„Erst vor Kurzem hat ein Jagdfreund durch Zufall einen verendeten Rehbock an der Ibacher Mühle entdeckt“, sagt der Pächter des Jagdreviers Dönberg 4. „Leider hat sich der Fahrzeugführer aus dem Staub gemacht, ohne seiner Meldepflicht nachzukommen.“
Das passiere leider immer mal wieder und sei auch deshalb bedauerlich, weil die Wildtiere durch ein solches Verhalten gegebenenfalls unnötig leiden müssten. „Auch wenn ein Tier flüchtet, muss die Polizei gerufen werden, damit ein Jäger das verletzte Tier suchen kann“, betont Kostka. Wird ein solcher Unfall nicht gemeldet, kann das als Ordnungswidrigkeit gewertet und mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro geahndet werden.
Die entsprechende Meldepflicht bestätigt auch der Ressortmanager der Unteren Jagd- und Fischereibehörde bei der Stadt, Andre Geier. Das Landesjagdgesetz NRW regele das Verfahren eindeutig, erklärt er auf WZ-Anfrage. „Wer ein Fahrzeug führt und damit Schalenwild wie etwa Rehe oder Wildschweine verletzt oder tötet, ist verpflichtet, dies unverzüglich bei einer Polizeidienststelle anzuzeigen.“
Die Polizei informiert daraufhin die von der Stadt benannten Jagdausübungsberechtigten, damit verletztes Wild zeitnah erlöst oder verendete Tiere geborgen werden können. Die Unfallstelle sollte abgesichert, verletzte Tiere nicht berührt werden. Wichtig zu wissen ist außerdem: „Die eigenmächtige Mitnahme von Tieren erfüllt den Tatbestand der Wilderei“, sagt Geier.
Wildunfallbescheinigung
nur beim direkten Melden
Und Jagdpächter Kostka verweist noch auf einen anderen Faktor. Wird der Unfall erst einen Tag nach dem Crash gemeldet, stellen Polizei oder Jagdausübungsberechtigter in der Regel keine Wildunfallbescheinigung mehr aus. Dann kann es Probleme mit der Kfz-Versicherung geben.
Im Jagdjahr 2024/25 gab es im Bereich der Unteren Jagdbehörde Wuppertal rund 160 Wildunfälle. An der Spitze lag laut der Statistik das Rehwild mit 74 Unfällen, in 37 Fällen waren Füchse beteiligt, 13-mal Waschbären betroffen. Wildschweine waren in fünf Crashs verwickelt. Im Bereich Niederwild wurden unter anderem Feldhasen (12), Dachse (8), Steinmarder (8) oder Stockenten (1) von Fahrzeugen erfasst.
Eine konkrete Entwicklung bei den Zahlen lasse sich beim Blick auf die vergangenen Jahre nicht ausmachen, betont der städtische Ressortmanager. Die Verluste beim Rehwild hätten „im Zeitraum 2012 bis 2015 teilweise im dreistelligen Bereich“ gelegen, sagt er. Danach seien sie wieder gesunken. „Beim Schwarzwild hingegen schwanken die Werte über die Jahre lediglich zwischen fünf und 15 Tieren.“
Das Risiko, ein Wildtier anzufahren, sei während der Dämmerungsphasen – statistisch gesehen – am höchsten. Eine Besonderheit stelle beim Rehwild zudem die „Blattzeit“ dar, die zwischen Mitte Juli und Mitte August ansteht. In dieser Paarungszeit queren die Tiere oft auch am helllichten Tag unvorsichtig die Fahrbahn, erklärt Geier.