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München – Den 1. Mai wird Astrid S. (86) nie mehr vergessen. Als es gegen 7.50 Uhr bei ihr klingelte, dachte sich die Rentnerin nichts Böses. Sie sagte noch „erste Etage“ durch die Gegensprechanlage und öffnete die Tür. Dann stand plötzlich Florian M. (34) in der Wohnung der pflegebedürftigen Frau, die auf einen Rollator angewiesen ist. Der Beginn eines hemmungslosen Gewaltexzesses.
Aus dem Nichts schlug der für sie völlig fremde Mann mit einer Weinflasche auf ihren Kopf, danach hagelte es Faustschläge. Nachbarin Hedwig C. (59) hörte die Schreie, wollte helfen und wurde ebenfalls attackiert. Beide Opfer erlitten Brüche am Kopf und im Gesicht.
Richterin: „Sie tun sich kein Gefallen“
Die Staatsanwaltschaft München I wirft Florian M. versuchten Mord vor. Er soll die Frauen wahllos attackiert haben, um sich laut Anklage abzureagieren, weil er offenbar kein Kokain mehr hatte. Fingerabdrücke in der Wohnung überführten ihn.

Richterin Elisabeth Ehrl führt den Prozess
Foto: Theo Klein/BILD
Vor Gericht gestand der 34-Jährige die Taten mit einer abenteuerlichen Begründung, die bei Prozessbeobachtern Kopfschütteln auslöste. Selbst Richterin Elisabeth Ehrl gab ihm einen Hinweis: „Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie maßlos übertreiben. Das kann nach hinten losgehen.“
Psychiaterin nimmt Täter in die Mangel
Der Personalberater einer internationalen Firma will in den Frauen „schwarze Gestalten“ gesehen haben. Er hatte angeblich Verfolgungswahn, ausgelöst durch seinen Alkohol- und Kokainkonsum. Florian M. spricht von einem „Schleier“, der sich über ihn gelegt habe. Als sei er blind. „Ich erkannte Umrisse und Lichter.“
Nachdem die 86-Jährige blutend und regungslos am Boden lag, soll er rational klar gewesen sein und wollte flüchten. Da kam die Nachbarin und er sah angeblich wieder nur eine „schwarze Gestalt“. Danach haute er über den Müllraum ab. Die Frage der Psychiaterin, warum er die alarmierten Polizisten nicht als „schwarze Gestalten“ gesehen habe, konnte er nicht beantworten.
Alkohol-Exzess mit Arbeitskollegen?
Stunden vor der Tat traf er sich mit rund zehn Arbeitskollegen im In-Lokal „Brezenreiter“ am Viktualienmarkt. Angeblich gab es „fünf bis sechs Aperol-Tower“ mit jeweils 3 Litern Inhalt. Es folgte eine wilde Partynacht bei einem Italiener und in einer Tanzbar. Wein, Tequila-Shots, Wodka-Soda und Whisky – angeblich Alkohol im Überfluss.
Ist es der Versuch, auf verminderte Schuldfähigkeit zu plädieren? Richterin Ehrl skeptisch: „Vom Hören kommt es mir wahnsinnig viel vor. Um das zu klären, brauchen wir die Rechtsmedizin. Nicht, dass Sie auf sieben Promille kommen und eigentlich schon tot sein müssten. Mit Aperol Spritz kenne ich mich nicht aus.“ Eine Haarprobe soll außerdem gegen einen übermäßigen Kokainkonsum sprechen.