Wegen der Verbreitung von Büchern mit LGBT-Bezug ist der Leiter des größten russischen Verlagshauses Eksmo am Dienstag nach Unternehmensangaben vernommen worden. Generaldirektor Jewgeni Kapijew und weitere Beschäftigte wie etwa der Vertriebsleiter seien vom russischen Ermittlungskomitee vorgeladen worden, sagte eine Sprecherin des Verlags der Nachrichtenagentur AFP. Das Ermittlungskomitee ist in Russland für die Verfolgung besonders schwerwiegender Straftaten zuständig.

Die Vernehmungen seien „im Rahmen eines Strafverfahrens wegen Extremismus im Zusammenhang mit der Verbreitung von Büchern des Verlags Popcorn“ erfolgt, sagte die Eksmo-Sprecherin weiter. Popcorn ist eine Untermarke von Eksmo und hat in der Vergangenheit Bücher für junge Erwachsene zu den Themen Geschlechtsidentität, psychische Gesundheit und Rassismus veröffentlicht. Eksmo wurde 1991 gegründet und veröffentlicht verschiedenste Bücher für Erwachsene und Kinder. Die englische Abkürzung LGBT steht für lesbisch, schwul, bisexuell und transgender.

Eksmo wies Berichte staatlicher Medien zurück, in denen es unter Berufung auf nicht genannte Behördenvertreter hieß, Verlagsräume seien durchsucht worden. AFP-Reporter sahen am Dienstag am Unternehmenssitz keine Anzeichen für eine Durchsuchung. Bereits im Mai vergangenen Jahres waren mehrere Verlagsbeschäftigte wegen des Vorwurfs der Verbreitung von „LGBT-Propaganda“ festgenommen worden; laut Medienberichten handelte es sich um Beschäftigte von Popcorn.

Vor einer EU-Abstimmung über ein 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für seine Unterstützung gedankt. Im Onlinedienst X erklärte Selenskyj am Dienstagabend, in einem Gespräch mit Merz habe er dessen „so starke Unterstützung der Ukraine“ gelobt. Sie hätten Themen der bilateralen und multilateralen Beziehungen gesprochen sowie über „die Schritte, die notwendig sind, um den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union voranzutreiben“.

Thema des Gesprächs waren laut Selenskyj auch „Treffen und Verhandlungen diese Woche“. „Danke, Friedrich, für die Unterstützung und die Bereitschaft, bei allem zu helfen!“, schloss der ukrainische Präsident seine Erklärung.

Am Donnerstag und Freitag kommen die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Gipfel in Zypern zusammen. Für Mittwoch hat die zyprische EU-Ratspräsidentschaft eine Abstimmung der EU-Länder über den 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine auf die Agenda gesetzt. Um die für die Auszahlung notwendige Anpassung des EU-Haushalts zu beschließen, müssen alle 27 Mitgliedstaaten zustimmen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte am Dienstag nach einem Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg, sie erwarte eine positive Entscheidung.

Die Ukraine hat in Gesprächen über ein mögliches Kriegsende laut einem Bericht der „New York Times“ vorgeschlagen, einen umkämpften Teil des Donbass „Donnyland“ zu nennen. Mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen berichten, der Begriff sei in den vergangenen Monaten intern verwendet worden. Offiziell festgehalten wurde er demnach bislang nicht.