Stand: 22.04.2026 20:50 Uhr
Photovoltaik und Maschinen im E-Betrieb sollen den Zoo Braunschweig unabhängiger von Preisschwankungen machen. Völlig spurlos geht die Energiekrise durch den Iran-Krieg an der Einrichtung aber nicht vorbei.
Die Ohren von Eseldame „Sheela“ spitzen sich. Bei dem, was da anrollt, hätte sie sich früher wohl vor Schreck in den Stall gerettet. Doch der Radlader mit der Fuhre Sand für das Esel- und Ponygehege kommt nicht mit viel Krach und lautem Motoren-Geratter. Stattdessen surrt er fast lautlos an „Sheela“ vorbei, wirft seine Ladung ab und macht sich ebenso still wieder aus dem Staub. Der batteriebetriebene Radlader ist eine von mehreren Neuanschaffungen von Peter Wilhelm, Leiter des Zoos Braunschweig. „Wir mussten einfach reagieren“, sagt Wilhelm. Und meint damit nicht etwa den zu hohen Lautstärkepegel der alten, benzinbetriebenen Maschinen – obwohl diese durchaus für viele Tiere ein Schreck gewesen seien -, sondern vor allem den Spritverbrauch.

Mit der Waffenruhe im Iran sinken die Spritpreise, sind aber noch deutlich erhöht. Daten zeigen die aktuellen Preise.
E-Fahrzeugflotte: Besser für Portemonnaie und Umwelt

Auch bei Laubbläsern setzt der Zoo Braunschweig inzwischen auf einen Elektroanbtrieb.
Radlader, Gabelstabler, Mini-Transporter für das Tierfutter: Das sind Fahrzeuge, die im Zoo Braunschweig jeden Tag im Einsatz sind. Entsprechend hoch waren die monatlichen Ausgaben für Diesel und Benzin. Nun hat der Zoo die gesamte Flotte auf E-Betrieb umgestellt. „Das ist nicht nur wirtschaftlich besser, sondern auch aus Sicht des Umweltschutzes ein großer Faktor“, sagt Wilhelm. Ein Teil des Stroms wird autark produziert: durch die Photovoltaik-Anlagen auf den Wirtschaftsgebäuden des Zoos. Die schaffen bis zu 16.000 Kilowattstunden Energie pro Jahr – rund 20 Prozent des Gesamtverbrauchs. Rund 5.000 Euro spare er dadurch, so der Zoochef.
Zoos als Stromfresser
„Was die PV-Anlagen schaffen, reicht vor allem im Sommer locker, um den täglichen Betrieb am Laufen zu halten“, so Wilhelm. Und Zoos sind Energie-Fresser: Wärmelampen für Schildkröten oder afrikanische Mangusten, Klimaanlagen für Königs-Pythons, Softeis-Maschinen für die Besucher – hier gibt es kaum etwas, das keine Energie verbraucht. Wenn vor allem an sonnigen Tagen trotzdem Energie-Überschuss da ist, wird der Strom verkauft. Das bringe zusätzliche 20.000 Euro im Jahr, sagt Wilhelm.

Aktuelle Daten zeigen die Entwicklung des Gaspreises für Neukunden und des Einkaufspreises für Erdgas.
„Alternative ist nur: Tiere abgeben“
Das Strom-Einsparpotential ist dagegen begrenzt – ein Problem, das viele Zoos und Tierparks haben. Das wird auch bei der Tagung der Deutschen Tierparkgesellschaft deutlich, die in diesem Jahr in Braunschweig stattfand und deren Mitglieder sich den Zoo Braunschweig als „best practice“-Beispiel angeschaut haben. „Viele Tiere kommen eben aus anderen Gefilden. Die brauchen Wärme, die brauchen UV-Licht“, sagt Linda Bunzenthal vom Tierpark Fauna Solingen (Nordrhein-Westfalen). Die Alternative sei nur, Tiere abzugeben. Einige Zoos hätten das auch schon getan und sind beispielsweise von wärmeliebenden Reptilien auf heimische Tierarten gewechselt.
Ziel: Beim Strombedarf unabhängiger werden
Im Zoo Braunschweig ist das erstmal kein Thema. Hier soll die Photovoltaik dafür noch stärker ausgebaut werden, um noch unabhängiger von externem Strom und damit von Preisschwankungen zu werden. Das Ziel: Etwa ein Drittel des Strombedarfs selbst zu produzieren. Weil die Einspeisevergütung für Solarstrom künftig aber wegfällt, will Zoochef Wilhelm nun zusätzlich einen Pufferspeicher installieren, mit dem er die gewonnene Energie von sonnigen Tagen für Schlechtwetter-Phasen speichern kann. Das so gesparte Geld soll die Eintrittspreise stabil halten und steigende Kosten auffangen. Denn auch Tierfutter, so Wilhelm, werde nicht billiger.

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