Stand: 20.04.2026 21:19 Uhr
Die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr in Niedersachsen sind auch am Dienstag zum Warnstreik aufgerufen. Neun Städte sind bereits von Einschränkungen betroffen, am Dienstag soll die Region Hannover folgen.
Zusätzlich zu den Verkehrsbetrieben Üstra werde sich an dem Tag auch der Regiobus in Hannover an dem Ausstand beteiligen, kündigte die Gewerkschaft ver.di an. Damit ist nicht nur der ÖPNV in der Landeshauptstadt lahmgelegt, sondern voraussichtlich auch in der Region. Wie bereits am Montag sind auch weiterhin Fahrerinnen und Fahrer in weiteren niedersächsischen Städten zum Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind unter anderem Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg und Osnabrück. In folgenden Betrieben soll bis einschließlich Dienstag gestreikt werden:
Demonstration soll durch Hannover ziehen
Für den zweiten Warnstreiktag am Dienstag hat ver.di eine Demonstration in Hannover angekündigt. Der Demozug soll vom Betriebshof Glocksee zum Platz der Menschenrechte führen. Der Start ist um 10.30 Uhr geplant, die Abschlusskundgebung soll um 12 Uhr beginnen.
Einschränkungen am gesamten Dienstag angekündigt
Der Warnstreik soll ver.di zufolge auch am Dienstag den ganzen Tag dauern. Hintergrund für den Warnstreik ist der festgefahrene Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft und dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV). Auch die dritte Verhandlungsrunde am vergangenen Montag für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst war ergebnislos geblieben, wie ver.di am vergangenen Dienstag mitteilte. Man habe lange versucht, ein Ergebnis zu erzielen, sagte ver.di-Verhandlungsführer Marian Drews der Mitteilung zufolge. „Durch die anhaltende Blockadehaltung der Arbeitgeber beim Thema Reduzierung der Wochenarbeitszeit sehen wir uns allerdings jetzt gezwungen, einen anderen Weg einzuschlagen“, hieß es.
Üstra-Streik trifft Start der Hannover Messe

Ordnerinnen weisen im Hauptbahnhof Hannover Messegästen den Weg zu den Shuttle-Bussen
Der Warnstreik im Nahverkehr hatte in Niedersachsen am Montag wie geplant begonnen. In Hannover traf der Ausstand bei den Verkehrsbetrieben Üstra auf den Start der Hannover Messe, die am Sonntag offiziell eröffnet worden war. Veranstalter und Stadt setzen während des Streiks Shuttle-Busse ein, die zwischen Hauptbahnhof und Messegelände pendeln. Die Busse waren am Montagmorgen laut einer NDR Reporterin am Hauptbahnhof in Hannover außerordentlich voll. Im und rund um den Bahnhof standen der Reporterin zufolge Ordner mit großen Schildern, die den Weg zu den Shuttle-Bussen, Taxiständen und S-Bahn-Gleisen wiesen. Die S-Bahn Hannover ist nicht vom Ausstand betroffen und mit einer zusätzlichen Bahn unterwegs. Weitere Busse sollten Gäste von großen Hotels zum Messegelände befördern.

Laut Veranstalter bleibt das Messegelände mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Es fahren Shuttle-Busse und S-Bahnen.
KAV: Warnstreik geht zulasten der Fahrgäste
Der Kommunale Arbeitgeberverband Niedersachsen hat für den Warnstreik kein Verständnis. „Unnötige Streiks im kommunalen Nahverkehr gehen ausschließlich zulasten der Fahrgäste, also der Bürgerinnen und Bürger“, sagte Michael Bosse-Arbogast, Hauptgeschäftsführer des KAV Niedersachsen in einer am vergangenen Dienstag veröffentlichten Mitteilung. „Und das in einer Situation, in der viele Menschen wegen der Spritpreise das Auto zugunsten des ÖPNV stehen lassen.“
Dieses Angebot hat die Arbeitgeberseite vorgelegt
Seit Anfang Februar war es in anderen Bundesländern mehrfach zu Warnstreiks gekommen. In Niedersachsen galt bis Ende März für die rund 5.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr noch eine Friedenspflicht, deshalb gab es keinen Arbeitskampf. Ver.di fordert unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, darunter Entlastungen bei Wochenarbeitszeit und Schichtdiensten. Die KAV habe im Rahmen der dritten Verhandlungsrunde angeboten, die Urlaubstage pro Jahr von 32 auf 33 zu erhöhen, so Hauptgeschäftsführer Bosse-Arbogast. Zudem biete die KAV an, das Urlaubsgeld und den Zuschlag für die Sonntagsarbeit zu erhöhen sowie eine Entgelterhöhung um 2,8 Prozent. Das alles reiche ver.di nicht für einen Tarifabschluss, sagte Bosse-Arbogast. Die Gewerkschaft habe „inzwischen die Bodenhaftung verloren“. Die vierte Tarifrunde ist für den 11. Mai angesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen Warnstreik und Streik?
Bei Warnstreiks handelt es sich laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorwiegend um kurzfristige Arbeitsniederlegungen. Diese umfassen etwa wenige Arbeitsstunden oder einzelne Schichten und können wiederholt werden. Das Ziel: Mitglieder und Beschäftigte zu mobilisieren und Kampfbereitschaft zu signalisieren. In der Praxis ziehen sich Warnstreiks auch mal über mehrere Tage, die Grenzen zu einem Streik sind somit fließend. Juristisch gibt es nach Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) keine Unterscheidung. Für einen regulären Streik gibt es aus Sicht des DGB jedoch zwei Voraussetzungen: Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber müssen formal für gescheitert erklärt werden. Und die Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten müssen sich in einer Urabstimmung für einen Streik aussprechen.

Die Gewerkschaft ver.di ruft für Montag und Dienstag zu Streiks auf. Die Messe setzt nun unter anderem auf Shuttle-Busse.

Der Abschluss gilt für neun Unternehmen in Niedersachsen. Die Busfahrer erhalten zunächst eine Lohnerhöhung um vier Prozent.

Ver.di hatte rund 2.500 Busfahrerinnen und Busfahrer in mehreren Regionen zum Ausstand aufgerufen. Es kam zu Einschränkungen.