Die Veolia Towers Hamburg kündigten schon mal „The last Dance“ an, den letzten Tanz. Auf den Klatschpappen, die auf allen 3400 der letztlich 2343 besetzten Plätze in der Inselpark Arena auslagen, wurde damit für den Heimabschluss der regulären Saison am 7. Mai gegen die Fitness First Würzburg Baskets geworben. Es wirkte fast so, als glaubten die Wilhelmsburger selbst nicht mehr, darüber hinaus noch in den Play-ins der Basketball-Bundesliga aktiv zu werden.
Nach dem 91:86 (19:18, 24:18, 13:20, 24:24, 11:6)-Sieg nach Verlängerung am Mittwochabend gegen die Rostock Seawolves steht zumindest fest, dass es nicht der letzte erstklassige Tanz sein wird. Der Klassenerhalt ist nunmehr auch offiziell gesichert. Die Chancen auf den Einzug in die Play-ins stiegen laut des Prognosemodells des Physikers Jörn Justiz geringfügig auf 4,6 Prozent.
Veolia Towers Hamburg gewinnen gegen Rostock Seawolves
Um im Jargon zu bleiben: Eine flotte Sohle legten beide Mannschaften nicht aufs Parkett. Sie wirkten stattdessen etwas verkrampft, was sich anfangs in einem intensiven, aber auch fehlerbehafteten Spiel widerspiegelte. Vor allem Rostock leistete sich gegen die gute Towers-Defensive einige Unzulänglichkeiten. Hamburg konnte aufgrund deutlicher Defizite beim Rebound wenig Kapital daraus schlagen.
Spannend blieb das Duell so allemal. Bei den Gastgebern, denen Kapitän Benedikt Turudić (Beschwerden am Hüftbeuger) fehlte, führte LJ Thorpe hervorragend Regie. Devon Daniels übertrieb es dafür gelegentlich beim Versuch, seine Gegenspieler in ewigen Isolationen auszutänzeln.
Spiel geht in die Verlängerung
Das war zu aktiven Zeiten nicht das Spezialgebiet von Justin Raffington. Der ehemalige Tower, der 2019 mit den Hamburgern in die Bundesliga aufstieg und das Rostock-Spiel zusammen mit Ex-Turm Steffen Kiese vom Spielfeldrand aus beobachtete, mochte es eher brachial und über Ringniveau. Von diesen Aktionen bekam er wenig zu sehen, die Rivalen setzten nach dem Seitenwechsel vermehrt auf Dreier, mit leichten Vorteilen für die Seawolves, die dadurch die Führung übernahmen.

LJ Thorpe (26) hat seinen Marktwert in dieser Saison gesteigert. Er hat allerdings noch Vertrag in Hamburg.
© Witters | Leonie Horky
Daniels, in der Schlussphase wieder in altbekannter Verfassung, änderte dies im Alleingang. Die siegbringende Aktion in der regulären Spielzeit blieb ihm aber ebenso verwehrt wie auf der Gegenseite TJ Crockett bei seinem Dreierversuch zum Sieg. Verlängerung also.
Publikum feiert Basketballer
In dieser zauberten die Towers sogar. Daniels bediente Zacharie Perrin in luftiger Höhe, der Franzose vollendete in Raffington-Manier. DJ Direction drehte die Bässe auf, das Publikum wippte mit, ihre Mannschaft tanzte zum Sieg – und vielleicht ja doch noch etwas länger, als ihr Verein es selbst erwartet hatte.
Veolia Towers Hamburg: Daniels (22), Thorpe (15/7 Rebounds/9 Assists), Breunig (14), Perrin (12/8), Williams (11), Ogbe (7), Maronka (6/8), Rich (2), Gamble (2), Wimberg, Grey.