Startschuss für die Kampagne, die die Düsseldorfer im Stadtbild und auf zahlreichen Online-Kanälen auf das Ereignis vorbereitet, war am Fortuna-Büdchen. Kein Zufall, denn Lokalkolorit ist bei den Machern des Groß-Ereignisses ausdrücklich erwünscht. „An diesem Büdchen duzt man sich, kommt sich schnell näher, das Miteinander steht im Vordergrund“, sagt Thorsten Latzel, Präses der Rheinischen Landeskirche, bevor er sich ein Sweatshirt mit der Losung und einem DU in Großbuchstaben überstreift. Ein „du“, das dazu einlade, den Kirchentag als Ort der Begegnung, des Dialogs und der Gemeinschaft zu erleben.
Im Rheinland begegne man sich auf Augenhöhe, meist direkt und ohne Umschweife. Und genau diese Nahbarkeit habe man in der Kampagne gestalterisch übersetzen wollen, stellt Benjamin Arndt, Geschäftsführer der Agentur Arndtteunissen, fest.
„Düsseldorf wird DU-Dorf. Das heißt: Der Kirchentag lädt dazu ein, die Würde des anderen neu zu sehen“, erläuterte Latzel den Ansatz der Kampagne. Die Botschaft solle sein: Ich sehe dich, nehme dich ernst, du bist wertvoll für mich. Egal, woher du stammst, egal, wie du aussiehst und egal, wen du liebst. Und genau das sei ein starker Gegenakzent zu einer Zeit, in der vor allem über andere und weniger miteinander geredet werde.
Ähnlich schätzt das Kirchentagspräsident Torsten Zugehör, der Oberbürgermeister der Lutherstadt Wittenberg ist, ein. Der Kirchentag bringe eben auch Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden. „Er baut Brücken zwischen Generationen, Meinungen und Lebenswelten. Deshalb stellen wir mit der Kampagne das Du so stark in den Mittelpunkt“, sagte er.
Passend zur Veröffentlichung des Kampagnenmotivs wurde auch die regionale Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Düsseldorf eröffnet. Sie dient als zentrale Anlaufstelle vor Ort für Planung, Koordination und Kommunikation. Die Organisatoren hoffen auf 20.000 Menschen, die in einem Jahr aktiv bei Vorbereitung und Umsetzung der Veranstaltungen mitwirken, sowie auf etwa 1000 inspirierende Programmangebote. Der Kirchentag findet vom 5. bis 9. Mai statt. Bis zu 100.000 Besucher könnten insgesamt daran teilnehmen, so die Schätzung der Organisatoren.
Düsseldorf beteiligt sich mit knapp sechs Millionen Euro an den Kosten für das Großereignis. Diese Mit-Finanzierung aus dem städtischen Etat wird unter anderem von den religionskritischen Mitgliedern des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes (DA), einer Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung, kritisiert. Der Versuch, die finanzielle Beteiligung der Stadt mithilfe eines Bürgerbegehrens zu unterbinden, scheiterte allerdings, weil nicht genügend Unterschriften dafür gesammelt werden konnten. Dennoch wiederholten Vertreter des DA ihre Kritik auch am Mittwoch. Parallel zum Kampagnenstart rollten sie – ebenfalls in Höhe des Fortuna-Büdchens – ein rosafarbenes Transparent mit dem Schriftzug „Du bist kostspielig!“ aus.
„Wir sind nicht gegen den Kirchentag an sich, wohl aber gegen eine Mit-Finanzierung aus Steuergeldern, zumal inzwischen weniger als die Hälfte der Bürger noch einer der beiden großen Kirchen angehört und die Kirchensteuereinnahmen nach wie vor üppig sind“, sagte Ricarda Hinz.
Präses Latzel schätzt das anders ein. „Unser Angebot ist nicht missionarisch angelegt und es richtet sich an alle.“ Themen, wie die Bewahrung der Schöpfung, der gesellschaftliche Zusammenhalt und die soziale Gerechtigkeit, seien gesamtgesellschaftliche Anliegen. Zudem gebe ein solches Ereignis einer Stadt Hoffnung und Freude. Mit den Kritikern werde man während der vier Tage gerne in den Dialog treten. Hinz zeigte sich dafür offen. „Wir schätzen Dialoge und nehmen das gerne wahr.“