Winken dem größten deutschen Sauerkraut-Hersteller Hengstenberg goldene Zeiten? Die Vermutung liegt zumindest nahe, denn wie der „Spiegel“ berichtet, überlegt das Unternehmen aus Esslingen (Baden-Württemberg), die eigene Produktion wegen gesteigerter Nachfrage aus den USA hochzufahren. Der Grund: Trumps Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. schwärmt bei jeder Gelegenheit von dem deutschen Klassiker – und isst Sauerkraut sogar schon zum Frühstück.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wie weit Kennedys Liebe für Sauerkraut reicht, verriet seine Frau Cheryl Hines in dem Podcast der Politikberaterin Katie Miller. Demnach brate sich ihr Mann jeden Morgen um 6.30 Uhr ein Steak und esse dazu Sauerkraut. Wenn beide in ein Restaurant gehen, bittet Kennedy seine Frau sogar, in der Handtasche immer Sauerkraut dabei zu haben.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy jr. schwört auf Carnivore-Diät
Kennedy schwört auf eine fleischbasierte Ernährung in Kombination mit fermentierten Lebensmitteln wie Kimchi und Sauerkraut. Die sogenannte Carnivore-Diät schließt pflanzliche Lebensmittel fast komplett aus, stattdessen stehen tierische Eiweiße, Milch und Eier auf dem Speiseplan. „Ich esse ausschließlich Fleisch und fermentierte Lebensmittel“, sagte der Neffe des einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy Anfang des Jahres in einem Interview mit „USA Today“. Fermentierte Lebensmittel haben den Ruf, die Darmgesundheit zu unterstützen, besitzen aber durch den Gärprozess deutlich weniger Nährstoffe als unverarbeitetes Gemüse.
Die Tatsache, dass der 72-Jährige bei jeder Gelegenheit Sauerkraut anpreist, hat nun Auswirkungen auf das in Esslingen angesiedelte Unternehmen Hengstenberg. „Seit einigen Wochen haben wir mehrere Anfragen pro Woche aus den USA“, sagte der Hengstenberg-CEO Aymeric de La Fouchardière gegenüber dem „Spiegel“. So hätte zuletzt unter anderem eine große amerikanische Kreuzfahrtschiff-Linie angefragt, ob die Firma Sauerkraut liefern könne.
Sauerkraut-Hersteller Hengstenberg denkt darüber nach, die Produktion hochzufahren
„Wir überlegen ernsthaft, unsere Produktion hochzufahren, um von dem Trend zu profitieren“, sagte der Hengstenberg-Chef gegenüber dem Magazin. Einziger Haken: Sauerkraut wird zwischen August und Oktober geerntet, bevor es gären muss. Die Extra-Charge käme also frühestens Ende des Jahres auf den Markt bzw. in den USA an. Die gesteigerte Frage aus Übersee führt sogar dazu, dass Hengstenberg sein komplettes Branding überdenkt, um jüngere Zielgruppen anzusprechen – und vom Trend zu profitieren. So soll unter anderem die Verpackung in den USA geändert werden und künftig weniger traditionell bayerisch daherkommen. Auf die Unterstützung des US-Gesundheitsministers in Form von kostenloser Werbung kann sich das deutsche Unternehmen wohl verlassen.

Ähnlich wie die Produzenten von Rindertalg: Seitdem Kennedy Jr. mehrmals von dem Rinderfett geschwärmt hat und unter anderem ein Video teilte, in dem er einen Truthahn in dem tierischen Naturprodukt frittiert, boomt die Nachfrage nach Rindertalg in US-Supermärkten.
In der Vergangenheit hatte Kennedy Jr. immer wieder für Kontroversen gesorgt, weil er die Sinnhaftigkeit von Impfungen in Zweifel zog. Unter anderem stellte er einen – von Forschern widerlegten – Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus her und riet lange von Spritzen gegen Masern ab. Als die Zahl der Neuinfektionen auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten schnellte, bezeichnete er Impfungen dann doch als effektivstes Mittel zur Eindämmung der Epidemie. Erst vor wenigen Tagen schaffte das US-Verteidigungsministerium die verpflichtende Grippeschutzimpfung für Soldaten ab.