Blick auf den Centre Court des Tennisstadions am Rothenbaum in Hamburg.

Stand: 23.04.2026 • 09:24 Uhr

Tennis einmal anders: Die Hamburg Open haben mit immersiven Bilderwelten den Startschuss für das gut besetzte Turnier im Mai gegeben. Ob Lokalmatador Alexander Zverev seine Zusage einhalten kann, ist ungewiss. Priorität haben die unmittelbar folgenden French Open und seine Jagd nach dem ersten Grand-Slam-Titel.

Größer, besser – einzigartig. Die Hamburg Open am Rothenbaum wollen nicht nur eines der traditionsreichsten Turniere im Tennis-Kosmos bleiben, sondern sich einen Platz unter den bedeutendsten Veranstaltungen des „weißen Sports“ sichern. Die Vorstellung der sogenannten Entry-List war ein erstes Highlight für das mit 2,2 Millionen Euro dotierte Event der 500er-Kategorie.

Der Lokalmatador und viel zitierte „Local Hero“ (Hamburgs Sport-Staatsrat Christoph Holstein) Alexander Zverev war zwar nicht dabei – dafür aber war der Ort der Präsentation auserlesen. Im Port des Lumières, der Kunst-Erlebniswelt mit immersiven Ausstellungen und faszinierenden Lichtinstallationen in der Hafencity, wurde kräftig Werbung für das Rothenbaum-Turnier vom 16. bis 23. Mai gemacht.

Turnierchef: „Eines der stärksten Felder, das wir je hatten“

Im Halbdunkel des Museums wurden Bilderwelten des Turniers und dessen Protagonisten auf bis zu zehn Meter hohen Wandflächen im ganzen Raum projiziert. Spielszenen auf rotem Sand gingen über in ikonische Motive der Hansestadt und Konterfeis von Stars aus dem Tenniszirkus.

Eine Tennis-Pressekonferenz in einer virtuell geschaffenen Kunstwelt – das sei bislang einmalig auf der ATP-Tour, wie es hieß. Und sportlich exquisit soll es auch werden. „Mit vier Top-Ten-Spielern und elf Akteuren aus den Top 20 präsentieren wir eines der stärksten Teilnehmerfelder, das wir je in Hamburg hatten“, sagte Turnierdirektor Enric Molina Mur. Das unterstreiche die Bedeutung der Hamburg Open im internationalen Tennis-Kalender.

Härtester Cut der Turniergeschichte

Neben Zverev, aktuell Nummer drei der Weltrangliste, sind der Kanadier Félix Auger-Aliassime, Ben Shelton aus den USA, der gerade in München gewonnen hat, und der Hamburg-Sieger von 2022, der Italiener Lorenzo Musetti, die ranghöchsten Starter. Auch Vorjahressieger Flavio Cobolli aus Italien hat für das starke 32er-Feld gemeldet, das zudem für eine der bislang härtesten Cut-Off-Marken in der Turniergeschichte sorgt. Wer sicher im Hauptfeld dabei sein will, muss einen Weltranglistenplatz von mindestens 35 vorweisen.

Rune-Comeback – Hoffen auf Alcaraz und Sinner

Für den Dänen Holger Rune (ATP-Rang 39) gilt das natürlich nicht. „Wir freuen uns sehr, dass er in Hamburg sein Comeback nach langer Pause wegen eines Achillessehnenrisses feiern wird“, so Molina Mur. Etablierten Stars stehe die Tür jederzeit offen. Die Hoffnungen auf einen Start der Topstars Jannik Sinner und Carlos Alcaraz dürften angesichts des Termins unmittelbar vor den French Open (Beginn 24. Mai) indes vergeblich sein.

Mehr Zuschauer als im Vorjahr erwartet

Vielleicht müssen die Turnier-Macher um „Tennium“-Chef Kristoff Puelinckx sogar um ihr Zugpferd zittern, denn nach seinem neuerlichen Halbfinal-Aus in München meinte Zverev: „Ich glaube, so ein Carlos und so ein Jannik machen es schon schlau, dass sie nicht jede Woche spielen – auch wenn es Masters-Turniere sind, auch wenn es vielleicht Turniere zu Hause sind.“ Der Spanier Alcaraz hatte seinen Start in Madrid zuletzt wegen einer Verletzung abgesagt.

Zverev: „Spielplan klug gestalten“

„Das Hauptziel ist, in Paris das beste Tennis zu zeigen“, betonte Zverev derweil in eigener Sache. Auf der letzten Rille wird das kaum möglich sein. Deshalb müsse er „seinen Spielplan klug gestalten“ und dürfe womöglich auch keine Kompromisse eingehen. Was das für einen Start bei den Hamburg Open bedeutet, wird sich zeigen. Puelinckx erwartet mit 80.000 Zuschauern dennoch einen höheren Zuspruch als im vorigen Jahr.

„Vor Absagen ist man nie gefeit“, weiß Dietloff von Arnim. Der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) freut sich ungeachtet dessen, dass es in der Kooperation mit Veranstalter „Tennium“ nach schwierigen Jahren wieder gelungen sei, „die internationale Spitze nach Hamburg zu bringen und gleichzeitig unseren besten deutschen Talenten die Chance zu geben, sich auf diesem Niveau zu beweisen“. Weltklasse und Nachwuchsförderung gehörten für den an Mitgliedern wachsenden Verband untrennbar zusammen.

DTB hält Wildcard-Vergabe offen

Der 18-Jährige Justin Engel, der im Vorjahr trotz seines Ausscheidens gegen Andrey Rublev (3:6, 5:7) positiv überraschte, und auch Jan-Lennard Struff dürfen mit einer Wildcard rechnen, zumal die Hamburg Open längst plakativ mit dem Dreigestirn Zverev, Struff, Engel für den neu geschaffenen „German Tennis Day“ am 18. Mai werben. Von Arnim allerdings bremst und macht im Gespräch mit dem NDR allen Kandidaten für die vier vom DTB zu vergebenen Wildcards Hoffnung: „Noch haben wir uns nicht endgültig festgelegt.“

Norddeutscher Rundfunk