Sichtlich angespannt stehen Jannis K. und Luka P. (Namen geändert) am Mittwoch neben ihren Verteidigern und erwarten die Verkündung des Urteils. Wenig später steht fest: Die beiden ehemaligen Nachwuchsspieler des 1. FC Köln müssen ins Gefängnis. Eine Jugendkammer des Kölner Landgerichts verurteilt die beiden 22-Jährigen für ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen mit Todesfolge nach Jugendstrafrecht zu viereinhalb beziehungsweise fünf Jahren Haft. Die Kammer geht damit deutlich über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus.
Richter kritisiert fehlende Einsicht der Angeklagten
„Das sind hohe Strafen, das ist uns durchaus bewusst“, sagt der Vorsitzende Richter Tilman Müller. Die Haftdauer würde nahezu ein Viertel des bisherigen Lebens der beiden Männer ausmachen. „Das ist viel für einen jungen Menschen“, sagt Müller. „Aber es kann nicht sein, dass Ihr Leben jetzt einfach so weitergeht. Anders als Ihre Opfer haben Sie noch eine Perspektive.“
Die Kammer ist davon überzeugt, dass die beiden sich am Abend des 1. Dezember 2023 ein illegales Rennen geliefert haben, bei dem zwei unbeteiligte Frauen starben. „Wir haben keine Zweifel daran, dass Sie ein Rennen gefahren sind“, sagt Müller. „Es ging darum, zu schauen, wer der Schnellste ist, auch wenn es keinen Startpunkt und keine Zielfahne gab.“ Die Kammer erkannte zwar an, dass vor allem Jannis K. Reue gezeigt hatte. „Aber ein Geständnis war das nicht“, betont Müller. Er kritisiert, dass die Angeklagten immer wieder von einem „Unfall“ gesprochen hatten. „Das war kein tragischer Unfall, zwei Menschen sind einem Verbrechen zum Opfer gefallen – man muss es benennen und ein klares Zeichen setzen.“ Die beiden Angeklagten hätten sicher nicht den Vorsatz gehabt, Menschen zu töten. Aber sie hätten es in Kauf genommen.
Zusammenstoß bei mehr als 200 km/h endet tödlich
Kurz vor der Ausfahrt Wesseling beschleunigten sie ihre Autos auf mehr als 200 Kilometer pro Stunde – die zulässige Höchstgeschwindigkeit lag bei Tempo 120. Auf dem rechten Fahrstreifen fuhr zu diesem Zeitpunkt mit etwa 100 Stundenkilometern ein VW Polo. Darin: eine 49-jährige Frau aus Lüdenscheid und Kostenpflichtiger Inhalt ihre 23 Jahre alte Tochter, Studentin in Bonn. Sie waren nach einem Konzertbesuch in Köln auf dem Heimweg.
In einem „Wettstreit darüber, wer das Fahrzeug zuerst überholt“, so das Gericht, wechselten die beiden jungen Männer nacheinander auf den Standstreifen, ihre Autos stießen um 23.20 Uhr seitlich gegeneinander. Beide verloren die Kontrolle, die Airbags sprangen auf. Der Audi prallte mit 205 Stundenkilometern ins Heck des Polos. Der Kleinwagen explodierte förmlich durch die Wucht des Aufpralls, drehte sich, schleuderte auf die linke Spur und ging in Flammen auf. Für Mutter und Tochter gab es keine Rettung. Sie starben noch am Unfallort. Tage vergingen, bis Rechtsmediziner ihre Identität zweifelsfrei klären konnten. In einer bewegenden Erklärung hatte der Vater der 23-Jährigen im Prozess geschildert, wie der Verlust von Tochter und Ex-Partnerin sein Leben verändert hat. Er sprach von der Zerstörung zweier Familien.
Ihr komplettes Leben drehte sich um Fußball
Richter Müller appelliert bei der Urteilsbegründung an das Verantwortungsbewusstsein der Angeklagten: „Wir haben die Hoffnung, dass Sie durch die Haftzeit etwas anders auf die Tat zurückschauen.“ Welches Leid sie an jenem Abend verursacht hätten, sei den beiden Männern bis heute nicht klar. Im Prozess war deutlich geworden, dass sich das komplette Leben der beiden um Fußball und schnelle Autos gedreht hatte. „Sie müssen jetzt über einen Plan B nachdenken“, sagt Müller. Die Kammer verhängte für beide eine Führerscheinsperre von zwei Jahren, die nach der Haft in Kraft tritt.
Die Staatsanwaltschaft hatte für Jannis K. zwei Jahre und acht Monate Haft gefordert, für Luka P. eine dreijährige Freiheitsstrafe. Sie hatten bis zuletzt bestritten, ein Rennen gefahren zu sein. Ihre Verteidiger hatten auf Freispruch beziehungsweise eine Bewährungsstrafe plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.