Über die Gefahren eines Schlaganfalls wird viel berichtet, aber offensichtlich immer noch nicht ausreichend aufgeklärt: Denn nach wie vor ist dieser Notfall, ausgelöst durch eine plötzliche Durchblutungsstörung, bei der Hirngewebe abstirbt, die zweithäufigste Todesursache bei Menschen, die älter sind als 60 Jahre. Allein in Hamburg werden jeden Tag etwa 28 Menschen vom Schlag getroffen. „Es kommt leider immer wieder vor, dass sich Betroffene dann erst mal zwei Stunden ins Bett legen und schauen, ob die Symptome von selbst wieder verschwinden, oder gar bis zum nächsten Tag abwarten, ehe sie den Hausarzt aufsuchen“, sagt Professor Dr. Dr. Lars Marquardt, Chefarzt für Neurologie und Neurogeriatrie an der Asklepios Klinik Wandsbek.

Er sei überrascht, wie häufig dieser „fatale, lebensbedrohliche Fehler“ doch noch begangen werde, sagt der Experte. „Der Schlaganfall bedeutet, dass ein akutes Problem mit der Blutversorgung im Gehirn vorliegt. Entweder ist ein Gefäß verstopft oder ein Gefäß platzt. Es geht also darum, möglichst schnell zu reagieren“, sagt der Chefarzt, der (aus Leidenschaft) selbst noch als Notarzt unterwegs ist. Kollegen in England und den USA hätten den Ausspruch „Time is brain“ geprägt: „Soll heißen: Je später ein Schlaganfall behandelt wird, desto größer ist das Risiko bleibender Schäden.“

Schlaganfall: Nur wer schnell handelt, kann das Schlimmste verhindern

Doch wer unmittelbar handele, könne das Schlimmste verhindern. Wichtig sei, auf die typischen Symptome, die wortwörtlich schlagartig auftreten, zu achten. „Diese Ausfallerscheinungen können vielgestaltig sein, aber am häufigsten kommen plötzliche Lähmungserscheinungen auf einer Körperhälfte, Sehstörungen und Schwindel, aber auch Sprach- und Wortfindungsstörungen vor.“ In solchen Fällen sollten Angehörige oder die betroffene Person selbst sofort die 112 rufen.

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Schlaganfall-Experte warnt: „Abwarten ist ein fataler Fehler“

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Tückisch sei, dass manche dieser Symptome innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde tatsächlich vollständig verschwinden könnten. Mediziner sprechen dann von einer transitorisch ischämischen Attacke, kurz TIA. „Das darf man aber auf keinen Fall verharmlosen, es ist mindestens ein ernstes Warnsignal für einen drohenden Schlaganfall“, warnt Professor Dr. Dr. Marquardt. „Für uns Schlaganfallmediziner ist es überhaupt nicht relevant, ob das jetzt vorübergehend ist oder länger anhaltend. Es muss behandelt werden!“

Schlaganfall: Die Ursache ist meistens ein verstopftes Gefäß

Doch wie? Zunächst werden die Patienten in eine sogenannte Stroke Unit, eine auf Schlaganfälle spezialisierte Abteilung, gebracht. Dann erfolge in der Regel eine Computertomografie (CT), sagt der Chefarzt, der mit seinem Team in Wandsbek jedes Jahr rund 1200 Schlaganfall-Patienten versorgt. „In etwa 80 Prozent der Fälle stellt man dann fest, dass ein verstopftes Gefäß die Ursache ist.“

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Professor Dr. Dr. Lars Marquardt ist Chefarzt der Neurologie und Neurogeriatrie an der Asklepios Klinik Wandsbek. Der Schlaganfall-Experte ist auch als Notarzt im Einsatz.
© FUNKE Foto Services | Michael Rauhe

Man versuche dann, dieses Blutgerinnsel durch Blutverdünner aufzulösen, damit das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Mittlerweile gebe es ein neues Medikament, das man einmalig spritze. „Vorher hat man eine Stunde lang eine Infusion gegeben, das Prozedere hat also länger gedauert.“ Bei großen Gerinnseln, die sich nur schwierig auflösen lassen, setze man auf ein Katheterverfahren.

Schlaganfall-Experte: „Das ist ein Einschnitt für die gesamte Familie“

Risikofaktoren für einen Schlaganfall seien „die üblichen Verdächtigen“: Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, hohe Cholesterinwerte, mangelnde Bewegung. Ein Schlaganfall sei auch deshalb so gefährlich, weil doch viele Patienten Ausfallerscheinungen zurückbehalten. „Manche, die früh behandelt wurden, behalten nichts zurück, aber andere müssen mit Lähmungen oder Sprachstörungen weiterleben.“

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„Ein Schlaganfall ist eine Erkrankung, die einen Rieseneinfluss hat – auf den Betroffenen, aber auch auf die ganze Familie“, sagt der Chefarzt. „Viele Menschen brauchen nach der Reha dann auch Hilfe zu Hause.“