Leerer Strand, volles HausDie Reisewege zur Kunst führen ja immer wieder hinein in den Kommerz. Darauf weist derzeit das Frankfurter Städel hin. Eine aktuelle Ausstellung zeigt dort Monets Monetarisierung im Dienste des Tourismus. Der große Impressionist kam in den 1880ern immer wieder in das normannische Fischerdorf Étretat, malte die Steilküste mit ihren ikonischen Felsentoren ein ums andere Mal. Obwohl Monet damals noch nicht viel verdiente, leistete er damit einen lukrativen Beitrag zur lokalen Wirtschaftsförderung. Schließlich wollten bald alle selbst sehen, was der Meister und seine Kollegen Delacroix, Matisse und Courbet auf die Leinwand gebannt hatten. Das hat Folgen bis heute: Étretat wird jedes Jahr von 1,5 Millionen Touris überrannt. Die Landschaft erodiert, Urlauber brechen sich den Hals, die Klippen werden gesperrt. Die Schau „Monets Küste“ ist mithin eine dringliche Mahnung gegen das Phänomen „Overtourism“: Meiden Sie Monets Moloch! Allerdings durchkreuzt das Museum die eigene Warnung dramatisch. Auf den Bildern sind die Strände leer, vor den Bildern aber herrscht Gedränge. Bis zu den großen Ferien kann man sich sehr sehenswert durchs Städel quetschen. Klar, wo man danach zur Erholung hinfahren will.