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Berlin – Späte Erkenntnis! Eine Woche nach der scharfen Kritik von Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel (66) in der Talkshow von Sandra Maischberger (59) wiederholt SPD-Co-Chefin Bärbel Bas (57) dessen Hauptvorwurf fast wortgleich. Am 15. April hatte Gabriel gesagt: „Mein Eindruck ist, dass die Sozialdemokraten ein Problem haben, zu beschreiben, wozu es sie eigentlich gibt!“ Jetzt räumt Bas ein: „Die Leute wissen nicht mehr, wofür ist die SPD eigentlich da?“

Die Selbstkritik der Co-Vorsitzenden und Bundesministerin für Arbeit und Soziales richtet sich gegen das bisherige Selbstverständnis vieler SPD-Abgeordneter: „Die Wahrheit ist, wir haben in vielen Bereichen die Kompetenzen verloren“, sagt Bas. „Wir haben uns zu sehr um Einzelinteressen gekümmert und gedacht: Wenn wir uns um einzelne Gruppen kümmern, wird daraus eine Mehrheit.“

„Der Vertrauensverlust ist enorm“

Ihre Forderung: „Wir müssen uns wieder mehr auf den Kern konzentrieren.“ Denn, so Bas mit Blick auf klassische SPD-Themen: „Wir sind vielstimmig. Die Leute wissen nicht mehr: Wer kämpft für uns? Insbesondere Arbeitnehmer, aber auch kleine Selbstständige, Handwerker, der Mittelstand: Da waren wir immer stark, wenn wir Wirtschaft und Arbeit miteinander versöhnt haben, Wohlstand für alle auf den Weg gebracht haben.“ Maischberger entgegnet: „Das ist aber kein SPD-Slogan, das war die CDU!“ Bas bleibt dabei: „Das ist der Punkt. Das haben wir immer hingekriegt als Sozialdemokraten. Ein starker Sozialstaat ist nur möglich, wenn ich auch Wirtschaftswachstum habe. Diesen Ausgleich haben wir immer hinbekommen. Das ist verloren gegangen. Der Vertrauensverlust ist enorm.“

Neben Bas in der Talkshow (v.l.): Mariam Lau (Politikredakteurin der Zeit), Sven Gösmann (Chefredakteur dpa), Petra Gerster (Ex-ZDF-Moderatorin) mit Gastgeberin Sandra Maischberger

Neben Bas in der Talkshow (v.l.): Mariam Lau (Politikredakteurin der Zeit), Sven Gösmann (Chefredakteur dpa), Petra Gerster (Ex-ZDF-Moderatorin) mit Gastgeberin Sandra Maischberger

Foto: Oliver Ziebe/WDR

Maischberger konfrontiert Bas zudem mit einer neuen Umfrage im SPD-Stammland NRW: „Da sind Sie auf Platz vier, da würden Sie nicht mal ins Wahlduell kommen.“ Bas zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Das werden wir durch gute Arbeit aufholen. Die Menschen sind genervt von der Streiterei. Sie wollen Lösungen. Wir müssen wieder klarmachen, dass wir für die Menschen kämpfen und den Ausgleich zwischen Wirtschaft und Arbeit hinbekommen.“

Ratschläge von Gabriel? „Brauche ich nicht“

Bas räumt ein: „Den haben wir verloren. Ich gebe das offen zu. Wenn wir nur noch als Bürgergeldpartei gelten und arbeitende Menschen den Eindruck haben, die SPD steht nicht mehr für sie – dann haben wir ein großes Problem. Da will ich wieder hin.“

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Auch ohne Gabriel. Auf Maischbergers Frage, ob Ratschläge des Vorgängers willkommen seien, antwortete die Nachfolgerin trotzig: „Brauche ich nicht.“