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Berlin – Hier brennt nicht nur die Straße – hier bröckelt die Wache! Der neue Regionalabschnitt 52/53 an der Friedrichstraße in Berlin-Kreuzberg gilt als einer der am stärksten belasteten Polizeiabschnitte der Hauptstadt. Zuständig für den Görlitzer Park und das Kottbusser Tor. Zwei gefährliche Brennpunkte. Doch ausgerechnet dort kämpfen die Beamten nicht nur gegen Dealer, Schläger und Räuber auf der Straße – sondern auch gegen Dreck, Ratten und Chaos im eigenen Haus.

Es ist eine Mängelliste des Grauens: Motten flattern durch die Spinde. Tote Ratten liegen auf dem Boden. Monitore stehen auf Fensterbänken, weil die alten Räume zu eng sind. Die Kollegen sitzen „faktisch übereinander“, wie es in einer internen Mail des Personalrates heißt. Im Pausenraum wurden lediglich kaputte Ramsch-Möbel zusammengeschoben.

Wer sich als Polizist auf dem Abschnitt umziehen will, sollte seine Uniform und Zivilkleidung auf Motten prüfen

Wer sich als Polizist auf dem Abschnitt umziehen will, sollte seine Uniform und Zivilkleidung auf Motten prüfen

Foto: Personalrat der Polizeidirektion 5 (City)

Gefährliche Mängel in der Polizeiwache

Bei Bauarbeiten wurden gefährliche Schadstoffe freigelegt. Auf eine zertifizierte, sicherheitsrelevante Scheibe wartet man seit neun Monaten. Wachräume bleiben deshalb unbenutzbar. Parkplätze für Funkwagen fehlen. Ein behindertengerechter Zugang wurde nicht geplant.

Auch der Abschnitt 55 an der Rollbergstraße (Neukölln) kämpft mit maroden Gebäuden und alter Technik

Auch der Abschnitt 55 an der Rollbergstraße (Neukölln) kämpft mit maroden Gebäuden und alter Technik

Foto: Privat

Heraushängende Stromkabel sind mit Paketklebeband fixiert. Ein wichtiger Fluchtweg wurde versehentlich komplett zugemauert. Und weil für Fachfirmen kein Geld da ist, sollen die hochbelasteten Polizisten jetzt selbst zum Farbroller greifen.

Personalrat und GdP erheben schwere Vorwürfe

Dem Personalrat der Direktion 5 (City) platzte jetzt der Kragen. Zusammen mit der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kämpft er für die Kollegen in einer „baufälligen Ruine“. Berlins GdP-Landesvize Thorsten Schleheider sagt: „Wir reden über den wohl am stärksten belasteten Polizeiabschnitt unseres Landes. Aber die Raketenwissenschaftler-Idee besteht darin, dass unsere Kollegen dann auch noch selbst malern sollen, um Geld und Zeit zu sparen.“

Polizeivollzugsbeamte seien keine günstige Alternative zu Malermeistern. „Losgelöst davon reden wir über Zustände, bei denen andere Gebäude wegen Gesundheitsgefahren dichtgemacht werden müssen.“

Staatssekretär Christian Hochgrebe sorgt für Empörung

„Wenn Motten aus dem Schrank flattern und tote Ratten auf dem Boden liegen, ein Stromschlag praktisch eine Frage der Zeit ist, kann das keiner einfach so wegatmen“, sagt Schleheider.

Ungefährlich sehen diese Löcher und Kabel in der Wand nicht aus – die Polizisten haben sie ironischerweise mit einem „Kotti D‘azur“-Poster verschönert

Ungefährlich sehen diese Löcher und Kabel in der Wand nicht aus – die Polizisten haben sie ironischerweise mit einem „Kotti D‘azur“-Poster verschönert

Foto: Personalrat der Polizeidirektion 5 (City)

Der Personalrat lege den Finger in die Wunde und habe die volle Unterstützung. „Es ist ein trauriges weiteres Beispiel für die Folgen eines 2,5 Milliarden-Euro-Sanierungsstaus bei den Bruchbuden, die wir als Hauptstadtpolizei-Dienststelle nennen müssen“, so Schleheider.

Laut Personalrat trägt vor allem die Direktionsleitung die Verantwortung für die Zustände. Ihr wird vorgeworfen, gezielt Mitbestimmungsrechte zu unterlassen, um die Strukturreform durchzudrücken. Aber auch die Berliner Immobilienmanagement GmbH komme mit den Arbeiten nicht voran.

Der Regionalabschnitt der Polizei in der Friedrichstraße. Laut Personalrat eine „baufällige Ruine“

Der Regionalabschnitt der Polizei in der Friedrichstraße. Laut Personalrat eine „baufällige Ruine“

Foto: Ralf Lutter

Für Kopfschütteln sorgte zudem ein Besuch des zuständigen Staatssekretärs. „Dass Christian Hochgrebe diese Zustände (…) bei einer Besichtigung als ‚nicht so schlimm‘ abtat, ist ein Schlag ins Gesicht jeder Einsatzkraft“, heißt es in der internen Mail weiter.

Und was sagt die Behörde?

Pressesprecher Florian Nath: „Die Kritik am Bauzustand wird von uns ernst genommen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass sich die Dienststelle nach rund 15 Jahren Wartezeit buchstäblich auf den letzten Metern des entscheidenden Teilabschnitts einer umfassenden Sanierungs- und Umbauphase befindet.“

Ein Blick in die Männerumkleide auf dem Abschnitt 55 in Neukölln. In Eimern wird dort Wasser aufgefangen

Ein Blick in die Männerumkleide auf dem Abschnitt 55 in Neukölln. In Eimern wird dort Wasser aufgefangen

Foto: Privat

In dieser Übergangszeit sei es nicht ungewöhnlich, dass sich die „immer noch unansehnlichen oder provisorischen Zustände besonders deutlich“ zeigen.

Sein Vorwurf: „Auch vor diesem Hintergrund bedauern wir, dass kurz vor Abschluss der Maßnahmen lang bekannte bauliche Defizite erneut als aktuelle Entwicklung hervorgehoben und skandalisiert werden“, so der Polizeisprecher.