Die Sächsische Landesbibliothek hat für ihr Archiv der Kulinarik am Montag offiziell den Nachlass von Ursula Winnington entgegengenommen. Sie gehörte zu den beliebtesten Kochbuchautorinnen der DDR. Überreicht wurde die Schenkung durch ihre Tochter Maraike Wittbrodt und Winningtons Enkelin, Lilly Böhm.
Sie könne sich kein besseres Archiv für ihre Großmutter vorstellen, sagte Böhm kurz nach der Übergabe bei MDR KULTUR. Trotzdem sei es auch ungewohnt, ihre vertraute Handschrift in den Schaukästen im Lesesaal zu sehen, räumte Böhm im Interview ein. In Winningtons Kochbüchern und Rezept-Kolumnen mit charmanten kulturhistorischen Ausflügen in die ferne Welt zeige sich eine ostdeutsche Lebensart, die gängige Bilder bereichern werde, so Böhm.
Ich könnte mir kein besseres Archiv für sie vorstellen.
Lilly Böhm, Enkelin von Ursula Winnington
Bekannteste Kochbuch-Autorin der DDR
Vor einem Jahr starb Ursula Winnington mit 96 Jahren. Bekannt wurde die Journalistin Ursula Winnington unter anderem mit ihrer Kolumne „Liebe, Phantasie und Kochkunst“ in der Monatszeitschrift „Das Magazin“. Sie schrieb außerdem für den „Guten Rat“ und die „Sibylle„.
Mit ihrem Ehemann, dem britischen Journalisten Alan Winnington, unternahm sie zahlreiche Reisen ins Ausland bis nach China. Ihre Auslandseindrücke spiegelten sich in ihren exotischen Rezepten wider, die wegen der begrenzten Reisefreiheit in der DDR sehr beliebt waren. Als „Ausflüge in ferne Welten“ oder „Westvisum für jedermann“ wurden ihre Koch-Ideen mitunter bezeichnet.
So brachte sie Rezepte für Chutney, Quiche und chinesische Teigtaschen mit und verhalf damit der Küche in der DDR zu mehr Abwechslung. Dabei waren ihre Rezepte hochpolitisch: Nur Zutaten, die auch zu bekommen waren, durften abgedruckt werden. Insgesamt hat sie mehr als 1.250 Rezepte in ihrem Leben veröffentlicht.
Rezepte, Fotografien und Briefe von Ursula Winnington
Dass ihr Nachlass an das Deutsche Archiv der Kulinarik gehen soll, darüber wurde Winnington noch zu Lebzeiten informiert und fühlte sich laut ihrer Enkelin sehr geehrt.
Der Nachlass umfasst zahlreiche ihrer Publikationen, insbesondere ihre Artikel für Zeitschriften und Magazine, diese seien toll illustriert von bekannten Künstlern, wie Hans Ticha oder Horst Hussel, erklärte Winningtons Enkelin Böhm.
Ein weiterer Teil sind die Kochbücher aus der Arbeitsbibliothek der Autorin. Sie zeigen ihren biografisch besonderen Zugang, denn durch ihren englischen Ehemann seien viele englischsprachige Bücher darunter, erzählte Böhm weiter. Ein besonderes Werk ist außerdem das handschriftliche Kochbuch von Winningtons Großmutter aus dem 19. Jahrhundert.
Das ist ein ganz interessantes Stück Alltagskulturgeschichte.
Lilly Böhm, Enkelin von Ursula Winnington
Fotografien, Leserbriefe und umfangreiche Korrespondenz aus den Jahren 1971 bis 1999 seien auch zeitgeschichtlich für die Forschung interessant, heißt es durch die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB). Bereits seit 2025 bewahrt die SLUB Zeitzeuginnengespräche, welche Winningtons Enkelin Lilly Böhm mit der Kochbuchautorin geführt hat.
Das Archiv der Kulinarik
Das Archiv der Kulinarik betreibt die Sächsische Landesbibliothek SLUB zusammen mit der Technischen Universität Dresden seit 2022. Es ist die größte öffentlich zugängliche Sammlung von Kochbüchern und Speisekarten im deutschsprachigen Raum.
Quellen: Pressemitteilung der SLUB Dresden, bpb, MDR KULTUR
Redaktionelle Bearbeitung: hro