Passanten dürften am vergangenen Wochenende nicht schlecht gestaunt haben, als sie in der Gegend des Elberfelder Rathauses unterwegs waren: Hier – zwischen Willy-Brandt-Platz und Neumarkt – lief nämlich ein Biber durch die Fußgängerzone.

Auch in die Soziale Medien schaffte es der Biber-Ausflug via Instagram-Kurzvideo des Users @marleywpt: Zu sehen ist das Tier, wie es sich umherbewegt, anschließend mit einem Netz eingefangen und an der Ohligsmühle wieder am Wupperufer freigelassen wurde, wo er sofort wieder im Fluss abtaucht. „Das ist aus Expertensicht sehr erstaunlich, denn eigentlich entfernen sich Biber nie weiter als 20 bis 30 Meter vom Wasser“, ordnet Elmar Weber, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, ein. Der Biber in Elberfeld befand sich aber circa 500 Meter vom nächsten Wupperufer entfernt. Wenn dieser nun, wie Weber beschreibt, sich nie weiter als 20 bis 30 Meter von Wasser entfernt – wo ist er dann entlanggekommen? „Er muss aus dem Untergrund gekommen sein“, schlussfolgert Weber im WZ-Gespräch. „Genau dort verläuft unterirdisch der verrohrte Mirker Bach, und an der Neumarktstraße finden zurzeit Kanalbauarbeiten statt“, sagt er. „Höchstwahrscheinlich ist das Tier oberhalb von ‚Bobby Biber‘ (dem Störstein in der Wupper am Islandufer, Anm. d. Red.) in den Einlauf des Mirker Bachs gekrochen und von dort aus unter der Erde auf der Suche nach einem neuen Revier den Wall entlanggelaufen. An der nächstbesten offenen Stelle ist er dann wieder herausgeklettert, und das war die Baugrube zwischen altem Kaufhof und Rathaus.“

Da sich Biber seit einigen Jahren im Stadtgebiet gut vermehren, ist es laut Weber denkbar, dass „schon bald alle erreichbaren Bäche von der Wupper aus von jungen Biberfamilien besiedelt werden“. Denn: Biber, die etwa mit drei Jahren von den Eltern vertrieben werden, müssten sich dann neue Reviere suchen, so Weber. „Sie werden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Bäche gehen. Ich glaube, dass den Wuppertalern da noch einiges bevorsteht.“

Einschätzungen, die aber keinesfalls als negativ einzustufen seien oder verhindert werden müssten, wie Weber betont. Er spricht von einer „erfreulichen Entwicklung“, von Bibern als „Bekämpfer der Klimafolgen“, da diese durch das Bauen ihrer Staudämme den Wasserfluss verlangsamen würden. Zugleich entstünden wichtige Biotope. „Der Biber ist ein toller Landschaftsarchitekt“, sagt Weber. Natürlich könnten Biber auch Probleme erzeugen, etwa dann, wenn sie Bäume abknabbern oder ihre Staudämme für Überschwemmungen sorgen. Doch die Vorteile, die die Biber-Aktivitäten mit sich bringen, würden die Nachteile klar überwiegen, so der Experte.

Wer selbst einen Biber in der Innenstadt sieht, der kann sich bei der Feuerwehr oder dem Ordnungsamt melden und dort darum bitten, dass Tierexpertinnen und -experten dazugezogen werden, damit die Tiere bestmöglich behandelt werden.