Bauernregeln verlieren an Bedeutung

Eisheilige könnten dieses Jahr früher kommen

Aktualisiert am 22.04.2026 – 18:40 UhrLesedauer: 2 Min.

Frau trägt Planzen in den Garten: Was es bei den Eisheiligen zu beachten gilt.Vergrößern des Bildes

Gärtnern im Frühling (Symbolbild): Traditionell treten die Eisheiligen Mitte Mai auf. (Quelle: AndreaObzerova/getty-images-bilder)

Die traditionellen Bauernregeln gelten auch in Bayern für viele Hobbygärtner weiterhin als Orientierung. Doch verlässlich sind diese schon lange nicht mehr.

Vor allem Hobbygärtner verfolgen jedes Frühjahr aufmerksam die Zeit der Eisheiligen. Denn die Tage Mitte Mai gelten traditionell als Phase, in der es noch einmal deutlich abkühlen kann und Spätfrost jungen Pflanzen schadet. Üblicherweise wird zwischen dem 11. und 15. Mai mit einem Kälterückfall gerechnet.

Bei den Eisheiligen handelt es sich jedoch nicht um ein Naturgesetz, sondern um eine überlieferte Erfahrungsregel aus der Landwirtschaft. Trotzdem warten viele Gartenfreunde weiterhin ab, bevor sie empfindliche Pflanzen ins Freie setzen. Die Eisheiligen gehen auf die Namenstage von katholischen Heiligen im Mai zurück.

In Bayern sind Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius auch als „gestrenge Herren“ bekannt. Komplettiert werden sie von Sophia, der „kalten Sophie“. Mit ihnen verbinden sich zahlreiche Bauernregeln wie „Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder“ oder „Pflanze nie vor der kalten Sophie“. Ebenso verbreitet ist der Spruch: „Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost“.

Im Kalender beginnen die Eisheiligen am 11. Mai mit Mamertus und enden am 15. Mai mit der „kalten Sophie“. Für das Jahr 2026 lässt sich derzeit jedoch noch keine verlässliche Aussage treffen, wie sie in Bayern konkret ausfallen werden. Klar ist: Kälteeinbrüche sind zu dieser Jahreszeit grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.

Aktuelle Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass mögliche Kältephasen in diesem Jahr eher früher auftreten könnten. Bereits Ende April und Anfang Mai sind in Süddeutschland kühle Nächte mit Bodenfrost nicht ausgeschlossen. So warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) aktuell nahezu in ganz Bayern vor nächtlichem Bodenfrost. Ursache sind unter anderem wiederkehrende Kaltluftströmungen aus dem Norden.

Als grobe Orientierung sind Eisheiligen aus Sicht des DWD daher heute nicht mehr das, was sie einmal waren: Zwar könne es auch weiterhin zu Spätfrösten kommen, diese seien jedoch seltener und fielen meist weniger stark aus, erklärt Andreas Brömser, Experte für Agrarmeteorologie beim DWD. Nach seiner Einschätzung haben die Eisheiligen mit Blick auf den Klimawandel weitgehend an Bedeutung verloren.

Grund dafür sei, dass sich die Frostgrenze zunehmend nach vorn verschiebt. „Es ist so spät nur noch selten so kalt, dass man Frost hat“, sagt Brömser. „Und es gibt keine Untersuchung, dass es wirklich eine Gesetzmäßigkeit der Regel gibt.“ Langfristige Daten des DWD zeigen zudem, dass Spätfröste insgesamt seltener geworden sind und sich zeitlich nach vorn verschoben haben.

Die Wahrscheinlichkeit für Frost liegt demnach in vielen Regionen bereits ab Anfang Mai nur noch im einstelligen Prozentbereich. Dennoch bleibt ein Restrisiko bestehen – besonders bei klaren Nächten. Für Gärtner bedeutet das: Wer auf Nummer sicher gehen will, orientiert sich weiterhin an den Eisheiligen. Gleichzeitig können mutigere Hobbygärtner in milden Lagen zunehmend früher mit dem Pflanzen beginnen.