Als 1990 aus zwei deutschen Staaten einer wird, beginnt ein reger Austausch zwischen Ost und West. „Nach der deutschen Wiedervereinigung sind die rechten Gruppen die, die sich am schnellsten vereinigen“, sagt Dowe. Das veranschaulicht ein Hetz-Aufkleber aus den 1990ern: „Keine Macht den Zecken“ steht auf dem Sticker, der einen mit wutverzerrter Fratze und Keule gezeichneten Punk zeigt. Unten steht groß das Logo und der Schriftzug der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN), der Jugendorganisation der NPD (heute: Die Heimat) mit Adresse im sächsischen Riesa. Doch das kleingedruckte V.i.S.d.P. am Rand weist in die Rötestraße nach Stuttgart, zu einem Tobias Bär, der zeitweilig JN-Pressesprecher war.

Dass rechte Gewalt auch in Form pogromartiger Ausschreitungen gegenüber Geflüchteten und anderen Migrant:innen nicht nur ein ostdeutsches Thema war, zeigt der Verweis auf Mannheim-Schönau im Mai 1992: Hier griff ein rassistischer Mob von mehreren hundert Personen eine Geflüchtetenunterkunft mit Flaschen, Steinen und Böllern an.

Historisch neu waren ab den frühen 1990ern – im Westen wie im Osten – die Reaktionen aus der Bevölkerung auf rechte Gewalt: Ob Demonstrationen, Lichterketten, Mahnwachen oder Konzerte gegen rechts. Auch solche zivilgesellschaftlichen Mobilisierungen dokumentiert die Ausstellung, lädt außerdem an mehreren interaktiven Stationen ein, selber Haltung zu zeigen. Beispielsweise das „Gewaltbarometer“, an dem Besucher:innen markieren können, wo für sie selbst Gewalt beginnt.

Der NSU und die Ermittlungs-Irrwege

Einen großen Teil der Ausstellung nimmt die Terrorgruppe NSU (Nationalistischer Untergrund) ein, auch wenn ihre drei Mitglieder nicht aus dem Südwesten kam. Doch eines ihrer Opfer, die Polizistin Michèle Kieswetter, wurde am 25. April 2007 am Rand der Heilbronner Theresienwiese ermordet. Die Ideologie der Gruppe veranschaulicht ein makabres Exponat: ein an „Monopoly“ angelehntes, ziemlich widerliches neonazistisches Brettspiel, das das NSU-Trio „Pogromly“ genannt hat.