Mehr als 7.000 Kilometer liegen vor Stefan Bielack: Der ehemalige Leiter der Kinderonkologie am Klinikum Stuttgart ist am Montag losgeradelt, um Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Wegen der Folgen eines Schlaganfalls ist er auf einem Dreirad unterwegs. Als Rentner habe er jetzt viel Zeit, erzählt er: „Ich muss irgendwie immer in Aktion sein.“

Kurz vor seiner offiziellen Verabschiedung in den Ruhestand hat Stefan Bielack am Freitag noch einmal im Stations-Spielzimmer vorbei geschaut. „Der sieht aber groß und gefährlich aus“, sagte er und zeigte auf den gemalten Dino eines Jungen. Das Schicksal der kleinen Patienten bewegt ihn noch immer. Als Chefarzt hat er jahrelang um die Gesundheit von krebskranken Kindern gekämpft, dann hat ihn selbst ein Schicksalsschlag getroffen.

Nach Schlaganfall: Kinder als Vorbild für Genesung

Vor rund vier Jahren erlitt er mit 59 Jahren einen Schlaganfall. „Das war seltsamerweise gar nicht so ein Schock, weil ich mich nicht in der Welt zurechtfinden konnte, also gar nicht begreifen konnte, was ich eigentlich verloren hatte.“ Denn im ersten Moment war Stefan Bielack völlig eingeschränkt: „Ich hatte kein vernünftiges Erinnerungsvermögen und war rechtsseitig komplett gelähmt.“

Mein Selbstmitleid-Zentrum ist bei dem Schlaganfall mit flöten gegangen. Das hat mich alles seltsam kalt gelassen.

Zunächst konzentrierte sich Stefan Bielack nach dem Schlaganfall auf sich selbst. „Als ich dann gesehen habe, wie es besser werden kann, habe ich mir die Kinder, die ich früher betreut habe, als Vorbilder genommen“, erinnert er sich. „Sie haben mir gezeigt, dass man auch mit körperlichen und geistigen Einschränkungen noch ein sehr erfülltes Leben haben kann.“

Stefan Bielack auf dem Dreirad

Stefan Bielack auf seinem Dreirad, in das zwei Akkus eingebaut sind.

Deutscher Krebspreis für Stefan Bielack

Als Leiter der Stuttgarter Kinderonkologie hat er jahrelang mit todkranken Kindern und Jugendlichen gearbeitet. „Man kann dazu beitragen, dass es ihnen besser geht, dass sie ihre Erkrankung überstehen“, erklärt er. „Wenn man diese Kinder dann später wiedersieht, wie sie gewachsen sind, wie sie vielleicht selbst Kinder haben: Ein besseres Gefühl gibt’s eigentlich nicht.“

Für seine Arbeit erhielt Stefan Bielack 2016 den Deutschen Krebspreis. „Ich glaube, jeder Kinderonkologe auf der Welt kennt ihn. Er war fachlich herausragend, hat hundertfach publiziert – bis an den letzten Arbeitstag ran“, erzählt Claudia Bettmann, Bielacks Nachfolgerin am Klinikum Stuttgart. „Er konnte es nicht lassen, auch nach seiner Krankheit.“

Mit dem Dreirad durch Finnland, Schweden und Dänemark

Besonders in Erinnerung bleiben für Pflegerin Stefanie Aichele „die ruhige Art und die Sicherheit, die er ausgestrahlt hat, und die sich auf uns und auf die Kinder übertragen hat“. In seiner bescheidenen Art gibt Stefan Bielack zu: „Mein Vorteil ist: Je aufgeregter ich innerlich bin, desto ruhiger wirke ich äußerlich.“ Für ihn habe das Team immer im Vordergrund gestanden: „Am Ende kommt es darauf an, dass es viele Leute gibt, die am gleichen Ziel arbeiten, dass die Kinder wieder gesund werden.“

Mein Herz hat hier gehangen, an dem ganzen Team und vor allem an den kranken Kindern.

Nach seinem Schlaganfall hat sich der ehemalige Ausdauersportler durch Bewegung und Disziplin wieder in die Normalität zurückgekämpft. Dabei hat er das Dreirad für sich entdeckt. Bis September will er von seiner Reise wieder zurück sein. Bis dahin umrundet er die Ostsee, will durch Finnland, Schweden und Dänemark fahren.

Radeln für krebskranke Kinder: 5.000 Euro als Ziel

Auf seiner Reise sammelt er per Online-Aktion Spenden für den Förderkreis krebskranke Kinder e.V. Stuttgart. Sein Ziel: Mindestens 5.000 Euro zusammenbekommen. „Das alles mache ich für mich, um das zu erleben und wenn ich dabei Spenden für die Kinder sammeln kann, dann ist das wunderbar.“