Den Fußballspielern des Gehörlosen Sportvereins Düsseldorf (GSV) steht ein echter Kraftakt ins Haus. „Wir fliegen am Freitag, 26. April, nach Izmir in die Türkei. Von da geht es noch etwa 40 Kilometer weiter nordöstlich nach Manisa“, erläutert der GSV-Fußball-Abteilungsleiter Thomas Krafft. „In Manisa spielen wir in der Gehörlosen Champions League um die europäische Fußball-Krone.“

Die GSV-Kicker bilden eines von zwölf Teams aus der Türkei, Griechenland, England, Frankreich und Deutschland, das sich zwischen dem 27. April und 2. Mai um den wichtigsten Titel im Gehörlosen-Fußball auf dem alten Kontinent bewirbt.

Ein Kraftakt ist es, weil sich viele Teilnehmer der Düsseldorfer Reisegruppe einige Urlaubstage von ihrem Arbeitgeber genehmigen lassen mussten. Zudem gehört GSV nicht zu den wohlhabenden Vereinen und Spieler und Betreuer müssen so die Kosten selber stemmen. „Direkt vom Verein werden keine Kosten übernommen. Wir bekommen auch keine Förderungen oder Zuschüsse“, bedauert Krafft. „Die Ausgaben tragen wir größtenteils selbst, teilweise werden Spieler durch wenige Klein-Sponsoren unterstützt.“

Und doch ziehen alle mit, sodass insgesamt 23 GSV-Angehörige ins Flugzeug Richtung Türkei steigen. „Die Teilnahme an der Deaf Champions League ist für den GSV von großer Bedeutung. Sie bietet uns die seltene Chance, uns auf internationalem Niveau mit den besten gehörlosen Teams Europas zu messen und sportlich weiterzuentwickeln. Für den Gehörlosensport in Düsseldorf bedeutet eine Teilnahme vor allem mehr Sichtbarkeit und Anerkennung“, sagt Krafft. „Wir zeigen, dass auch gehörlose Sportler auf hohem Niveau leistungsfähig sind und internationale Wettbewerbe verdienen.“ Gleichzeitig seien sie ein wichtiges Vorbild für junge gehörlose Menschen und motivierten sie, aktiv Sport zu treiben und an ihre Ziele zu glauben. „Kurz gesagt: Die Teilnahme stärkt nicht nur unser Team, sondern den gesamten Gehörlosensport in Düsseldorf und darüber hinaus.“

Für die Deaf Champions League (DCL) qualifizieren sich die Mannschaften über ihre nationalen Meisterschaften. Die besten drei Teams der jeweiligen nationalen Ligen oder Meisterschaften sind für die DCL des Folgejahres qualifiziert. Also hat sich der GSV als amtierender Deutscher Vize-Meister die Teilnahmeberechtigung für die Tage in Manisa erspielt. Allerdings ist die Vize-Meisterschaft nicht der größte Erfolg der Düsseldorfer Kicker, haben sie sich doch bereits sechsmal den nationalen Titel gesichert.

Einmal in der Türkei angekommen, warten auf das GSV-Team weitere Kraftakte auf dem Spielfeld, wurde der GSV doch zusammen mit St. John’s D.F.C. (England), PAOK Morias Tripoli (Griechenland) und I. Sessizler (Türkei) in Gruppe B gelost. „Unsere Chancen aufs Weiterkommen sind schwer einzuschätzen, da wir gegen die Teams noch nie gespielt haben“, meint der GSV-Fußball-Abteilungsleiter. „Sowohl Sessizler, St. John‘s als auch PAOKM sind sehr starke Gegner, das wissen wir. Wir gehen jedenfalls voll motiviert in jedes Spiel und geben immer unser Bestes.“

Das wird auch nötig sein, denn die Engländer und die Griechen gehören zu den etablierten, erfolgreichen Gehörlosen-Fußballteams Europas. Bei der letzten Austragung der Champions League erreichte St. Johns das Halbfinale, PAOKM wurde Fünfter. Und St. John’s verfügt über herausragende Einzelspieler. So wurde Sam Edwards als bester Torhüter der Champions League-Saison 2025 ausgezeichnet und Stürmer Abdou Jobe gehörte mit vier Toren zu den treffsichersten Torschützen der Endrunde.

Um gegenhalten zu können, absolvierten die GSV-Fußballer eine besondere Vorbereitung. „Wir haben aktuell Schwierigkeiten mit dem Sportplatz und können deshalb leider nur einmal pro Woche trainieren. Aber wir bestreiten viele Testspiele, um uns bestmöglich vorzubereiten“, erklärt Krafft. „Wir haben uns als Team weiter entwickelt.“

Und doch haben die Düsseldorfer einen großen Nachteil. Es fehlt ihnen an internationaler Erfahrung. Sie waren zuletzt bei den Champions League-Turnieren 2009 in Stuttgart und 2010 in Madrid am Start. „Wir hatten uns auch für die Champions League 2025 im französischen Reims qualifiziert und auch gemeldet, aber wir mussten unsere Teilnahme leider aus finanziellen Gründen absagen“, bedauert Krafft. Auch in diesem Jahr hängt die Finanzierung noch am seidenen Faden, aber der Wille in der DCL etwas zu erreichen ist bei jedem einzelnen GSV-Fußballer spürbar.