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Eine Woche, die Fußball-Deutschland verändert hat. Eine Woche, in der aus einer Nachwuchstrainerin die erste Cheftrainerin einer Männer-Mannschaft in der Bundesliga wurde. Eine Woche voller Hype, Hoffnung und einem bitteren Ende auf dem Platz für Union Berlin. SPORT BILD zeichnet die vergangenen Tage von Marie-Louise Eta (34) noch einmal nach.

Mehr zum ThemaSamstag (11. 4./kurz vor Mitternacht)

Die Nacht nach dem Heidenheim-Spiel wird zum Wendepunkt. Nach der 1:3-Pleite zieht Union die Reißleine. Steffen Baumgart (54) muss gehen. Parallel läuft bei Marie-Louise Eta noch der Alltag einer Nachwuchstrainerin. Sie sitzt abends zu Hause, bereitet das U19-Spiel gegen Mainz 05 vor, als der Anruf kommt. Ob sie sich die Aufgabe zutraut? Eta zögert keine Sekunde. Die Antwort ist sofort klar: „Ja.“

Sonntag (12. 4.)

Union hat Geschichte geschrieben: erste Cheftrainerin in der Bundesliga-Historie. Die „Eta-Mania“ beginnt – auch international wird berichtet. Gleichzeitig verbreiten sich in den sozialen Netzwerken viele widerliche, sexistische Kommentare. Der Verein reagiert schnell und stellt sich klar hinter Eta. Baumgart verabschiedet sich am Morgen nach seiner Entlassung in der Kabine der Alten Försterei von der Mannschaft. Präsident Dirk Zingler (61), Geschäftsführer Horst Heldt (56) und Kommunikations-Chef Christian Arbeit (52) beraten in der Geschäftsstelle das weitere Vorgehen.

Montag (13. 4.)

Union positioniert sich zum Trainerwechsel. Heldt erklärt auf einer Pressekonferenz die Entscheidung und öffnet gleichzeitig die Tür für mehr. Eta könnte bleiben, vielleicht auch über den Sommer hinaus. Offiziell ist sie nur für fünf Spiele eingeplant. Intern wird nichts ausgeschlossen. Eta war erst an Ostern zur Trainerin der Frauen ab Sommer befördert worden. Heldt sagt: „Wir werden das alles in Ruhe besprechen, wenn es etwas zu besprechen gibt. Das ist zunächst der ursprüngliche Plan. Wir halten uns alle Optionen offen. (…) Eines der beiden Teams wird Marie-­Louise betreuen.“ Wenige Stunden später enthüllt SPORT BILD, dass sich Union mit Noch-Karlsruhe-Trainer Christian Eichner (43) für die neue Saison beschäftigt.

Dienstag (14. 4.)

Der erste offizielle Arbeitstag. Eta ist früh da – um 7.55 Uhr fährt sie im schwarzen Opel an der Alten Försterei vor. Kurz darauf treffen die ersten Profis ein, angeführt von Vize-Kapitän Rani Khedira (32). Um 10.57 Uhr geht es auf den Trainingsplatz. Linksverteidiger Tom Rothe (21) sagt später: „Bei uns am Trainingsplatz waren noch nie so viele Reporter da.“ Eta begrüßt die vielen Journalisten knapp mit „Hallo“, spricht mit ihrem Trainerteam – und legt los. Ihre erste Botschaft: mehr Aktivität, mehr Kommunikation, schnelleres Positionsspiel.

Marie-Louise Eta (34) beginnt mit viel Freude ihre erste Trainings-Einheit als Interims-Chefin

Marie-Louise Eta (34) beginnt mit viel Freude ihre erste Trainings-Einheit als Interims-Chefin

Foto: picture alliance/dpa

Was auffällt: Eta coacht permanent, gibt Anweisungen, korrigiert, lobt. Immer wieder ruft sie: „Hey Jungs!“ Im Vergleich zu Baumgart wirkt sie aktiver und überraschend deutlich lauter. Im Vereins-TV sagt sie: „Es war eine sehr gute Stimmung und Energie bei der ersten Einheit. Es war ein guter Auftakt. Es ging darum, Basics reinzubekommen.“

Mittwoch (15. 4.)

Prominente Stimmen melden sich zu Wort. Unterstützung kommt auch aus der Premier League. Brighton-Coach Fabian Hürzeler (33), der Eta aus der gemeinsamen Trainerausbildung 2023 kennt: „Was sie sehr gut kann, ist, schnell Empathie zu entwickeln. Sie hat eine gute Balance darin, wie sehr man die Spieler in Entscheidungen mit reinholt.“ Am Abend sitzt Eta in der Alten Försterei und verfolgt das U19-Nike-Youth-Cup-Halbfinale gegen Hertha (4:2). Gemeinsam mit Präsident Zingler und Sportchef Heldt schaut sie ihrer alten Mannschaft von der Loge zu.

Donnerstag (16. 4.)

Die erste Pressekonferenz. Der Raum ist voll wie nie, auch Medien aus Frankreich und Österreich sind vor Ort. Eta steht auf einem Hocker hinter dem Pult, damit sie von allen gesehen wird. Sie wirkt ruhig und konzen­triert. Ihre Botschaft: Fokus auf Fußball. „Ich habe totales Verständnis für die öffentliche Debatte. Aber mir geht es um Fußball, um die Zusammenarbeit mit Menschen – und darum, erfolgreich zu sein.“ Am selben Tag sorgt Zingler für den ersten Dämpfer. Der Präsident stellt klar: „Marie-Louise Eta wird für fünf Spiele hier verantwortlich sein, und danach wird sie die Frauen übernehmen.“ Damit sind die Diskussionen um Etas Zukunft nach dem Sommer erst einmal beendet.

Marie-Louise Eta (34) tritt zum ersten Mal vor die Presse - der Raum ist voll, viele müssen stehen

Marie-Louise Eta (34) tritt zum ersten Mal vor die Presse – der Raum ist voll, viele müssen stehen

Foto: picture alliance/nordphoto GmbH

Freitag (17. 4.)

Abschlusstraining vor Wolfsburg. Eta arbeitet an Offensiv-Details, ohne das defensive Dreierketten-System komplett umzubauen. Dann erreicht sie eine besondere Nachricht: ein Brief der Fifa. Jill Ellis (59), Chief Football Officer, schreibt: „Die erste Cheftrainerin in einer der Top-Fünf Männerligen Europas zu werden, ist nicht nur ein bedeutender Erfolg für dich persönlich – es ist auch ein Beleg für deine harte Arbeit und den Beitrag, den du und der 1. FC Union Berlin geleistet haben, um das Spiel zu entwickeln.“

Samstag (18. 4.)

15.31 Uhr: Geschichte wird geschrieben! Mit Eta steht erstmals eine Frau an der Seiten­linie der Bundesliga. Die Fans feiern sie als „Fußballgöttin“. Auf dem Platz folgt die Ernüchterung. Wolfsburg gewinnt am Ende 2:1. Die Hype-Woche endet mit einer Niederlage.