Vom äußeren Eindruck her würde man eine Kunstgalerie hier nicht vermuten. Ein bürgerliches Wohnhaus in Göggingens Aichingerstraße, gut und gerne hundert Jahre alt, das um ein Straßeneck herumläuft und – dies allerdings könnte auf Außergewöhnliches hindeuten – obenauf ein rundes Türmchen vorzuweisen hat. Man muss klingeln, um zur Galerie zu gelangen, dann geht es die Treppen hinunter ins Souterrain, das sich am Ende der Stufen aber gar nicht als unter der Erde gelegene Etage entpuppt, weil ein Gefälle unterm Haus verläuft. Voilà, hier ist sie, die neue Augsburger Galerie für zeitgenössische Kunst, der Mju3 Art Salon – die Buchstaben-Zahlen-Kombination, eine rückverwandelte Lautschrift, will wie die Muse auf Englisch ausgesprochen werden: muse.

Maximiliane Umlauf ist die Galeristin, alleinige Betreiberin des Mju3 Art Salon. Umlauf ist in der Augsburger Kunstszene keine Unbekannte. Nach Abschluss ihres Studiums der Kunst- und Kulturgeschichte war sie unter anderem für die Ecke-Galerie sowie für die Galerie Cyprian Brenner tätig. Nach ihrem Ausscheiden dort, rund eineinhalb Jahre ist es her, stellte sie schnell fest, dass sie den direkten Kontakt mit der Kunst und ihren Urhebern schmerzlich vermisste. Weshalb Maximiliane Umlauf Augen und Ohren aufhielt, ob sich nicht irgendwo Gelegenheit ergäbe, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Gleich um die Ecke zwei weitere Galerien

Hier kommen Christof Rehm und Andreas Stucken ins Spiel. Beide betreiben schon seit längerem selbst kleine Galerien, die eine wie die andere um die Ecke gelegen in der Gögginger Bergstraße – bei Rehm ist es der Fotodiskurs-Pavillon, bei Stucken der Projektraum Augsburg Contemporary. Man tauschte sich aus über die Idee einer weiteren Galerie, und Rehm war es schließlich, der eines Tages mit der Nachricht kam, er wüsste da etwas im selben Quartier, in der Aichingerstraße 2 … „Ich war gleich begeistert“, erinnert sich Maximiliane Umlauf an die ersten Blicke dorthin, wo nun der Mju3 Art Salon entstanden ist.

Der umfasst drei kleinere, zusammen etwa 50 Quadratmeter umfassende Ausstellungsräume, zwei davon mit Fenstern in einen ausgedehnten Innenhof. Eine schöne Jugendstil-Flügeltür als Raumteiler setzt einen kunsthistorischen Akzent, an mehreren Wänden entlang zieht sich auf halber Höhe eine Wandverkleidung in Terrazzo-Technik, am Boden einesteils Holz, zum anderen dunkler Asphalt. Vielleicht, mutmaßt Maximiliane Umlauf, dienten die Räume einst zu besonderen Verkaufs-, Lager- oder Kühlzwecken. Ihr jedenfalls kommt das Konglomerat der Materialien entgegen, „es passt zu mir“, findet sie, „ein White Cube wäre nichts für mich“.

Die Künstler-Mischung macht‘s, findet die Galeristin

Die Galeristin hat klare Vorstellungen, wie sie ihren Art Salon konzeptionell zu positionieren gedenkt. Einzelausstellungen soll es nicht geben, vielmehr sieht sie sich der Leitidee der französischen Salons des 19. Jahrhunderts verpflichtet, möchte „Vielfalt abbilden“. Worunter sie versteht, dass sich neben dem akademisch ausgebildeten Künstler, neben der Meisterschülerin von X oder Y, sehr wohl auch der Autodidakt finden kann, wenn die künstlerische Qualität eine entsprechende ist. Nicht zu konservativ soll es sein, ihr künftiges Programm, aber auch nicht angestrengt progressiv. An Trends, wie sie auch der Kunstmarkt immer wieder hervorbringt, möchte sie nicht anhängen. Lieber gezielt ihre eigenen Künstler suchen – viel Zeit, sagt Maximiliane Umlauf, verbringe sie bei der Recherche im Internet –, die sie dann zusammenzuführen gedenkt in Gruppenausstellungen, welche unter ein bestimmtes (wenn auch prinzipiell weit geöffnetes) Thema gestellt werden.

So wie nun die erste Ausstellung, die am Sonntag, 26. April, den Mju3 Art Salon erstmals fürs Publikum öffnet. „Groundbreaking“ („bahnbrechend“) ist die Schau betitelt, die fünf Künstlerinnen und Künstler präsentiert. Maria Justus, Judith Kaminski, Thomas Kitzinger, Martin Bruno Schmid und Bernd Schwarting setzen, wie Maximiliane Umlauf es in einem zusammenfassenden Text formuliert hat, „klassische Formensprache und kunsthistorische Bezüge in einen modernen, zeitgenössischen Kontext und veranschaulichen eingängig das Ausbrechen an sich sowie Zerbrechlichkeit, Ängste, aber auch Stärke, Mut und das über sich Hinauswachsen.“

Zusammen statt jeder für sich

Doch die neue Galerie will nicht nur mit Themenausstellungen aufwarten, sondern auch Ort für Gespräche, Diskussionen, Zusammenkünfte aller Art sein. Und nicht zuletzt Teil eines nunmehr entstandenen „Dreigestirns“ an Galerien in Augsburgs Süden. Mit Fotodiskurs und Augsburg Contemporary in der Bergstraße will sich der Mju3 Art Salon keineswegs nur abstimmen, sondern buchstäblich gemeinsame Sache machen. Und so eröffnet am Sonntag nicht nur Maximiliane Umlauf ihre erste Ausstellung in den neuen Räumen, sondern zeigen auch die beiden anderen Eckepunkte des Galerie-Trios jeweils neue Ausstellungen.

Den Betrieb ihrer neuen Galerie sieht Maximiliane Umlauf keineswegs blauäugig. „Ich weiß, wie schwierig dieser Markt ist“, sagt sie, die für den eigenen Lebensunterhalt noch als Angestellte arbeitet. „Aber für den Austausch mit Künstlern und Künstlerinnen“, und dabei schwingt echte Passion in ihrer Stimme mit, „dafür lebe ich.“

Drei Galerien, drei neue Ausstellungen

Die Eröffnung der nachfolgend genannten Ausstellungen findet einheitlich statt am Sonntag, 26. April, von 11 bis 16 Uhr.

  • Mju3 Art Salon (Aichingerstraße 2) – Die Eröffnungsschau „Groundbreaking“ läuft bis zum 30. Mai, geöffnet ist Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr.
  • Augsburg Contemporary (Bergstraße 11) – Unter dem Titel „Leere Hüllen fallen“ richtet die Augsburger Künstlerin Esther Zahel eine Rauminstallation ein (bis 30. Mai, Freitag/Samstag 14 bis 17 Uhr).
  • Fotodiskurs (Bergstraße 12) – Die Ausstellung „Subreal“ zeigt Fotografien von Christa Näher und Dieter Rehm (bis 24. Mai, Freitag/Samstag 14 bis 17 Uhr).