Stand: 21.04.2026 17:38 Uhr

Schleswig-Holsteins Landesregierung, die Deutsche Bahn und Pendler trafen sich am Dienstag beim Marschbahn-Dialog auf Sylt. In einem Fünf-Punkte-Plan haben sie sich nun auf Maßnahmen zur Verbesserung der Marschbahn geeinigt.

Die Züge der Marschbahn von und nach Sylt sollen zukünftig verlässlicher rollen. Dazu haben sich die Deutsche Bahn und das Land Schleswig-Holstein beim sogenannten „Marschbahn-Dialog“ am Dienstag in Westerland auf Sylt (Kreis Nordfriesland) auf einen Fünf-Punkte-Plan geeinigt. Dadurch soll laut Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Deutsche-Bahn-Chefin Evelyn Palla auch kurzfristig die Pünktlichkeit der Marschbahn verbessert werden.

15-Minuten Puffer am Bahnhof Niebüll geplant

Dabei soll vor allem ein zusätzlicher 15-Minuten-Puffer für den Regionalexpress zwischen Niebüll und Westerland sorgen. Verspätete Züge holen so laut Bahn bis zu einer Viertelstunde auf und fahren dadurch auf den nachfolgenden eingleisigen Abschnitten im Takt. So sollen die Züge bis zu 25 Prozent verlässlicher fahren. Zusätzlich soll ab dem Fahrplanwechsel ein Extra-Zug zwischen Westerland und Niebüll pendeln, um Ausfälle oder weitere Verspätungen abzufangen. Die Zusatzkosten von 3,6 Millionen Euro pro Jahr wollen sich Land und Bahn teilen.

Außerdem verständigte sich die Deutsche Bahn mit Landesregierung auf verbesserte Konzepte, um Störungen vorzubeugen und Probleme schneller abzuarbeiten.

Pendlerinitiative will Auswirkungen beobachten

Achim Bonnichsen, Sprecher der Pendlerinitiative Sylt, zeigt sich zufrieden mit der Maßnahme, kündigte jedoch an, die Auswirkungen des neuen Modells genau zu beobachten. Eine langfristige Lösung sieht er nur im zweigleisigen Ausbau zwischen Niebüll und Klanxbüll sowie zwischen Morsum und Westerland.

Zweigleisiger Ausbau soll Anfang der 2030er-Jahre beginnen

Der Ausbau sowie die Elektrifizierung der Strecke bleiben ein mittelfristiges Ziel. Demnach will der Bund die Weichen dafür stellen, dass der zweigleisige Ausbau der teils maroden Strecke bereits Anfang der 2030er-Jahre beginnen kann. In einem Gutachten des Bundesverkehrsministeriums vom August 2025 war bisher die Rede davon, dass die Projekte erst im Jahr 2045 oder noch später realisiert werden würden.

Der geplante zweigleisige Ausbau der Strecke ist vor allem für Pendler, die vom Festland auf die Insel fahren, wichtig. Ob der Bund den mit 426 Millionen Euro veranschlagten Ausbau finanziert, soll nach der Sommerpause entschieden werden.

Bund sagt Unterstützung zu

Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sagte die Unterstützung des Bundes für den Ausbau zu, sofern das Land Schleswig-Holstein weiterhin die Planungskosten vorfinanziere. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) begrüßte den neuen Plan. Besonders der beschlossene zusätzliche Zeitpuffer für den RE 6 durch einen Trassentausch sei laut Madsen ein enorm wichtiger Schritt.

Verkehrsminister Madsen mit Delegation, die nach Sylt reisen.

Am Montag vor dem Dialog ist Minister Madsen zusammen mit einer Delegation aus DB-Vertretern und Politikern auf die Insel gereist.

Laut DB-Chefin Palla wolle die Bahn weiter konsequent in Infrastruktur, moderne Stellwerkstechnik und eine stabilere Betriebsführung investieren. Hintergrund waren laut Verkehrsminister Madsen die Pünktlichkeitswerte auf der Marschbahn, die an einigen Tagen im Winter lediglich 50 bis 60 Prozent aufwiesen. Die durchschnittliche Pünktlichkeit lag demnach 2025 bei 80,3 Prozent.

Für Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) müssen die Verbesserungen nun „im Alltag unmittelbar spürbar werden“. „Die mehr als 400.000 Menschen an der Westküste brauchen endlich eine Marschbahn, auf die sie sich verlassen können“, sagte Günther.

Zuverlässigkeit der Marschbahn ist essenziell

Die Zukunft der Marschbahn sei entscheidend für Pendlerinnen und Pendler, Unternehmen und den Tourismus auf Sylt, sagte Madsen. Allein unter der Woche pendeln täglich mehrere tausend Menschen auf die Insel. Die ständigen Probleme und Verspätungen der Züge belasten viele von ihnen. Für Sylter Betriebe werde es immer schwieriger, Personal zu gewinnen.

Rund 60 Teilnehmer von Politiker, Pendler und Bahn bei Treffen

Bahnchefin Evelyn Palla spricht zum Start des Modellprojekts SMILE24.

Auch Bahnchefin Evelyn Palla war in Sylt beim Treffen zum Ausbau der Marschbahn mit vor Ort.

Günther und Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) wollten beim Marschbahn-Dialog den Handlungsbedarf auf der Marschbahn-Strecke zwischen Hamburg und Sylt auch auf Bundesebene deutlich machen. Deshalb war nicht nur die neue DB-Chefin dabei, sondern auch Bundesverkehrs-Staatssekretär Stefan Schnorr und InfraGo-Vorstand Philipp Nagl. Außerdem nahmen Mitglieder der Sylter Pendlerinitiative, die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete an dem Treffen in Schleswig-Holstein teil.

Eingeladen zu dem rund zweieinhalbstündigen Treffen mit rund 60 Teilnehmern hatten das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Bahn, teilte ein Sprecher des Verkehrsministeriums mit.

Sylter Wirtschaft laut IHK durch schlechte Zugverbindung beeinträchtigt

Im Rahmen des Treffens hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Flensburg eine Blitzumfrage unter 150 Sylter Unternehmerinnen und Unternehmern durchgeführt. Das Ergebnis: 72 Prozent der befragten Betriebe beklagen laut IHK hohe oder sehr hohe wirtschaftliche Beeinträchtigung durch Verspätungen, Zugausfälle und strukturelle Mängel der Marschbahn. Besonders schwierig sei es für Unternehmen, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. 88 Prozent der Unternehmen geben hier an, stark betroffen zu sein.

Die Marschbahn.

Der Bundestag könnte sich noch vor der Sommerpause für den Ausbau der Bahnstrecke nach Sylt aussprechen.

Zeitplan liegt in der Hand des Bundestages

Ende März hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Planungsunterlagen für den Ausbau an den Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags übergeben. Der weitere Zeitplan liegt nun in der Hand des Bundestages. Der Verkehrsausschuss könnte sich noch vor der Sommerpause für den Ausbau der Strecke aussprechen.

Nahansicht einer Brillenblattnasen-Fledermaus

Bevor die Strecke zwischen Itzehoe und Westerland elektrifiziert wird, müssen Experten auf die Suche nach Fledermäusen gehen. Das Land lässt sich das Millionen kosten.

Die Marschbahn steht in einem Bahnhof

Davon geht das Bundesverkehrsministerium aus. Grund sind nach eigenen Angaben zu erwartende Baukostensteigerungen.

Regionalexpress RE6 zwischen auf der Strecke zwischen den Endbahnhöfen Westerland und Hamburg-Altona.

Ein Gutachten des Bundesverkehrsministeriums sieht den zweigleisigen Ausbau weder bis 2035 noch bis 2040.