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Im Dezember waren die Veolia Towers Hamburg abgeschlagen Letzter. Vier Spieltage vor Schluss steht der Klassenerhalt nun auch rechnerisch fest: Gegen die Rostock Seawolves gewannen die Türme nach Verlängerung mit 91:86 (43:36/80:80) und machten sich nach einem denkwürdigen Abend auf die Ehrenrunde. In dem packenden Hanse-Derby wechselte die Führung insgesamt 19 Mal. Rekord! Rostock warf 28 Mal mehr auf den Korb und verlor dennoch. So spannend war diese Saison noch keine Partie in der Easycredit Basketball Bundesliga!
Die Rostocker sind dagegen drauf und dran, im Saisonendspurt nach der dritten Niederlage in Folge noch die Play-Ins zu verspielen …

„Vielleicht wird man erst in drei, vier Jahren, wenn so richtig Abstand ist, wertschätzen können, was das für eine Riesenleistung gewesen ist von dieser Mannschaft“, sagte der nassgeschwitzte Towers-Trainer Benka Barloschky. „Wenn man in so einer Niederlagenserie ist, und der EuroCup war ja auch noch dabei, sich da herauszuarbeiten, da die Ruhe zu bewahren, da einen Schritt von den anderen zu tun und nicht komplett in Panik zu verfallen, weil der Druck von außen so unglaublich doll steigt, ist eine unglaubliche Leistung.“
Zuletzt hatten die Towers regelmäßig den Start verschlafen. Diesmal begannen sie hellwach und es entwickelte sich ein schnelles, intensives Spiel. Im ausgeglichenen ersten Viertel holten die Gäste acht Offensiv-Rebounds, bis zur Halbzeit waren es schon 15 – und am Ende sogar 29! Dafür hatten die Türme vor 2343 Fans die deutlich besseren Trefferquoten. Beide Trainer waren zunächst zufrieden mit dem, was sie sahen, und verzichteten auf Timeouts.
BBL: Rekord-Abend in Hamburg: Towers feiern Klassenerhalt ohne Goethe und Schiller
Das änderte sich im zweiten Abschnitt. In Seawolves-Coach Przemyslaw Frasunkiewicz wuchs der Unmut. Vor allem die zehn Ballverluste passten ihm überhaupt nicht. Beim Stand von 38:32 schwoll ihm zum ersten Mal so richtig der Kamm – und es folgte eine seiner berüchtigten Auszeiten. Der Pole brüllte wütend seine Spieler an. Das Dyn-Mikrofon fing extrem oft das englische Schimpfwort mit „F“ ein. „Da waren keine Goethe- oder Schillerzitate dabei“, stellte Kommentator Arne Malsch fast schon entschuldigend fest.
Nach der Pause zogen die Rostocker die Intensität merklich an und begannen sofort mit einem 5:0-Lauf. Doch die Towers blieben ruhig und konterten. Aber mit dem nächsten Lauf holten sich die Rostocker die Führung wieder (54:52), weil TJ Crocket drei Dreier in Folge versenkte. Nach 30 Minuten stand es 56:56. Auch im Schlussviertel setzten die Rostocker den ersten Punch. Aber erneut konnten die Türme zurückschlagen und erzwangen die Verlängerung. Spätestens jetzt saß im Inselpark niemand mehr.
Die Entscheidung fiel, nachdem Rostocks Ball-Magnet Owen Klassen (13 Rebounds) sein fünftes Foul kassierte und runtermusste. Ohne ihren Anker schwammen die Rostocker unter dem Korb. „Das war ein Riesen-Faktor. Aber auch das fünfte Foul von Andy van Fleet war wichtig“, sagte Barloschky.
Beste Werfer waren Devon Daniels (22) sowie der Rostocker TJ Crocket (25).
Sieben Sekunden vor Schluss machte Kenny Ogbe per Dreier zum 91:86 den Deckel drauf. Barloschky fuhr nach erfolgreicher Rettungs-Mission erschöpft nach Hause: „Ich freue mich auf mein Bett. Und darauf, das Spiel mit einem Glas Rotwein noch mal auf dem Sofa zu gucken. Ich liebe diesen Beruf. Ich habe mir das unfassbar hart erarbeitet.“