An einem Gleis finden Sanierungsarbeiten statt, daneben steht ein Baufahrzeug.

Stand: 22.04.2026 18:49 Uhr

Die Sanierung der Bahnstrecke Hamburg-Hannover verläuft anders als ursprünglich geplant. Die Vollsperrung ab dem 1. Mai ist vom Tisch. Stattdessen soll es jetzt ein stufenweises Vorgehen geben.

Das haben die Deutsche Bahn (DB) und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) am Mittwoch mitgeteilt. Demnach beginnt die DB InfraGO ab dem 1. Mai mit der sogenannten „Qualitätsoffensive“ entlang der etwa 163 Kilometer langen Strecke zwischen Hamburg und Hannover. Dort sollen nach Angaben der Bahn diverse Sanierungsarbeiten durchgeführt werden – jedoch in einem stufenweisen Konzept und nicht wie ursprünglich geplant mit einer zehnwöchigen Sperrung der gesamten Strecke. Eine Vollsperrung sei dennoch zwischen dem 14. Juni und dem 10. Juli erforderlich, so die Bahn.

Sperrung erfolgt in drei Stufen

Ein Überblick über die Teil- und Vollsperrungen auf der Bahnstrecke Hamburg-Hannover.

Die Sperrung erfolgt in drei Stufen, ab 14. Juni ist die Strecke Hamburg-Hannover voll gesperrt.

Grund für die stufenweise Sperrung ist nach Angaben der Bahn, dass sich die Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin witterungsbedingt verzögert hat. Deshalb mussten auch die Arbeiten zwischen Hamburg und Hannover angepasst werden. Die Wiederaufnahme des Bahnbetriebs zwischen Hamburg und Berlin ist derzeit für den 14. Juni vorgesehen. So lange diese Strecke gesperrt sei, bleibe der Abschnitt zwischen Hamburg und Lüneburg die Umleiterstrecke für Fern- und Güterzüge zwischen Hamburg und Berlin. Eine Vollsperrung beider Korridore zur gleichen Zeit sei nicht möglich. Zwischen dem 1. und 13. Mai wird laut DB zunächst die Strecke zwischen Hannover und Celle gesperrt. Danach folge die Teilsperrung zwischen Hannover und Uelzen, ab 14. Juni dann die Vollsperrung zwischen Hamburg und Hannover. Züge des Fern- und Güterverkehrs werden umgeleitet, für den Regionalverkehr liege ein Ersatzverkehrskonzept vor.

Das sind die geplanten Sanierungsmaßnahmen

Tag und Nacht soll laut Bahn in den nächsten Wochen an der Strecke gearbeitet werden. Lärmintensive Arbeiten sollen nachts aber nicht stattfinden, hieß es auf Nachfrage. Aufgrund der stufenweisen Sperrung können den Angaben nach weniger Arbeiten durchgeführt werden. Das betreffe hauptsächlich Arbeiten an Gleisen und Weichen, so Dieter Olliges, Projektleiter der „Qualitätsoffensive“ bei DB InfraGO. Es sollen nun 36 Weichen modernisiert werden, in der Vergangenheit war von etwa 70 Weichen die Rede. Nicht reduziert hätten sich beispielsweise die Bahnhof-Sanierungen. Weiterhin sollen vier Bahnhöfe erneuert werden. „Eine Sperrung auf der Strecke muss maximal effizient ausgenutzt werden“, betonte Olliges. Geplant sind laut Bahn folgende Maßnahmen:

  • Modernisierung von rund 66 Kilometern Gleis, 36 Weichen, sechs Weichenheizungen und zwei Kilometern Oberleitung
  • Sanierung von 14 „konstruktiven Ingenieurbauwerken“ – dazu zählt unter anderem die Eisenbahnbrücke „Bleckeder Landstraße“ in Lüneburg sowie die Eisenbahnbrücke „Bahnhofstraße“ in Uelzen
  • umfassende Erneuerung der Bahnstationen in Stelle (Landkreis Harburg), Suderburg (Landkreis Uelzen), Großburgwedel und Langenhagen (Region Hannover)
  • Kabeltiefbauarbeiten für den Bau der neuen Stellwerke entlang der Achse Lüneburg-Uelzen
  • Sanierung des Bahndamms bei Eschede (Landkreis Celle)

LNVG stellt angepasste Ersatzfahrpläne vor

Die LNVG hat die Informationen zum Ersatzverkehrskonzept hier zusammengefasst. Nachdem die Bahn ihr Konzept für die Sanierung angepasst hat, musste die LNVG ebenfalls nachjustieren. Ab 14. Juni greife der ursprüngliche Ersatzfahrplan. Zwischen dem 1. Mai und dem 13. Juni gebe es jedoch Änderungen auf dem Abschnitt Hamburg-Uelzen beziehungsweise Uelzen-Lüneburg. Unter anderem fahren täglich je Richtung drei Züge zwischen Uelzen und Hamburg durchgehend – dafür entfallen je Richtung zwei Verstärkerzüge zwischen Hamburg und Lüneburg. Zudem pendelt die Linie RE3 zusätzlich im Zweistunden-Takt zwischen Lüneburg und Uelzen. Ab 14. Juni greift dann auch zwischen Hamburg und Uelzen der ursprüngliche Ersatzfahrplan. Zwischen Lüneburg und Uelzen fahren dann nach Angaben der LNVG keine Züge mehr. Zwischen Hannover und Celle fahren laut DB während der Sperrung beispielsweise zusätzliche S-Bahnen, zwischen Langenhagen (Region Hannover) und Lüneburg sollen zahlreiche Ersatzbusse fahren.

Eine der am höchsten belasteten Strecken Deutschlands

Nach Angaben der Bahn zählt die Strecke Hamburg-Hannover mit einer Auslastung von 147 Prozent zu den am höchsten belasteten im deutschen Schienennetz. Sie sei „eine wichtige Achse im Personenverkehr und von hoher Bedeutung im internationalen Güterverkehr“, heißt es von der Bahn. So fahre beispielsweise jeder vierte Güterwagen in Deutschland ab oder nach Hamburg. Die Strecke sei 1850 konzipiert und gebaut worden, so Bahn-Sprecher Peter Mantik bei der Vorstellung der Sanierungsmaßnahmen. Seitdem sei die Strecke stellenweise saniert worden, strukturell wurde laut dem Sprecher aber nichts angepasst. Die DB will deshalb in drei Stufen vorgehen: die „Qualitätsoffensive“ in diesem Jahr, die Korridorsanierung im Jahr 2029 – dort sollen die nun weggefallenen Maßnahmen nachgeholt werden – sowie die geplante Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover.

Mit schwerer Technik wird auf einem Teilstück der Bahnstrecke Hamburg-Berlin die vor Jahrzehnten angelegte feste Fahrbahn aus Beton abgebaut. (Themenbild)

Die Sanierung beginnt am 1. Mai. Zunächst wird die Strecke teilweise gesperrt. Der Fernverkehr wird bis 10. Juli umgeleitet.

Ein ICE überholt einen Güterzug.

Sachverständige und Interessenvertreter haben Argumente für und gegen eine Neubaustrecke vorgetragen – bei großem Interesse.

ICE-Trasse mit Gleisbett

Die Bahn organisiert die ab Mai geplante Sanierung neu. Grund dafür sind verzögerte Arbeiten zwischen Hamburg und Berlin.

Der Bahnhof in Lüneburg

Die Deutsche Bahn muss die ab Mai geplante Sanierung der Bahnstrecke verschieben. Das Winterwetter mache derzeit Probleme.

Auf einem Smartphone wird die Website routenretter.de angezeigt.

Von Mai bis Mitte Juli fährt kein Zug zwischen Lüneburg und Hannover. Pendler müssen deshalb wohl aufs Auto umsteigen.

Gleise von Oben fotografiert.

Der Fahrgastverband sieht massive Einschränkungen für Fahrgäste – und rät, auf vermeidbare Zugfahrten zu verzichten.