entstanden. Auch wurden Erklärtexte für Straßenschilder erarbeitet und an die entsprechenden Beiräte weitergeleitet, sagt Pressesprecher Jens Tittmann. Das Projekt geht auf einen entsprechenden Bürgerschaftsbeschluss zur Einordnung von Spuren kolonialen Erbes in Bremen zurück. Die Umbenennung sei Sache der jeweiligen Beiräte, stellt Tittmann klar.
Eine große Debatte hatte es vor Jahren auch um die Lüderitzstraße in Bremen-Schwachhausen gegeben. Sie ist nach dem aus Bremen stammenden Kolonialisten Adolf Lüderitz benannt. Berühmt-berüchtigt ist er für den als „Meilenschwindel“ bekannt gewordenen Betrug um Land im heutigen Namibia. Im Beirat entschied man sich am Ende für ein Erklärschild direkt unter dem Straßennamen.
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Quelle:
buten un binnen.
Dieses Thema im Programm:
buten un binnen, Dein Audio-Update, 20. April 2026, 17:58 Uhr

